Wenn Kinder davon profitieren, hilft Herzogin Elizabeth in Bayern gerne: Die Stiftung „Gesellschaft macht Schule“ fördert junge Menschen auf ihrem Bildungsweg. Foto: Haag

"Benachteiligte Kinder haben keine Lobby"

München - Herzogin Elizabeth in Bayern unterstützt eine Stiftung, die sich für junge Menschen aus bildungsfernen Familien einsetzt.

Klassische Musik für benachteiligte Kinder - so will die Stiftung „Gesellschaft macht Schule“ Geld für ihre Projekte sammeln. Herzogin Elizabeth in Bayern hat die Schirmherrschaft für das Benefizkonzert am 10. April in der Residenz übernommen. Im Gespräch erklärt sie, was das Konzert besonders macht, wie die Stiftung benachteiligten Kindern hilft und warum die Probleme der jungen Menschen häufig unsichtbar bleiben.

-Benefiz-Konzerte gibt es ja viele - was macht dieses Konzert besonders?

Wir wollen damit Kindern helfen. Es gibt sehr viele wohltätige Veranstaltungen für Kultur, Tiere und anderes. Aber sehr wenige für Kinder in München und Umkreis. Da sollte man was tun.

-Bei der Neuen Philharmonie spielen ja auch vor allem junge Musiker.

Genau. Das sind sehr begabte Kinder und Jugendliche, die sich dafür entschieden haben, für benachteiligte junge Menschen zu musizieren. Damit wollen wir auch den Solidaritätsgedanken fördern. Gerade Jugendliche haben ein starkes Gerechtigkeitsempfinden.

-Wem kommen die Einnahmen aus dem Konzert zugute?

Zu 100 Prozent unseren Bildungsprojekten. Da wird nichts für Verwaltungszwecke oder Ähnliches abgezweigt. Das sind Projekte, die Schülern in Münchner Brennpunktschulen zugute kommen. Kinder singen, forschen, lernen miteinander auszukommen oder Vorstellungsgespräche zu meistern.

-Sie bieten auch an, dass Spender im Vorfeld bei den Projekten hospitieren können.

Genau. Menschen, die spenden wollen, sollen sich ein Bild machen können - nicht nur von den Projekten, sondern vor allem von den Kindern und ihren Bedürfnissen. Und auch von den Problemen, mit denen sich Lehrer und Schulleiter befassen müssen. Vieles davon ist nicht bekannt. Es steht zwar in der Zeitung, aber das selbst zu sehen, ist nochmal etwas ganz Anderes.

-Bei den Projekten ist auch ein Boxtraining dabei. Prallen da Welten aufeinander, wenn Spender dort hospitieren?

Dieses Projekt geht über den sportlichen Aspekt hinaus. Da ist auch Sozialtraining dabei, das bei allen unseren Projekten eine Rolle spielt. Natürlich ist das eine Erfahrung für sich, wenn die Jugendlichen aus verschiedensten Kulturen im Ring stehen.

-Kommt es dann auch zu Gesprächen zwischen Kindern und Spendern?

Das kommt sehr auf den Spender an. Manche wollen nur herumgeführt werden. Aber natürlich kommt es auch zu interessanten Kontakten, die Kinder werden dabei auch immer geübter im sozialen Umgang.

-An Sie werden sicher viele Schirmherrschaften herangetragen. Wieso haben Sie sich für dieses Projekt entschieden?

Wir leben mittendrin und wissen teilweise nicht, was unser Nachbar tut. Einer Gesellschaft ist am Besten geholfen wenn man die Hand ausstreckt und sagt: Du, ich möchte dir helfen. Es gibt Kinder in München, die feststecken und um die sich niemand kümmert. Mit den Projekten von „Gesellschaft macht Schule“ können wir Menschen die Hand reichen, die dann wiederum in ihrem Umfeld Positives bewirken können. Die Stiftung versucht sich auch in die politische Debatte einzuschalten. Denn benachteiligte Kinder haben keine Lobby. Wir versuchen, das Thema in die Gesellschaft zu bringen.

-Stoßen Sie da in München auch auf das Argument: „Bei uns gibt’s doch sowas gar nicht“?

Es gibt schon viel Unwissenheit. Menschen ist nicht bewusst, dass hier sehr viele Kinder und Jugendliche festsitzen und keine Chancen haben, aus einem schwierigen Milieu herauszukommen. Man meint, das spiele sich alles nur in Berlin ab und München sei die Insel der Seligen. Vor Ort sieht es aber ganz anders aus.

-Die Stiftung setzt sich seit rund 10 Jahren für bessere Bildung ein. Was wurde bisher erreicht?

Wir arbeiten sehr nachhaltig und begleiten Kinder über Jahre hinweg. Beispielsweise an Mittelschulen von der fünften bis zur neunten Klasse. Eine unserer Schulen ist gerade als beste Mittelschule Bayerns ausgezeichnet worden, da sie hervorragend zur Ausbildungsreife führt.

-Wenn Sie Schüler über Jahre hinweg begleiten, läuft die Arbeit wohl recht persönlich ab.

Das ist unser Credo: Beziehung vor Bildung. Man weiß ja aus der Hirnforschung, dass eine Beziehung sehr wichtig ist, bevor die Kinder überhaupt Inhalte aufnehmen können. Wir arbeiten komplementär zum Regelunterricht genau an dieser Stärkung von Selbstwertgefühl, Motivation und Neugier. Dafür ist es wichtig, dass die Person, mit der das Kind trainiert, über einen Zeitraum hinweg verlässlich verfügbar ist. Viele Kinder haben keine gelungenen Beziehungen und Verlässlichkeit erlebt.

-Sind die Eltern der Kinder denn immer offen für Ihre Projekte?

Das kann schon schwierig werden. Beispielsweise bei muslimischen Mädchen, wenn es um Abendveranstaltungen geht. Wir arbeiten da intensiv daran, veranstalten beispielsweise auch Elternabende, an denen die Kinder etwas aufführen. Dann kommen natürlich ganze Familien, und da ergeben sich auch Gespräche. Das funktioniert immer besser.

-Was bringen die Projekte für die Zukunft?

Mich interessiert immer, was aus solchen Projekten entsteht. Hier sieht man Jugendliche, die aus einem festzementierten, desinteressierten Umfeld stammen und dort nicht mehr herauskommen. Wenn sich auch nur ein einziger Jugendlicher da herauskämpft, ist viel gewonnen.

Interview: Moritz Homann und Andreas Zimniok

Infos zum Benefizkonzert:

Das Konzert beginnt am Mittwoch, 10. April, um 20 Uhr im Herkulessaal der Residenz. Karten gibt es im Vorverkauf bei Münchenticket, www.muenchenticket.de, Tel: 089/54 81 81 81, zu 45/35/25 Euro (ermäßigt 10 Euro).

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