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Früher hetzte er gegen Flüchtlinge, inzwischen hat Benjamin Krause aber einen Sinneswandel vollzogen. 

„Habe mir eigene Meinung gebildet“

Emotionaler Entschuldigungs-Post nach Flüchtlings-Hetze

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München - Weil er sich der Meinung anderer anschloss, betrieb Benjamin Krause auf Facebook Flüchtlings-Hetze. Nach seinem Sinneswandel entschuldigte er sich nun mit einem emotionalen Post. 

Hass-Kommentare, Hetze gegen Flüchtlinge und nationalsozialistische Parolen - als die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, immer weiter steigt, vollziehen Teile der Bevölkerung einen politischen Rechtsruck. Zu Beginn der sogenannten „Flüchtlingswelle“ hatte Benjamin Krause aus München noch Facebook-Posts wie „Refugees Welcome“ abgesetzt. Dann sprang auch er auf den Zug der Hetzer auf. 

„Mein Problem war, dass ich mir zu dem Thema keine eigene Meinung gebildet habe“, sagt der 28-Jährige heute. „Dass Flüchtlinge schlecht für Deutschland sind, das wurde mir von anderen so ein bisschen eingeredet.“ Videos, beispielsweise des bekanntermaßen am rechten Flügel orientierten Magazins „Compact“, hätten ihr übriges getan. 

Von da an tätigte Krause selbst Anti-Flüchtlings-Posts auf Facebook, Posts seiner Freunde, die in die gleiche Richtung abzielten, teilte er. Und das waren nicht gerade wenige. „Viele haben diese Meinung geteilt und tun das bis heute“, erzählt der gebürtige Kölner, der nun in München lebt. Dabei richtete sich die Stimmungsmache vor allem gegen die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge. Also gegen diejenigen, die ihr Land nicht wegen Krieg oder Verfolgung verlassen, sondern wegen der Aussicht auf einen höheren Lebensstandard in Deutschland. 

Jahrelang war Krause SPD-Mitglied, die Flüchtlingspolitik der großen Koalition bewegte ihn schließlich zum Austritt. Nicht aber etwa, um stattdessen eine rechtspopulistische Partei wie beispielsweise die AfD zu unterstützen - rechts hat Krause nämlich nie gewählt und wird er auch nie, versichert er. Vielmehr war es der Unmut, dass eben diese Parteien durch die deutsche Flüchtlingspolitik immer mehr Zulauf finden. 

Die Flüchtlingskrise polarisiert. Diese Erfahrung machte schließlich auch Krause. Während viele seiner Facebook-Freunde der Einstellung des 28-Jährigen beipflichteten, wandten sich andere von ihm ab. „So zwischen zehn und 15 Personen haben mir auf Facebook die Freundschaft gekündigt“, erinnert sich Krause. Dieser Umstand - in Verbindung mit der Berichterstattung zu den kriegerischen Handlungen beispielsweise in Aleppo - habe bei ihm zu einem Umdenken geführt. 

„Ich bin in mich gegangen und habe überlegt. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es wohl stimmen muss, was die Medien sagen.“ Entgegen aller Lügenpresse-Vorwürfe. Wenn so viele Menschen ihre Heimat verlassen, müsse das schließlich einen triftigen Grund haben. „Ich habe mir letztendlich doch eine eigene Meinung gebildet, anstatt mich auf andere zu verlassen.“ Auch in die Lage der „Wirtschaftsflüchtlinge“ kann sich Krause mittlerweile hineinversetzen. „Das kann ich absolut nachvollziehen. Wenn man sieht, wie die zum Teil wohnen, ist es ja kein Wunder, dass sie sich nach etwas mehr Wohlstand sehnen.“ 

Den Großteil seiner Anti-Flüchtlings-Statements hat er inzwischen gelöscht. Obendrein hat sich Krause dann bei seinen virtuellen Bekanntschaften für sein bisheriges Verhalten entschuldigt: „Liebe Freunde und Freundinnen, ich möchte mich dafür entschuldigen, was ich in diesem (und letztem Jahr) für einen Mist (teilweise) gepostet habe. In u.a. Bezug auf Flüchtlinge“, so der Wortlaut im Facebook-Post. „Bitte macht nicht den selben Fehler wie ich und glaubt den Propaganda-Ministern wie #AfD, #NPD, #Pegida #Petry #Trump (?) und Co., sie trichtern euch unwahres Zeug ein. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir und wollt auch wieder mit mir auf Facebook und in Wirklichkeit befreundet sein. Liebe Grüße aus München.“

Reaktionen aus der Facebook-Community folgten auf den Fuß. „Ich habe zwei persönliche Nachrichten bekommen, in denen mir Leute zum Sinneswandel gratuliert haben.“ Und damit nicht genug. Neben zwei Likes hat Krause auch neue Freundschaftsanfragen bekommen. „Das waren zum Teil Leute, die ich ich gar nicht kenne.“ 

Krause hat die Kurve gekriegt, die Zeiten, in denen er gegen Flüchtlinge gehetzt hat, sind vorbei. Im kommenden Jahr will sich Krause wieder parteipolitisch engagieren, Optionen sind „Die Linke“ und die SPD. „Dort will ich mich auch für Flüchtlinge einsetzen. Der 28-Jährige kann sich sogar vorstellen, künftig ein Ehrenamt in der Flüchtlingsbetreuung anzunehmen. „Bisher ist da noch nichts in Planung. Im Moment fehlt es mir noch an der Zeit. Wenn sich das ändert, bin ich dazu aber bereit.“ 

hb

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