Brief an Karl Richter

Posselt lobt versehentlich Nazi-Stadtrat

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München - Ein Brief an den rechtsradikalen Münchner Stadtrat Karl Richter (55) hat am Dienstag für Aufregung in der Sudetendeutschen Landsmannschaft gesorgt. Der fühlt sich von Bernd Posselt (CSU) gelobt.

Der verurteilte Neonazi Richter hatte nach eigenen Angaben am 18. Januar ein Schreiben von Bernd Posselt erhalten, dem langjährigen CSU-Europaabgeordneten und Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL). Darin dankt Posselt Richter für dessen „unermüdlichen“ Einsatz und würdigt ihn als „wichtigen Mitgestalter unserer Volksgruppenorganisation“. Richter, Mitglied der NPD und regelmäßiger Pegida-Redner, ist nach eigenen Angaben Sohn eines sudetendeutschen Heimatvertriebenen. Weiter bittet Posselt Richter um „tatkräftige Unterstützung bei der Durchsetzung unserer berechtigten Anliegen“. Gestern verschickte Richter eine Pressemitteilung, um auf das Schreiben aufmerksam zu machen. Richter, platzend vor Stolz, dankte Posselt dafür, „keine Berührungsängste“ zu haben bei der gemeinsamen Sache.

Als unsere Zeitung Posselt am Abend erreicht, zeigt sich dieser geschockt. „Das ist ungeheuerlich. Richter ist ein mieser Nazi.“ Er habe nie mit dem Mann zu tun gehabt und ihm auch nicht geschrieben, sagt der CSUler. Doch diese Darstellung muss Posselt wenig später korrigieren. Tatsächlich habe Richter ein standardisiertes Glückwunschschreiben erhalten – zum 90. Geburtstag. Ein Fehler im Sekretariat. „Viele Richters sind in unserer Landsmannschaft Mitglied. Das muss mir beim Unterschreiben durchgerutscht sein.“ Die Landsmannschaft dulde keine Extremisten. Posselt will unverzüglich ein Ausschlussverfahren gegen Richter einleiten und forderte diesen auf, nicht mehr zu behaupten, er sei gemeint gewesen. Richter sei weder im Januar geboren noch sei er 90 Jahre alt.

Rubriklistenbild: © Schlaf

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