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Nicht mit uns: Beschäftigte des Münchner Konzerns Linde wollen die Fusion mit Praxair verhindern.

Angst um den Job

Demo gegen Fusion: Linde-Beschäftigte machen ihrem Ärger Luft

München - Der Münchner Gaskonzern Linde soll mit seinem US-Konkurrenten Praxair fusionieren. So will es der Aufsichtsratschef. Doch Beschäftigten erheben sich gegen diese Pläne.

Hunderte Rote Karten hielten die Mitarbeiter des Münchener Gaskonzerns Linde vor der Zentrale ihres Arbeitgebers am Oberanger in die Höhe. Die Trillerpfeifen dröhnten. Knapp 1000 Linde-Beschäftigte aus der Region waren dem Aufruf der Gewerkschaften IG Metall und IG BCE gefolgt: Sie stemmten sich lautstark gegen die geplante Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair.

Durch die Fusion würde ein Gas-Gigant entstehen - das Unternehmen wäre mit zusammen 28 Milliarden Euro Umsatz Weltmarktführer. Allerdings soll die Zentrale der neuen Holding im irischen Dublin sitzen - und Praxair-Chef Steve Angel aus den USA die Strippen ziehen. Seine Devise: Durch Synergien soll eine Milliarde Dollar eingespart werden. Lindes Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle will die Fusion unbedingt - und hat angekündigt, die Fusion notfalls mit seinem doppelten Stimmrecht durchzuboxen.

Per Bus aus Pullach, Ober- und Unterschleißheim

Die Mitarbeiter fürchten deshalb um ihre Jobs. Die Mehrheit der Beschäftigten ist mit Bussen aus Pullach, Ober- und Unterschleißheim angereist; an den drei Standorten arbeiten zusammengenommen mehr als 3000 Linde-Beschäftigte. In der Zentrale, vor der die Kundgebung stattfindet, sind es 300. Die tz hat mit ihnen über ihre Sorgen gesprochen.

„Bei der Fusion geht es nur um die Wünsche eines Einzelnen – unseres Aufsichtsratschefs. Er will, dass wir wieder die Nummer eins auf dem Gasemarkt werden. Das schaffen wir aber alleine. Dazu brauchen wir nicht die Amerikaner. Wir werden dafür kämpfen, dass es nicht zu dieser Fusion kommt.“
Klaus Holzmann (40), Ingenieur

„Eine Fusion mit einem amerikanischen Unternehmen sehe ich - vor allem bei den aktuellen politischen Verhältnissen - erst mal kritisch. Wir Arbeitnehmer haben zu wenig Informationen über die Vorteile der Fusion bekommen. Ich sehe bisher keinen Vorteil. Man weiß nicht, wo das genau hinführen soll.“
Harald Busch (54), Ingenieur

„Ich mache eine Ausbildung bei Linde zur Industriekauffrau. Gerade bin ich im zweiten Lehrjahr, bald kommt der Abschluss. Wenn Linde mit Praxair fusioniert, befürchte ich, dass ich nicht übernommen werde. Schließlich heißt es, es soll eine Milliarde eingespart werden. Da werden Arbeitsplätze wegfallen.“
Carina Holzer (20), Auszubildende

„Die Fusion wäre schlecht für Linde. Wenn das Unternehmen künftig im europäischen Ausland sitzt und der Chef in den USA, werden auch dort die Entscheidungen getroffen. Wir in Deutschland haben dann nichts mehr mitzureden. Die vielbeschworenen Synergie-Effekte gehen auf unsere Kosten.“

Melanie Geigenberger (25), technische Produktdesignerin

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