Am Bau: (v.l.) Referentin Friderich, die Architekten Klaus-Peter Röttig und Sibylle Hüther sowie Bürgermeisterin Strobl vor der Baugrube an der Müllerstraße. Foto: bodmer

Bescheidene Nachbarn für die Millionäre

München - Neben dem neuem Luxus-Hochhaus an der Müllerstraße entstehen günstige Wohnungen und ein schwules Zentrum. Die Pläne dafür hat die Kommunalreferentin jetzt vorgestellt.

Die Münchner Stadtverwaltung beweist manchmal ein gutes Gespür für große Auftritte. Ein solcher gelang jetzt Bürgermeisterin Christine Strobl und Kommunalreferentin Gabriele Friderich. Gerade erst hatte der Stadtrat grünes Licht gegeben für den Bau der wohl teuersten Luxus-Wohnungen Münchens an der Müllerstraße. Nun aber präsentierten die beiden Damen ihre Pläne für ein Haus mit besonders günstigen, öffentlich geförderten Wohnungen - und zwar direkt gegenüber der neuen Nobelherberge.

Hoch über der Isarvorstadt, im früheren Turm des Fernheizkraftwerks an der Müllerstraße, sollen künftig die Millionäre residieren (wir berichteten). Sie können dann von ihren Dachterrassen herunterblicken auf ein sehr viel beschaulicheres Haus. Es entsteht an der Müllerstraße 14 auf der anderen Straßenseite: ein fünfstöckiges Gebäude mit 16 Miet-Wohnungen. Zwölf davon werden zu preisreduzierten Konditionen vermietet. Friderich sprach von „Sozialmietenniveau“, grob geschätzt könnten die Preise um die acht Euro pro Quadratmeter betragen. Die vier übrigen Wohnungen werden zu ortsüblichen Preisen angeboten, ebenso die beiden dreistöckigen Stadthäuser, die im hinteren Teil des neuen Komplexes entstehen.

Die Stadt setzt damit ein Zeichen. „Wir hätten das Grundstück auch meistbietend verkaufen können - da hätte sich schnell ein Investor gefunden“, so Strobl. „Aber es war uns wichtig, dass sich auch Familien und Menschen, die nicht so viel verdienen, hier im Viertel Wohnungen leisten können.“

Das neue Haus bietet indes nicht nur Wohnraum: Ins Erdgeschoss zieht das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München (Sub). „Die bisherigen Räume des Sub sind suboptimal“, sagte Geschäftsführer Christian Schultze. Im Haus an der Müllerstraße 43 sei schlicht zu wenig Platz. Im Neubau soll nun neben Gruppenräumen, einem Café und einer Bibliothek auch die psychosoziale Beratungsstelle für Schwule unterkommen.

4,8 Millionen Euro gibt die Stadt für den Neubau aus. Auf dem Areal befand sich bisher ein Parkplatz sowie Garagen und Gewerbebauten, die inzwischen abgerissen wurden. Das Büro „H2R Architekten“ hat das neue Haus entworfen. Ende 2011 soll es fertig sein.

Selbst die Archäologen haben Spaß an dem Projekt - sie nahmen im Vorfeld das Grundstück unter die Lupe. Denn hier verlief einst der barocke Bastionswall, den die Stadt angesichts der Bedrohung des 30-jährigen Krieges errichtete, so Experte Christian Behrer. Doch obwohl damals zeitweise 3000 Münchner täglich an dem Wall schufteten, wurde er erst nach dem Krieg fertig - und somit nie gebraucht. Er verschwand schon vor langer Zeit. Und so steht heute dem Neubau hier nichts im Wege.

Johannes Patzig

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