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Frau klingelt an Haustür und berichtet von Vergewaltigung - dann verschwindet sie in der Dunkelheit

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Den richtigen Riecher hat der Bochumer Zellphysiologe und Geruchsforscher Hanns Hatt. foto: caroline Seidel (dpa)
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Den richtigen Riecher hat der Bochumer Zellphysiologe und Geruchsforscher Hanns Hatt.

Duft-Papst im Interview

So riechen Sie den richtigen Sex-Partner

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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München - Der Geruchsforscher Hanns Hatt spricht im Interview mit dem Münchner Merkur über Angstschweiß, den Geruch Münchens – und die Bedeutung des Riechens bei der Partnerwahl.

Herr Professor Hatt, Sie haben an der TU München geforscht. Wie riecht München?

Das hängt vom Stadtteil ab. Am Englischen Garten riecht es nach Bäumen, an der Isar nach der Isar. München riecht......(überlegt)....nach Bayern. Bayern hat einen ganz eigenen Duft.

Wirkt sich die Großstadtluft negativ auf den Geruchssinn aus?

Nein, so massive Umweltverschmutzungen haben wir nicht. Ohnehin erneuern sich die 30 Millionen Riechzellen des Menschen alle vier Wochen. Allerdings lieben Großstadtmenschen andere Düfte als Landbewohner. Ich zum Beispiel bin auf dem Land groß geworden. Ich mag den Geruch eines Misthaufens.

Was man als gut oder schlecht riechend empfindet, hängt also von den Erfahrungen ab?

Nur. Erziehung und Erfahrung machen als einziges die Bewertung aus. Dass man Schweiß zum Beispiel als stinkend empfindet, liegt daran, dass man das so gelernt hat. Dass man von der Mutter zu hören bekommen hat: Junge, Pfui Teufel, wasch dich! Es gab Zeiten, da war Schweißgeruch nichts Negatives. Da steckt keine Genetik dahinter. Genetisch festgelegt ist nur das persönliche Parfum, das bei der Partnerwahl ausschlaggebend ist. Vermutlich gibt es dafür sogar ein anderes Dufterkennungssystem. Frauen können riechen, ob ein Mann der richtige Partner ist.

Aber beim ersten Date kann man den Mann doch nicht beschnüffeln!

Man sollte ihn beschnüffeln! Ohnehin sollte man viel mehr mit offener Nase durch die Welt gehen, nicht nur mit offenen Augen. Vielleicht küsst man sich beim Date zur Begrüßung auf die Wange. Schon hat man einen Geruch wahrgenommen.

Und wenn der Mann seinen Körpergeruch mit Parfum übertüncht?

Übertünchen kann man das nicht. Der Geruch, der für die Partnerwahl wichtig ist, wird von den Schweißzellen hergestellt. Den hat jeder Mensch ganz spezifisch. Er spiegelt die Gene des Menschen wieder. Da die Gene bei jedem Menschen unterschiedlich sind, riechen sie auch unterschiedlich. Die Natur möchte Menschen zusammenbringen, die genetisch unterschiedlich sind, weil Inzucht schlecht ist. Gibt man Frauen fünf T-Shirts von verschiedenen Männern, werden sie immer das Shirt von dem Mann bevorzugen, der genetisch am unterschiedlichsten ist. Und damit auch am unterschiedlichsten riecht. Ungünstig ist es für den Mann nur, wenn er ein Parfum trägt, das vor ihm ein Mann getragen hat, mit dem die Frau schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Kann man auch riechen, ob ein Mann gleiche Interessen und Werte hat?

Nein, das kann man nicht riechen. Die Natur hat nur die Fortpflanzung gesteuert. Weil sie widerstandsfähigen Nachwuchs hervorbringen will. Kinder von genetisch sehr unterschiedlichen Eltern haben ein besseres Immunsystem als Kinder von genetisch ähnlichen Eltern.

Wenn man jemanden als wohlriechend empfindet, findet man ihn dann automatisch äußerlich attraktiv? 

Nicht unbedingt. Deshalb rate ich: Jeder Mensch sollte sich mehr auf seine Nase besinnen. Menschen riechen, die an einem vorbeigehen. Sie werden feststellen, es gibt Menschen, bei denen man denkt: Wow, der riecht aber supergut! Dabei ist er optisch unscheinbar.

Das heißt, Äußerlichkeiten sind überbewertet?

Genau. Das würden wir Riechforscher auf alle Fälle unterschreiben. Der Geruchssinn ist der älteste unserer Sinne, und er steuert sehr viel, was Gefühle anbelangt. Denn die Nase ist das Sinnesorgan mit dem direktesten Zugang zum Erinnerungszentrum im Gehirn, dem Hippocampus. Und zum limbischen System, dem Gefühlszentrum. Riechen ist für die Emotion also viel wichtiger als Sehen, Hören oder Tasten.

Kann man den Geruchssinn trainieren?

Man muss ihn trainieren! Ob jemand gut riechen kann, hängt nur davon ab. Drei Mal täglich sollte man ein paar Minuten Riechtraining machen. In meinem Buch (Das Kleine Buch vom Riechen und Schmecken) erkläre ich, wie. Indem man beispielsweise den Badezimmerschrank öffnet, an Cremes und Parfums riecht. Oder an verschiedenen Obstsorten. Dabei die Augen zumachen und sich vorstellen: Was ist das für ein Gegenstand? Welche Emotion löst der Duft aus, welche Erinnerung? Man kann damit den Geruchssinn länger erhalten, der mit dem Alter abnimmt. Und es trainiert auch das Gehirn.

Spielen Düfte auch in anderen Lebensbereichen eine Rolle?

Düfte greifen auf verschiedenen Ebenen. Auch bei der zwischenmenschlichen Kommunikation spielen sie eine Rolle. Mann kann zum Beispiel riechen, ob jemand Angst hat.

Wie funktioniert das denn?

Wer Angst hat, gibt einen Angstduft ab, der dem Schweiß zugemischt wird. Wir haben eine Sendung mit Günther Jauch gemacht. Daran nahmen zehn Ehepaare teil. Die Hälfte der Männer musste Bungee Jumping machen, die andere Hälfte saß ruhig in der Ecke und las Zeitung. Alle Frauen konnten sofort erkennen, welcher Mann Bungee Jumping gemacht hat und welcher in der Ecke saß. Interessanterweise löst die Wahrnehmung von Angstgeruch nicht Angst aus, sondern Mitgefühl, Aufmerksamkeit und Konzentration.

Ihren Forschungen zufolge kann nicht nur die Nase riechen. Auch Spermien können riechen...

Genau. Wobei man riechen natürlich in Anführungszeichen setzen muss. Wir haben als erste gezeigt, dass die Duftsensoren, die wir in der Nase haben, auch an anderen Körperstellen vorkommen. Der Mensch hat 350 Duftsensoren. Die Spermien haben mehr als zehn Sensoren, unter anderem für synthetischen Maiglöckchen-Duft. Sie reagieren darauf und benutzen die chemischen Stoffe als Wegweiser. Das Vaginalsekret hat mehr als 20 Duftstoffe, die diese Sensoren stimulieren können. Die Spermien orientieren sich über diese Düfte. Auch in der Haut, der Prostata, der Leber, im Darm und im Gehirn gibt es Duftsensoren. Zu erforschen, welche Bedeutung sie im einzelnen haben, ist noch eine Menge Arbeit. Wir sind weltweit das einzige Labor, das daran arbeitet. In den nächsten Jahren wird dieses Thema in der Medizin große Bedeutung erlangen.

Interview: Bettina Stuhlweißenburg

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