+
Gescheiterter Lebemann: Harald Zirngibl im Jahr 2011. Vor ihm auf dem Tusch liegt das Buch, das er über sein kriminelles Leben geschrieben hat.

Er drohte mit einem Anschlag

FC Bayern erpresst: So ging der Besenstiel-Räuber vor 

  • schließen

München - Der „Besenstiel-Räuber“, der bei Überfällen in den 1990er-Jahren rund 4,7 Millionen D-Mark erbeutet hatte, ist "rückfällig" geworden. Der mittlerweile 63-jährige Harald Zirngibl hat versucht, vom FC Bayern einen Millionenbetrag zu erpressen. Was als letzter großer Coup gedacht war, schlug völlig fehl. 

Mit 63 Jahren hat Zirngibl seine kriminelle Karriere also wieder aufgenommen. In Erpresserbriefen hat er vom FC Bayern Geld und Diamanten für insgesamt drei Millionen Euro gefordert. Als die erste Forderung am 9. Februar in der Geschäftsstelle eintraf, zog der Verein sofort die Polizei hinzu. Zirngibl drohte mit einem Anschlag. „Die Gefahr lauert immer und überall, Tag und Nacht“, schrieb er vage. „Vielleicht kreist eine ferngesteuerte Drohne über den Autos vor dem Stadion.“ Eine Bedrohung gegen konkrete Personen, zum Beispiel Spieler, wurde nicht ausgesprochen.

Er verlangte Bargeld und Diamanten

Der zunächst unbekannte Erpresser verlangte eine Million Euro in 500er-Scheinen, 1,1 Millionen Schweizer Franken und den restlichen Betrag in Diamanten – mit konkreten Angaben zu Schliff, Farbe und Karatzahl. Einige Tage später fiel dem Ganoven wohl auf, dass es bald keine 500-Euro-Scheine mehr geben könnte. Darum schickte er am 15. Februar eine Korrektur hinterher und forderte stattdessen 200- und 100-Euro-Scheine.

Stefan Kastner, Vize der Münchner Kripo.

Für seine Kontaktaufnahmen zum FC Bayern sandte er zudem eine SIM-Karte mit, über die er sich dann bei dem Club per SMS melde. Dies war am vergangenen Mittwoch, 17. Februar, erstmals der Fall. Seitdem arbeitete eine extra gegründete Einsatzgruppe „Südstern“ unter der Leitung von Münchens Kripo-Vize Stefan Kastner unter Hochdruck an dem Fall. Teils mit 150 Beamten. „Wir hatten zuvor schon die Erpresserbriefe von Experten untersuchen lassen“, sagt Kastner. „Spuren wurden darauf nicht entdeckt, eine reale Gefährdung erschien uns eher gering.“

In den vergangenen Tagen lieferte sich der Erpresser eine Art „Schnitzeljagd“ mit dem FC Bayern – beziehungsweise der Polizei. Bis zum Schluss wusste Zirngibl offenbar nicht, dass die Fahnder ihm bereits auf der Spur waren. Bereits seit vergangenem Freitag hatten die Ermittler laut Kastner den Verdacht, dass der Täter ein alter Bekannter sein könnte. Letztlich kam die Kripo Zirngibl über die Telefonverbindungsdaten auf die Schliche.

Er inszenierte eine große Schnitzeljagd mit der Polizei

Am Montag schlug die Polizei dann auf einem Parkplatz im niederbayerischen Mainburg zu. Dorthin hatte Zirngibl sie auf seiner inszenierten Schnitzeljagd geführt. Mit ihm im Auto saß seine Lebensgefährtin, eine ebenfalls 63 Jahre alte Frau aus Puchheim. Diese ist inzwischen jedoch wieder auf freiem Fuß: „Wir haben keinen begründeten Tatverdacht gegen die Frau.“ Zirngibl selbst lebte zuletzt in Olching.

Noch am Montag gestand der 63-Jährige alles. Wie schon damals, bei seiner Festnahme. Auch da hatte er ein „überschießendes Geständnis“ abgelegt, sagt Thomas Steinkraus-Koch, Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft. Der Mann habe damals sogar mehr Überfälle eingeräumt, als ihm die Ermittler hätten nachweisen können. Nun drohen dem 63-Jährigen ein bis 15 Jahre Gefängnis wegen versuchter räuberischer Erpressung, sagt Steinkraus-Koch. Aufgrund seiner Vorgeschichte dürfte das Strafmaß aber deutlich im oberen Bereich liegen.

Die Raub-Karriere - so wurde er zum Besenstiel-Räuber

Machtdemonstration: Harald Zirngibl am 3. November 1994 beim Überfall auf die Sparkasse Feldafing.

Zwischen 1992 und 1998 überfiel Zirngibl – zuvor Küchenverkäufer, Disko-Besitzer und Hausierer – 18 Banken, überwiegend im Großraum München. Rund 4,7 Millionen Mark erbeutete er dabei. Den Spitznamen „Besenstiel-Räuber“ bekam er, weil er bei seinen Taten insgesamt 73 Geiseln nahm, die er vor seiner Flucht einsperrte und die Tür zusätzlich mit einem Besenstiel blockierte. Im Gegensatz zu anderen Bankräubern ging Zirngibl nicht an die Kasse, um Geld zu fordern, sondern brachte Bankangestellte beim Betreten oder Verlassen der Filiale in seine Gewalt, teils vor Dienstbeginn, teils bei Dienstschluss oder in der Mittagspause. Von ihnen ließ er sich unter Waffengewalt das Geld aus dem Tresor aushändigen. Die Beute verprasste er.

Im November 1998 wurde er bei seinem 18. Überfall von der Polizei gefasst und anschließend zu 13 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, wovon er 2009 drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt bekam. Seitdem ist er auf freiem Fuß – fand aber keine Arbeit. Im Oktober 2011 brachte er ein Buch über sein Leben als Bankräuber heraus: „Ich war der Besenstiel-Räuber: Mein gescheiterter Traum.“ Der Sohn eines Gutsverwalters und einer Bankangestellten hatte aber auch noch andere Geschäftsideen. Unter dem Slogan Rent-a-Bankräuber bot er sich im Internet als Geschichtenerzähler an. Außerdem töpferte er: Für seine pornografischen Skulpturen fanden sich jedoch keine Käufer. Er ist pleite.

Seit seiner Freilassung vor sieben Jahren wurden keine weiteren Straftaten von Zirngibl bekannt. Bis jetzt. Nun wollte der 63-Jährige mit seiner Erpressung vom FC Bayern den ganz großen Coup landen. Es wurde die ganz große Bruchlandung.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ehefrau erdrosselt: Gericht weist dementen Rentner in Psychiatrie ein
Seit einem Schlaganfall ist der 82-Jährige aggressiv geworden. Der Rentner stellt eine Gefahr für die Allgemeinheit, entscheidet ein Gericht. 
Ehefrau erdrosselt: Gericht weist dementen Rentner in Psychiatrie ein
Ein Jahr Integrationskurs: Wie haben sich die Teilnehmer entwickelt?
In München pauken jährlich tausende Ausländer in Integrationskursen. Es geht um Grammatik – und um Politik. Wir waren dabei und haben gesehen, welche Fortschritte in …
Ein Jahr Integrationskurs: Wie haben sich die Teilnehmer entwickelt?
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München - Jedes Wochenende ist in München volles Programm - da ist es schwer, die Übersicht zu behalten. Hier finden Sie die größten, wichtigsten und schönsten …
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
U2 und U7 fahren wieder, aber weiterhin Behinderungen
Auf den U-Bahn-Linien U2 und U7 kam es am Freitag zu erheblichen Behinderungen in Form von Verzögerungen und Zugausfällen. Das müssen Sie jetzt wissen.
U2 und U7 fahren wieder, aber weiterhin Behinderungen

Kommentare