Die besten Geldfälscher der Welt

München - Eine Ausstellung bei dem Gelddruckspezialisten „Giesecke & Devrient“ zeigt gefälschte Banknoten aus 200 Jahren.

Angefangen hat alles mit gefälschten Kfz-Plaketten. Günter Hopfinger, Jahrgang 1950, hatte sich nach seiner Lehre zum Chemigraf und Tiefdruck-ätzer ein paar Kröten dazuverdienen wollen. Er flog auf, wanderte für zwei Jahre in den Knast. Dort entdeckte er sein künstlerisches Talent, als er anfing, 100-DM-Scheine mit Aquarellfarben und Buntstiften abzumalen – zunächst aus purer Langeweile. Seine Blüten sahen so echt aus, dass er bald seine eigene „Knastwährung“ etabliert hatte. Erst, als Hopfinger längst wieder draußen war, nahm ihn die Polizei ein zweites Mal fest. Hinter Gittern spezialisierte sich der „Blüten-Rembrandt“ auf die 1000-DM-Note. Den ersten selbstgemalten Schein soll er einem Ober in einem Bierkeller an der Kaufingerstraße untergejubelt haben. Bis 1975 brachte Hopfinger rund 80 Tausender in Umlauf. Dabei habe er „nie aus krimineller Energie“ gehandelt, sagt Franziska Jungmann-Stadler von der HVB Stiftung Geldscheinsammlung, sondern aus dem Antrieb, das „künstlerisch Perfekte zu erreichen“.

Man muss schon genau hinsehen, um seine Scheine mit dem bloßen Auge als Fälschungen zu enttarnen. Das gilt für die meisten der 78 Blüten aus 33 Ländern, die bis Mitte 2010 in einer Empfangshalle des Banknotenspezialisten Giesecke & Devrient zu sehen, aber nicht anzufassen sind. Bei dem ältesten Exponat handelt es sich um eine österreichische Bleistiftzeichnung aus dem Jahr 1805. Der Fälscher hatte versucht, sich 24 Kreuzer zu ergaunern – den Tageslohn eines Maurers.

„Geld wurde gefälscht seit es Geld gibt“, sagt die Kuratorin Jungmann-Stadler. Sie erinnert aber auch an die mittelalterliche Praxis, Münzfälscher in einen Kessel mit siedendem Wasser zu werfen. Bis ins 18. Jahrhundert war die Todesstrafe üblich. Heute steht immer noch eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr auf dem Straftatbestand der Geldfälschung. Was viele jedoch nicht abschreckt. 2005 zum Beispiel wurden in Markt Schwaben zwei Ganoven festgenommen, die 9700 Scheine à 20 Millionen türkischer Lira gedruckt hatten. Gegenwert: 106 700 Euro.

Nicht immer jedoch geht es bei dem illegalen Druck von Geldscheinen um die Bereicherung Einzelner. Mitunter soll eine Volkswirtschaft destabilisiert werden. Im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775–1783) fälschten die Briten „Continental Dollars“, um die Inflation anzuheizen. Schätzungen zufolge verlor die Währung bis zu einem Fünftel ihres Wertes. Unter dem Decknamen „Operation Bernhard“ richteten die Nazis 1942 ein Fälscherkommando im KZ Sachsenhausen ein. Bis zu 140 jüdische Häftlinge arbeiteten daran, britische Pfund nachzudrucken – mit einigem Erfolg: 1945 wurden die weißen Banknoten eingestampft.

Politisch motiviert ist auch der Druck der „Superdollars“ um das Jahr 1990. Bis heute weiß niemand so genau, wer die falschen 100-Dollar-Scheine hergestellt hat und wie viele es gibt. Fest steht lediglich, dass sie mit Originalfarbe auf Originalpapier gedruckt wurden. Die Duplikate sind so exakt, das Jungmann-Stadler lieber von einem „nicht-autorisierten Nachdruck“ spricht. Nur: Wer steckt dahinter? Die USA beschuldigen Nord-Korea, andere den Geheimdienst CIA, der eigenes Geld für verdeckte Operationen im Ausland gebraucht habe.

Die Geschichten hinter den Scheinen sind das Spannende an der Ausstellung. Eindrucksvoll wird ferner illustriert, wie weit Fälscher den Geldmachern heute hinterherhinken. „Eine optische Täuschung ist schon möglich“, sagt Eduard Liedgens vom Landeskriminalamt. „Einzelne Merkmale gut zu treffen, das geht auch.“ Aber alles? „Das kann der Fälscher nicht.“ Und so bleibt das, was der Philosoph Ernst Bloch (1885-1977) schon erkannt hatte: „Die Fälschung unterscheidet sich vom Original dadurch, dass sie echter aussieht.“ Aber eben nicht ist.

Thierry Backes

„Echt oder falsch?“

Giesecke & Devrient, Prinzregentenstraße 159. Besichtigung nur montags bis freitags, 10–16 Uhr, nach Absprache unter Telefon 089/ 41 19 13 54. Eintritt frei.

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