Welche Viertel zugebaut sind

Zahlen belegen: München ist Deutschlands Beton-Hauptstadt

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Eine neue Statistik beweist: Keine deutsche Metropole ist derart verbaut wie München. Damit hat sich die Stadt der Biergärten einen unrühmlichen Preis verdient: den der Beton-Hauptstadt.

München - Der Englische Garten, die Isar-Auen, die vielen Biergärten - diese grünen Oasen gehören zu den  bekanntesten und beliebtesten Orten der Stadt. Doch die Zahlen zeichnen ein ganz anderes Bild von München, ein graues Bild. Denn laut dem Statistischen Amt der Stadt ist München Deutschlands Beton-Hauptstadt!

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Die tristen Fakten: 44 Prozent der Gesamtfläche der Stadt sind mit Gebäuden und den dazugehörigen Freiflächen belegt - für Erholungsfläche bleiben nur 22 Prozent übrig. 15 Prozent der Stadt­fläche werden landwirtschaftlich genutzt, 17 Prozent gehen für Straßen und Schienen drauf. Das macht München zu der deutschen Millionenstadt mit dem höchsten Flächenanteil für Bebauung und Verkehr!

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Der Städtevergleich: Keine andere deutsche Großstadt ist ähnlich dicht besiedelt wie München.

Höchste Einwohnerdichte und versiegelter Boden

Insgesamt liegt dieser Anteil bei 60 Prozent. Zum Vergleich: Nur 56 Prozent der Berliner Fläche sind für Bauten belegt, in Köln und Hamburg je 50 Prozent. München ist zugleich die Stadt mit der höchsten Einwohnerdichte. Und in München ist besonders viel Boden (46 Prozent) mit Beton, Asphalt oder Pflaster versiegelt.

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Auf der Karte sehen Sie den Anteil von Grünflächen in den Stadtbezirken. Die tz fragte Bürger in besonders grünen und besonders grauen Vierteln zu Ihren Eindrücken.

Stadtbild mal anders: Diese Karte verdeutlicht, wo besonders viele Grauflächen vorherrschen.

Marc Kniepkamp

In den grauen Vierteln

„Ich finde es hier an der Schwanthalerstraße ganz furchtbar. Mein Enkel muss hier zu einem Praktikum, darum habe ich ihn begleitet. Aber ich wüsste nicht, ob ich mich im Dunkeln hierher trauen würde. Das hat auch damit zu tun, dass es in diesem Viertel kaum Grünflächen gibt. Sie würden die Gegend freundlicher machen.“ Brigitte Thierfelder (68), Rentnerin

„Die wenigen Grün­flächen, die wir hier in Laim noch haben, sind verdreckt. Alles ist voller Müll, und niemand scheint ­darauf zu achten. Ich räume manchmal bei uns vorm Haus auf. Es wird auch immer enger hier in Laim, weil wir offenbar immer mehr Häuser brauchen - man kann seinem Nachbarn direkt ins Fenster schauen.“ Monika Selmaier (64), Haushälterin

„Ich laufe hier im Bahnhofsviertel nicht so gerne durch die Straßen. Diese ­Gegend ist nicht gerade schön, ich würde eher von einem Problembezirk reden. Selbst wenn es hier Grünflächen gäbe, wären die wahrscheinlich dreckig. Das ganze Viertel ist eine Baustelle. Ständig wird etwas umgebaut, abgerissen und wieder neu errichtet.“ Jan Reisert (34), selbständig

In den grünen Vierteln

„Ich komme von der Uni oft ­hierher in den Englischen Garten. Vor allem im Sommer ist er mein Lieblingsplatz in München. Man trifft nette Leute, kann in den Biergarten gehen oder im ­Eisbach schwimmen. Solche Grünflächen sind enorm wichtig für die Lebensqualität in der Stadt. Zum Glück sind wir hier in Schwabing mit reichlich Grün gesegnet.“ Nils Hartung (20), Student

„Hier am Nymphenburger Kanal ist es wunderschön. Ich komme sehr oft hierher zum Spazierengehen. Denn ich ­brauche diese Auszeiten von der Arbeit und vom Lärm. Auch als Archtitekt fände ich es sehr schade, wenn die Grünflächen in der Stadt durch immer mehr ­Beton vernichtet würden. München sollte lieber in die Höhe bauen als in die Weite.“ Ekkehard Stähle (58), Architekt

„Mit einem Hund kommt man regelmäßig an die frische Luft. Und Nymphenburg bietet uns ein paar Grünflächen zum Gassigehen. Da ich hier in der Gegend wohne, kommen wir oft hier an den Nymphenburger Kanal. Allerdings kann es auch langweilig werden, wenn man immer die gleichen Wege geht.“ Antonia Messerer (21), Studentin

Umfragen: Chiara Schorbach

Rubriklistenbild: © dpa / Sven Hoppe

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