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Wohin mit dem Kind, wenn die Schule aus ist?

Betreuung in der Stadt ungenügend

Wohin mit dem Kind, wenn die Schule aus ist?

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Viele Schüler, viel zu wenig Plätze: So ist das in München nicht nur an der Plinganserschule.

München - Wohin mit dem Kind, wenn die Schule aus ist? Nachdem Krippen- und Kindergartenzeit gemeistert sind, stehen berufstätige Eltern in München häufig vor einem neuen Problem. An der Plinganserschule in Sendling zeigt sich beispielhaft, wie die städtische Planung versagen kann.

Sarah Dunkel (Name geändert) hat sich monatelang gesorgt. Ihre sechsjährige Tochter Lina wird im September eine „Plingans“, wie sich die Kinder der Plinganserschule nennen. Doch während sich Lina schon tierisch freute, wuchsen bei ihren berufstätigen Eltern die Bedenken, keinen Betreuungsplatz zu bekommen für ihre Tochter, die häufig um 11.30 Uhr Schulschluss hat.

Zwar plant und baut die Stadt heftig, doch an der Plinganserschule zeigt sich, dass es nicht reicht. Auch, weil sich der Freistaat bei der Ganztagsbildung mehr ins Zeug legen müsste…

„Hilflos, enttäuscht, hoffnungsvoll“: So beschreibt Ulrike Bauer, Rektorin der Schule, ihren Gemütszustand. Der fünfseitige Hilferuf an OB Dieter Reiter, Stadtschulrätin Beatrix Zurek und Bezirksausschuss-Chef Markus Lutz (alle SPD) von Ende April war kürzlich Thema im Sendlinger Bezirksausschuss (BA). Darin beschreibt Bauer das drohende Betreuungsproblem als „schier unlösbar“.

Der städtische Hort wird ab September von drei auf zwei Gruppen verkleinert – weil Räume fehlen, obwohl die Schule erst vor zwei Jahren erweitert wurde. Seither nutzt sie den Neubau an der Meindl- und das alte Gebäude an der Plinganserstraße, das teils saniert wird. Doch der Neubau, den sie mit weiteren Einrichtungen teilt, ist schon jetzt zu klein.

Und das, obwohl die Schülerzahl weiter wächst: von 325 auf 371 Kinder ab September. Von 110 künftigen Erstklässlern kommen einige in den privat organisierten Mittagsbetreuungen unter. Doch laut Bauer haben 65 Erstklässler sowie 30 Zweit- und Drittklässler keinen Platz. Eigentlich sollten sie alle im geplanten Tagesheim unterkommen. Doch dessen Eröffnung verzögert sich laut Stadt bis 2020, weil während der Sanierung Räume fehlen.

Für die Schule sei nicht einsichtig, „warum die Stadt auf diese seit langem bekannten Aspekte nicht vorbereitet war“, schreibt Bauer. Seit langem habe sie städtischen und staatlichen Stellen mitgeteilt, dass der Bedarf ohne das Tagesheim nicht abgedeckt werden könne. Doch erst Ende März habe eine Krisensitzung stattgefunden – ohne Lösung.

Auch die Dunkels haben sich abgerackert und alle möglichen Einrichtungen abgeklappert. Sie lernten tolle Konzepte und nette Pädagogen kennen. Für Lina wurden die Termine zum Freizeitspaß: „Schauen wir heute wieder einen Hort an?“ Aber immer hieß es: 40, 50 Anmeldungen auf einen Platz. Keine Chance.

Dabei wird der Nervenkrieg der Eltern von den städtischen Quoten nicht mal erfasst. Stadtweit sind aktuell 75 Prozent der Grundschüler versorgt – doch 86 Prozent brauchen einen Platz. Pech haben vor allem Familien in Sendling-Westpark und Laim: Diese Stadtviertel bilden mit 63 Prozent Versorgungsgrad das Schlusslicht. Dominikus Gasteiger ist wütend. Der Vorsitzende des Elternbeirats an der Plinganserschule gibt die Schuld der Stadt. „Seit Jahren hat sie es versäumt, genügend Betreuungsplätze zu schaffen“, sagt er. Stattdessen habe sie das Problem auf die Eltern abgewälzt und diese gezwungen, Mittagsbetreuungen zu betreiben. „Warum kriegt die Stadt ein Riesenprojekt wie den Kiesselbach-Tunnel zustande – aber nicht genug Hortplätze?“, fragt er.

Doch Rektorin Bauer hängt sich rein und stampft nun ein offenes Ganztagsangebot aus dem Boden: ein Nachmittagsprogramm an der Schule, das freie Träger gestalten.

Immerhin scheint es voranzugehen. Einen Träger hat das Kultusministerium vermittelt. Aus dem Bildungsreferat heißt es auf Anfrage: Man sei sich der „Dringlichkeit der Lage bewusst“ und habe Bauer Unterstützung zugesichert. Zudem sei man bei der Personalsuche behilflich.

C. Ulrich, L. Birnbeck

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