Stellwerksstörung: Verzögerungen und Teilausfälle auf der Stammstrecke

Stellwerksstörung: Verzögerungen und Teilausfälle auf der Stammstrecke

Pasing bekommt sein eigenes Bier

München - Die Pasinger haben ein eigenes Rathaus, einen eigenen Marienplatz und Viktualienmarkt. 2013 haben sie auch wieder ihr eigenes Bier: „villa pasingas“ heißt der Gerstensaft, der 2013 ausgeschenkt wird - dem Jahr, in dem die Pasinger den 1250. Geburtstag ihrer Stadt im Würmtal feiern.

„Münchner samma worn, Pasinger samma bliebn“, sagten die Pasinger nach ihrer Zwangseingemeindung durch die Nazis im Jahr 1938. Mehr als sieben Jahrzehnte später hat sich daran nichts geändert: „Als Münchner bezeichne ich mich nur, wenn ich irgendwo im Ausland bin, wo man schon froh sein muss, wenn die Leute das Oktoberfest kennen. Ansonsten sage ich, dass ich aus Pasing komme“, betont Peter Denk, Software-Entwickler im Trachtenwesterl.

Der 35-Jährige ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Pasinger Vereine. Neuerdings wohnt er zwar in Neuried, aber wer ein echter Pasinger ist, bleibt einer: „Ich bin jetzt Exil-Pasinger“, sagt Denk, dessen Arbeitsgemeinschaft die Jubiläumsfeierlichkeiten organisiert.

Pasing wurde am 29. Juni 763 erstmals urkundlich erwähnt, lange bevor München entstand. 1905 wurde Pasing mit seinen damals schon mehr als 7000 Einwohnern in den Rang einer Stadt erhoben. Sie war die größte Kommune, die jemals nach München eingemeindet wurde.

Das NS-Regime hatte diese Maßnahme gegen den ausdrücklichen Willen der Pasinger vollzogen. Die wohlhabende und prosperierende Industriestadt mit Papier- , Farben- und Schuhfabrik sowie einer ausgezeichneten Infrastruktur sollte zur „Hauptstadt der Bewegung“ gehören. Wegen der seit 1840 bestehenden Zuganbindung und der beliebten Würmbäder war Pasing zudem ein attraktives Ausflugsziel.

Auch zwei Brauereien gab es in Pasing: Die Pasinger Brauerei wurde 1890 an der heutigen Landsberger Straße 499 gegründet, ihr Sommerkeller mit Biergarten befand sich am Pasinger Viktualienmarkt, wie Thomas Hasselwander vom Pasinger Archiv weiß. Die deutlich kleinere Pasinger Weißbierbrauerei lag am Marienplatz. Während hier noch in den 1970er-Jahren ein Brauer am Werk gewesen sein soll, wurde in der größeren Pasinger Brauerei 1913 der letzte Sud angesetzt: Die Brauereigesellschaft GmbH, ein Zusammenschluss der finanzkräftigen Münchner Brauereien, kaufte den Pasinger Betrieb auf - und sperrte ihn zu, um den Konkurrenten zu eliminieren. Er war ja auch sehr selbstbewusst, der Pasinger Bräu: Um 1900 warb er auf einem Plakat für den Ausschank von „vorzüglichem Münchner Concurrenz-Bier“.

Genau 100 Jahre nachdem die Pasinger Sudkessel das letzte Mal in Betrieb waren, wird es 2013 mit dem „villa pasingas“ wieder ein Konkurrenz-Bier geben: „Man ist ja in Pasing nicht glücklich über die Eingemeindung. Jetzt wollen wir eben wieder unser eigenes Bier“, erklärt Peter Denk. Der Name des Gerstensafts war schnell gefunden - er ist der Urkunde entnommen, in der Pasing erstmals namentlich erwähnt wurde.

Auch eine Brauerei, die sich bereit erklärte, den Gerstensaft zu brauen, fand sich rasch - es handelt sich um das private Hofbrauhaus Berchtesgaden. Versteht sich ja von selbst, dass die Pasinger ihr Bier nicht von den Münchnern brauen lassen! Zudem folgt die Arbeitsgemeinschaft der Pasinger Vereine damit dem Pfad der Geschichte: Wie einst das Salz über die Salzstraße von Berchtesgaden nach Pasing geliefert wurde, so wird heute das Bier gebracht.

Das Bier, ein Helles mit einem Alkoholgehalt von 4,9 Prozent und einer Stammwürze von 11,6 Prozent, soll das ganze Jahr 2013 über in zahlreichen Pasinger Läden verkauft werden - noch sind die Organisatoren im Gespräch mit potenziellen Anbietern. Ein Tragl kostet voraussichtlich 12,50 Euro, der dazugehörige Festkrug 7,63 Euro. „Bei der Preisgestaltung haben wir uns an den Jubiläumszahlen orientiert“, erklärt Denk.

Das Festjahr wird am 1. Januar 2013 von Pasinger Böllerschützen eingeleitet. Normalerweise finden die Salutschüsse zu Neujahr im Stadtpark statt, heuer wurden sie vor das Pasinger Rathaus verlegt. „Wer aufmerksam ist, entdeckt in Pasing ein eigenes Lokalkolorit“, sagt Denk. „Man sieht Spuren von damals, den Marienplatz zum Beispiel oder das Rathaus. Diese Spuren machen noch heute Pasings Eigenständigkeit aus.“

Bettina Stuhlweißenburg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bürgerinitiative fordert Verbot für Böller und Raketen an Silvester - mit Erfolg?
Silvester knallen in München Böller und Raketen. Eine Bürgerinitiative möchte private Feuerwerke in der Stadt künftig verbieten lassen. Hat ihr Anliegen Aussicht auf …
Bürgerinitiative fordert Verbot für Böller und Raketen an Silvester - mit Erfolg?
Weiße Weihnachten 2018: So stehen die Chancen für München
Alle Jahre wieder gibt es eine Frage die viele Münchner, die vielen vor dem Heilig Abend durch den Kopf geht: Feiern wir dieses Jahr weiße Weihnachten? 
Weiße Weihnachten 2018: So stehen die Chancen für München
Bekommt München die Airbnb-Daten? 
München möchte gegen die Zweckentfremdung von Wohnungen vorgehen. Nun streitet die Stadt mit dem Portal Airbnb auf Herausgabe von Daten, um gegen illegale Mietangebote …
Bekommt München die Airbnb-Daten? 
Tram durch Englischen Garten: Widerstand bleibt - „Lasst doch einfach Busse fahren!“
Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hat es wenigstens versucht: Ein Info-Abend sollte die Skeptiker von der Tram durch den Englischen Garten endgültig überzeugen. …
Tram durch Englischen Garten: Widerstand bleibt - „Lasst doch einfach Busse fahren!“

Kommentare