Bilanz geschönt: Ex-Chefs der Schrannenhalle müssen zahlen

München - Schrannenhalle und kein Ende: Gestern saßen die früheren Geschäftsführer des Krisen-Projekts wegen Bilanz-Schönung nebeneinander vor dem Amtsgericht. Ergebnis: Beide müssen zahlen.

Die Staatsanwaltschaft warf den Intimfeinden Klaus Thannhuber (66) und Jürgen Lochbihler (44) vor, die Bilanzen für das Jahr 2007 geschönt zu haben. Die Gesellschaft ging in Insolvenz, inzwischen hat die Gruppe des Unternehmers Hans Hammer das Sagen, Thannhuber und Lochbihler sind als Geschäftsführer raus.

Die strafrechtliche Aufarbeitung ihrer Tätigkeit ging schnell über die Bühne: man einigte sich auf eine Einstellung des Verfahrens um die Verletzung von Buchführungspflichten, Thannhuber muss 15 000 Euro Buße zahlen, sein Ex-Partner 5000. In einer knappen Stunde war alles vorbei, Lochbihler konnte bequem seinen Mittagstermin im „Pschorr“ am Viktualienmarkt erreichen, wo er Wirt ist und der Öffentlichkeit seine neueste Errungenschaft, die Stockwurst, vorstellte.

Beide hatten gegen Strafbefehle über je 9000 Euro Einspruch eingelegt. Damit wird’s für Thannhuber („ich muss auf jeden Fall einen Sponsor finden“) zwar teurer. Aber seine Weste bleibt weiß, „und wir haben einen endgültigen Schlussstrich“, so Anwalt Klaus Gussmann.

Sein Mandant ist inzwischen in Privatinsolvenz. Er versuche sich als selbstständiger Unternehmensberater mit Wirkungskreis Deutschland und England durchzuschlagen. In welchem Bereich, will Thannhuber nicht sagen, nur so viel: „Mit Gastronomie hat es nichts zu tun“.

Laut Anklage hatten die Ex-Partner die Bilanz für das Jahr 2007 nicht fristgerecht zum 31. Dezember 2007 vorgelegt. Sie habe bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens nur im Entwurf vorgelegen und einen nicht gedeckten Betrag von knapp 547 000 Euro ausgewiesen. Lochbihler rechtfertigte sich mit der damaligen Arbeitsteilung. Er habe mit Buchführung und Bilanz nichts zu tun gehabt. Thannhuber betonte: „Als Geschäftsführer kann ich für die Bilanz nur die laufende Buchhaltung hernehmen. Ich habe mich auf die Erkenntnisse gestützt, die ich als Geschäftsführer am 26. Juni 2008 haben konnte. Alles andere ist eine Frage der Bewertung“.

Diese sehe natürlich nach dem Scheitern der damaligen Verkaufsverhandlungen für die Schranne anders aus, als wenn die Gespräche erfolgreich verlaufen wären. Die Staatsanwältin verstand freilich nicht, „was die Verkaufsverhandlungen mit dem faktischen Wert von beispielsweise Stühlen zu tun haben“.

Thannhuber blieb dabei: Er sei seinen Pflichten als Geschäftsführer „voll inhaltlich nachgekommen“, sagte er am Rande der Sitzung. Die Zahlen seien vor Gericht anders interpretiert worden. „Das muss ich hinnehmen“.

Von Sarah List

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