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Um diese Schlüssel wird vor Gericht gestritten.

Prozess vor dem Verwaltungsgericht

Blinder Mann fordert 41 Autoschlüssel zurück

München - Ein stinkwütender Anwalt, ein verwirrter Zeuge und dutzende Autoschlüssel, deren Zukunft ungewiss ist: Das ist das Ergebnis eines turbulenten Prozesses vor dem Verwaltungsgericht.

Zwei Stunden lang wurde gestern an der Bayerstraße über die Klage eines 79-jährigen Münchners diskutiert. Die Polizei hat bei ihm 41 Autoschlüssel sichergestellt - denn der Mann ist fast blind und hat keinen Führerschein. Trotzdem soll er sich ständig hinters Steuer gesetzt haben. Vor dem Verwaltungsgericht ging es nun um die Frage, was mit den Schlüsseln passiert - und die ist eine schwierige.

Alles begann mit der Anzeige des Vermieters, bei dem der sehbehinderte Senior einst zwei Lagerräume in Waldperlach mietete. Er beteuert, der Mann sei trotz seiner Behinderung jahrelang mit dem Auto vorgefahren. „Der sieht überhaupt nichts, seine Frau muss ihn führen!“ Er habe beobachtet, wie der Mann rückwärts auf die Hauptstraße fuhr: „Er ist eine tickende Zeitbombe!“ Allerdings hat er mit dem Ex-Mieter auch ein persönliches Hühnchen zu rupfen: „Der schuldet mir noch 2000 Euro.“

Eines Tages im Mai 2012, als der Vermieter wieder mal die Polizei gerufen hatte, kassierten die Beamten 41 Autoschlüssel ein. Wo die Autos sind und warum der blinde Mann so viele Schlüssel hat - unklar. Der Vermieter vermutet, der Senior handle mit Fahrzeugen, der 79-Jährige bestreitet das. Zum Prozess erschien er nicht selbst, offenbar ist er nach einem Sturz bettlägerig. Doch auch sein Anwalt Alexander Weindel hatte Mühe, dem Geschehen zu folgen. Denn: Sein Mandant behauptet, die Schlüssel gehören einem Freund - doch der erklärte vor Gericht verwirrt: „Mir gehören höchstens zwei.“ Weindel verzweifelt: „Man wird von niemandem so belogen wie vom eigenen Mandanten.“

Die vorläufige Lösung: Der angebliche Besitzer der Schlüssel bekam die zwei, die er erkannte. Das Gericht wollte die restlichen Schlüssel vernichten - doch dem widersprach der per Telefon befragte 79-Jährige. „Er ist total uneinsichtig“, seufzte Weindel. Das Gericht muss nun über die Klage des Mannes entscheiden. Doch selbst sein Anwalt sagte: „Wir sind uns wohl alle einig, dass er die Schlüssel nicht bekommen sollte.“

Ann-Kathrin Gerke

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