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Blutspender im Gesundheitshaus: Am 31. März gehen hier die Lichter aus.

Verkauf an das BRK

Blut spenden wird schwieriger

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München - Der Verkauf des städtischen Blutspendedienstes an das Rote Kreuz könnte für die Spender Nachteile haben. Ein Fachmann warnt: Das könnte ein Problem werden.

Das Zugunglück von Bad Aibling hat in Erinnerung gerufen, wie wichtig die Versorgung mit Blutkonserven auch über den täglichen klinischen Bedarf hinaus ist. Wie berichtet, standen Spender beim städtischen Blutspendedienst im Gesundheitshaus an der Dachauer Straße Schlange, um mit ihrem Blut den Verletzten zu helfen.

Doch das Ende dieses Dienstes ist besiegelt. Im Dezember hat der Stadtrat den Verkauf der defizitären Einrichtung ans Rote Kreuz beschlossen. „Am 17. März ist bei uns der letzte Spendetag“, sagt Leiter Tobias Hubert. Bis 31. März würden die Vorräte dann noch bearbeitet, „danach ist das BRK zuständig“, sagt Hubert. „Die Deadline 1. April steht im Raum“, bestätigt Christian Kohl vom BRK-Blutspendedienst.

Das BRK wird zwar, wie mit der Stadt vereinbart, alle 100 Mitarbeiter für mindestens fünf Jahre übernehmen, aber dennoch wird sich einiges ändern – vor allem bei den Spendeterminen: Im Gesundheitshaus an der Dachauer Straße konnte man bisher an jedem Werktag zur Ader gelassen werden, und darüber hinaus fuhren zwei mobile Teams zu den Spendern ins Umland: 340 Termine im Jahr gab es „im Speckgürtel“, so Thomas, von Freising bis Rosenheim, von Dachau bis Miesbach. Die Stammkunden, die sich zwei- bis dreimal im Jahr, vereinzelt sogar öfter Blut abzapfen ließen, brauchten meist nicht weit zu fahren.

So komfortabel wird es nicht bleiben. Tägliche Termine in München seien „aktuell nicht geplant“, sagte Christian Kohl vom BRK-Blutspendedienst auf Nachfrage. Derzeit ist das Terminangebot in der Millionenstadt überschaubar: In den kommenden zwei Wochen gibt es einen Termin in Obergiesing, für März sind zwei Termine in Aubing angekündigt.

Wie es mit mobilen Aktionen im Umland weitergehe, sei noch nicht entschieden. Man werde weiterhin versuchen, „nah an die Spender ranzukommen“, versichert Kohl. Doch er sagt auch: „Wir schauen uns an, wie wir Termine unter einer wirtschaftlichen Betrachtung machen können“. Zudem wolle man ein besonderes Augenmerk auf junge Spender legen, um den Nachwuchs dauerhaft zu garantieren – und die jungen Leute ziehe es „eben eher in urbane Gegenden“. Das klingt nicht so, als ob das BRK das Netz der mobilen Spendetermine so engmaschig wie bisher aufrecht erhalten will. Termine in der Nachbarschaft wird es wohl für manche Stammspender nicht mehr oder nicht mehr so oft geben.

„Das könnte ein Problem werden“, mahnt Josef Assal, Münchner Stadtrat und langjähriger Notarzt am Schwabinger Klinikum. Um die Versorgung mit Blutkonserven auch in Katastrophenfällen aufrecht zu erhalten, sei ein gutes Netzwerk von Spendern wichtig. Wenn es keine tägliche Spendemöglichkeit in München mehr gebe, so der Freie-Wähler-Stadtrat weiter, „dann muss das BRK zumindest im Bedarfsfall, etwa nach einem Unglück wie in Bad Aibling, einen Notdienst einrichten“.

Der Stadtrat vertraut offenbar darauf, dass das dann funktioniert. Befürchtungen, die Versorgung könne gefährdet sein, seien in der Debatte über den Verkauf nicht aufgekommen, berichtet Hans Theiss, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion.

Dennoch, glaubt Tobias Hubert, hätte es wohl keine Mehrheit für den Verkauf gegeben, wenn nicht ohnehin eine Zäsur bevorgestanden hätte: Das Gesundheitshaus an der Dachauer Straße, in dem der städtische Blutspendedienst residiert, wird abgerissen, ein neues Quartier für den Dienst ist nicht in Sicht. Weil zudem ein Defizit von alljährlich zwei Millionen Euro den ohnehin desolaten Klinik-Haushalt belastete, entschlossen sich die Stadträte zum Verkauf.

Das Kartellamt könnte den Deal noch verhindern: Es prüft den Verkauf, weil das BRK mit dem Münchner Dienst kein Leichtgewicht schluckt: Die Konserven der Münchner decken immerhin knapp zehn Prozent des gesamtbayerischen Bedarfs von 2000 Spenden pro Tag. Seit 27. November läuft beim Kartellamt ein sogenanntes Hauptprüfverfahren. Eine Entscheidung, ob der Verkauf genehmigt wird, müsse bis spätestens 27. März fallen, sagte Sprecher Kay Weidner auf Anfrage. „Sie kann aber auch früher kommen.“

Geben die Kartellwächter grünes Licht, dann müssen sich die Stammspender des städtischen Dienstes beim BRK neu registrieren. Freiwillig und unbezahlt bleibt ihr Engagement. Ähnlich wie bei der Stadt, die sich mit einer Cola und einem Essenspaket bedankte, bekommen die Blutspender beim BRK Verpflegung. Darüber hinaus, so Kohl, gebe es „ein kleines Geschenk“, das oft von lokalen Partnern gespendet werde. „Das kann mal eine Gartenschere sein, ein Glas Honig oder auch ein Stifte-Set.“

Peter T. Schmidt

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