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Organisierte Einbrecher machten in ganz Deutschland Beute - jetzt stehen die Bandenchefs in München vor Gericht.

Sie operierten von Kroatien aus

Nach zahlreichen Einbrüchen: Bandenbosse müssen vor Gericht

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Eine international agierende Bande soll zahlreiche Einbrüche in Deutschland begangen haben. Nun müssen sich die Köpfe vor Gericht verantworten.

München - Einbrüche waren ihr Geschäft. Doch im vergangenen Sommer gelang es der Polizei, eine international operierende Diebesbande zu fassen - dank der Ermittlungsgruppe „Cucina“, die von München aus geleitet wurde. Hier stehen die Bandenbosse demnächst auch vor Gericht. Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei Frauen und drei Männer aus Kroatien erhoben, die zur Führungsebene der Verbrecher gehören sollen. Das berichtet der Spiegel.

Jovanka V. (49) und ihr Mann Rade (48) gelten als Köpfe des Clans. Laut Anklage bestimmten sie von Kroatien aus, wer zu den Diebstählen ausrückte und setzten ihre Handlanger, meist junge Frauen und Mädchen, telefonisch stark unter Druck. Eine Ebene darunter agierten die Söhne des Ehepaares V.: Drago S. (30) und Giorgio V. (21). Nach den Erkenntnissen der Ermittler lebten sie als sogenannte Residenten in Gelsenkirchen (NRW) - ebenso wie die Mitangeklagte Viki B. (51). Gemeinsam sollen sie die eingereisten Einbrecherinnen vor Ort betreut haben.

So nahm die Münchner Polizei den Einbrecher-Clan hoch

14 Einbrüche in Deutschland

Die schweren Vorwürfe hat die Staatsanwaltschaft auf insgesamt 41 Seiten festgehalten. Demnach hat das Quintett 14 Einbrüche begangen. Zehn der Taten fanden in Nordrhein-Westfalen statt, zwei in Hessen, eine in Niedersachsen und eine in München - hier wurden die ersten Einbrecher geschnappt.

Ihre Masche war stets dieselbe: Laut Anklageschrift schickten die Bosse zwei oder drei jüngere Clan-Mitglieder in eine Gegend, um dort in kürzester Zeit so viel Beute wie möglich zu machen. Vor Ort suchten die Einbrecher gezielt nach Bargeld, Schmuck oder Handys - und übergaben die Beute später ihren Vorgesetzten. Kommuniziert wurde in Codes, wie Ermittler herausfanden: Einbrechen heißt „Runden drehen“, Beute ist „Essen“, Geld heißt „Läuse“.

Das ist die Beute des Klau-Clans

Hintermänner schwierig zu finden

In ihren Ermittlungen hatten sich die Münchner Fahnder nicht nur auf die ausführenden Einbrecher konzentriert, sondern vor allem darauf, die Strukturen des Klau-Clans aufzudecken und alle Hintermänner ausfindig zu machen. Kein einfaches Unterfangen: Denn oft konnten die Täter Wohnsitze in Deutschland angeben, wenn sie festgenommen wurden, und kamen dadurch nicht in Untersuchungshaft, sondern setzten sich ins Ausland ab.

Eineinhalb Jahre lang hefteten sich die Ermittler aber an die Fersen des Clans, hörten Telefone ab, durchsuchten Wohnungen und überprüften Bankkonten. Das Ergebnis: Laut Polizei gehören 500 Menschen aus 30 Familien zu der gesetzlosen Gruppe. Sie verstünden sich als „kriminelle Parallelgesellschaft“, die Werte und Normen der bürgerlichen Welt ablehne. Es sei wie bei der Mafia.

Polizei enthüllt: So läuft die Karriere der Kriminellen

Bildung und Schule? Für den Klau-Clan völlig unbedeutend. Hier werden schon Kinder auf kriminelle Karrieren vorbereitet, die in diesen Kreisen als völlig normal gelten. Laut Ermittler verstehen sich die Clan-Mitglieder als eine Parallel-Gesellschaft. Ihre Namen wechseln sie regelmäßig, was in Kroatien kein Problem scheint - aber deutschen Ermittlern die Arbeit erschwert, wenn sie Mitglieder durch ganz Europa jagen. Durch die Einbrüche hat die Bande großen Reichtum angehäuft - und der wird nach Erkenntnissen der Polizei auch gern offen gezeigt.

Bei Durchsuchungen der Anwesen fanden Ermittler Marmor und teure Möbel, Springbrunnen verzierten viele Gärten. Das Motto: Man zeigt, was man hat. Was auch für Frauen gilt, die den Männer stets gehorchen müssen und Gewalt ertragen müssen: Wie Ermittler herausfanden, bemisst sich ihr Wert im Clan in Euro - je nachdem, wie viel Beute sie beim Einbruch erzielen. In den abgehörten Telefonaten ergaben sich Brautpreise zwischen 45.000 und 140.000 Euro.

Andreas Thieme

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