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Wenn es brennt, muss es schnell gehen: Ob die Feuerwehr mit ihrem neuen Einsatzkonzept effizienter oder ineffizienter ausrückt, ist umstritten.

Gewerkschaft kritisiert Änderungen im Einsatzkonzept

Brandbrief der Feuerwehr: Ist Münchens Sicherheit gefährdet?

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München - Senkt die Stadt München sehenden Auges den Sicherheitsstandard für ihre Bürger? So sieht das zumindest die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft – und wendet sich mit einem Brandbrief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). „Wie lange soll das noch gut gehen?“, fragen sich die Gewerkschafter.

Stein des Anstoßes ist eine zum neuen Jahr in Kraft getretene Änderung im Einsatzkonzept der Berufsfeuerwehr. Laut Gewerkschaft wurde die tägliche Sollstärke der Mannschaft um fast 20 Einsatzkräfte reduziert. Zusätzlich seien Feuerwehrfahrzeuge wie zum Beispiel Atemschutzwagen und Spezialfahrzeuge für den Umweltschutz außer Dienst genommen worden. Andere wichtige Einsatzfahrzeuge würden nur noch „im Springersystem benutzt“. Einsatzkräfte sind dann für mehrere Fahrzeuge zuständig – wird eines benötigt, rücken sie mit ihm aus. Für andere Fahrzeuge kann dann im Ernstfall kein Personal mehr da sein. Das habe Einfluss auf die Gefahrenabwehr, schreibt die Gewerkschaft. „München senkt damit den Sicherheitsstandard für seine Bürgerinnen und Bürger.“

Fahrzeugeinsatz intelligenter abstimmen

Im Rathaus kann die Kritik nicht jeder nachvollziehen. Die Münchner Feuerwehr jammere „auf sehr hohem Niveau“, findet ein Stadtrat. 

Anders sieht das Michael Kuffer von der CSU: Gerade in einem "Mangelberuf" wie dem der Feuerwehr müsse man solche Hilferufe sehr ernst nehmen. Laut Kuffer will die CSU jetzt  mit Personal und Gewerkschaft das Gespräch suchen. Dennoch lässt auch Kuffer Innovationsbedarf bei der Münchner Feuerwehr durchblicken. Das bisherige Einsatzkonzept sei „sicher etwas traditionell“ gewesen. „Einheiten modularer aufzubauen und damit noch differenzierter auf verschiedene Lagen und Meldebilder reagieren zu können, ist eine wichtige Aufgabe für die Modernisierung, die sich auch für die Münchner Feuerwehr stellt." Kuffer sagt, im Kern gehe es darum, den Fahrzeugeinsatz intelligenter abzustimmen.

Das sehen die Gewerkschafter ganz anders. Der eigentliche Grund für die Maßnahme sei, dass man nicht mehr genügend Personal für die Fahrzeuge habe, schreiben sie. Bis 2017 fehlten mehr als 200 Einsatzkräfte bei der Branddirektion. Die Feuerwehrleute fingen die Personalnot mit „freiwilliger, unbezahlter (!) Mehrarbeit“ auf. In dem Schreiben an Reiter heißt es, die Feuerwehrleute fragten sich, wie lange all das noch gutgehen solle. „Arbeitszeitkonten werden zwangsausbezahlt, neue Mehrarbeit wird angeordnet und Feuerwehrfahrzeuge müssen wegen Personalmangel abgemeldet werden.“ Außerdem müssten Kollegen bei der Werkfeuerwehr der TU München in Garching aushelfen.

Was die Gewerkschaft jetzt vom OB fordert

Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft fordert vom Oberbürgermeister nun diverse Maßnahmen, etwa eine schnelle Nachbesetzung freier Stellen, keine zwangsweise Auszahlung von Überstunden – und die „schnelle Umsetzung anstehender Bauprojekte“.

Dieser letzte Punkt bietet weiteren Konfliktstoff zwischen Rathaus und Feuerwehr. Denn angesichts der neuen Sparvorgaben mag mancher im Rathaus gerne die teuren Um- und Neubauten von Feuerwachen auf die lange Bank schieben. Heute wird Oberbürgermeister Dieter Reiter zurück aus dem Weihnachtsurlaub erwartet. Gut möglich, dass er sich gleich am ersten Arbeitstag auch mit der Münchner Feuerwehr auseinandersetzen muss.

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