Robert Brannekämper

Nach gescheiterter Bundestags-Bewerbung

Brannekämper stürzt Zimmermann

München - Für die einen ist es ein Putsch mit fragwürdigen Methoden, für die anderen der Generationswechsel:

CSU-Stadtrat Robert Brannekämper (46) hat sich am Donnerstagabend in einem Überraschungscoup den Platz als Landtags-Direktkandidat der CSU im Stimmkreis Bogenhausen gesichert – eine bittere Watschn für Thomas Zimmermann (66), der den Stimmkreis dreimal für die CSU erobert hat.

Wie berichtet, hatte sich Brannekämper erst am Montag um die Direktkandidatur für den Bundestag beworben, dabei aber gegen den 27-jährigen Wolfgang Stefinger klar den Kürzeren gezogen. Die Entscheidung, für den Landtag gegen Zimmermann anzutreten, sei erst wenige Stunden vor der Wahl gefallen, sagte er am Freitag.

Thomas Zimmermann

Zwar wurde nach der Montags-Niederlage gemunkelt. Doch die meisten der 91 Delegierten, die am Donnerstagabend ins Vereinsheim der SG Schützenlisl an der Englschalkinger Straße kamen, erwarteten die erneute Aufstellung Zimmermanns – zumal Brannekämper als Wahlleiter fungierte. Umso größer war die Überraschung, als Venanz Schubert, Ortsvorsitzender in Bogenhausen-Ost und einer der wenigen Eingeweihten, nach einer Lobrede auf Thomas Zimmermanns Verdienste den Generationswechsel anmahnte – und den 20 Jahre jüngeren Brannekämper vorschlug. „Das hat alle von den Socken gehauen“, berichtet ein Insider. Die Wahlleitung musste neu besetzt werden, Brannekämper trat an – und siegte mit 56 zu 32 Stimmen.

Der frisch gekürte Direktkandidat beruft sich auf eine Absprache vor der Landtagswahl 2008, zu der er auch schon gerne angetreten wäre: Damals sei vereinbart worden, dass Zimmermann noch für eine Periode antritt und Brannekämper den CSU-Kreisvorsitz übernimmt.

„Jetzt war von der Vereinbarung nicht mehr viel zu hören“, so Brannekämper. Mit Zimmermann hat er darüber freilich nicht gesprochen. Altgediente Parteimitglieder rümpfen ob des handstreichartigen Vorgehens die Nase. Nur eine Woche zuvor, so merkt der Bundestagsabgeordnete Herbert Frankenhauser an, habe Brannekämper sich noch von Zimmermann helfen lassen: Vor dem Ortsverband Berg am Laim hat der nun Abservierte sich für die Bundestags-Kandidatur Brannekämpers stark gemacht. Von mehreren Seiten wird kolportiert, Brannekämper habe am Montag verkündet, er habe nur den Bundestag im Blick. Am Donnerstag habe er dann gesagt, der Landtag sei schon immer sein Ziel gewesen. Brannekämper widerspricht: Bei seiner „Bewerbungsrede für den Bundestag“ sei er „mit keinem Satz auf irgendwelche Präferenzen eingegangen“.

Zimmermann gab sich am Freitag gegenüber dieser Zeitung betont gelassen: „So geht’s halt“, sagte er. „Für mich ist das Thema erledigt.“ Doch die Watschn, die er kassiert hat, schmerzt. So sehr, dass er noch nicht einmal sagen wollte, ob er nun eine Listenkandidatur anstrebte. „Morgen beginnt die Wiesn. Da hab’ ich andere Sachen im Kopf“, sagte er unwirsch.

In der CSU Stadtratsfraktion hat Brannekämper nicht nur Freunde. Als er vor Jahren Planungssprecher werden wollte, handelte er sich eine Abfuhr ein. Doch im Stimmbezirk Bogenhausen, so analysiert ein Kreisvorsitzender, „hatte er die stärkeren Bataillone“. Wohl auch eine Folge seiner starken Präsenz im Bezirksausschuss sowie bei der Freiwilligen Feuerwehr und in vielen Vereinen.

CSU-Bezirkschef und Kultusminister Ludwig Spaenle, ein enger Freund und Weggefährte Zimmermanns, versuchte am Freitag möglichen Grabenkämpfen vorzubeugen: „Das war eine demokratische Entscheidung, und die ist zu respektieren“, mahnte er.

sc

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