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Kein schöner Anblick: Noch essbare Backwaren landen im Schutt-Container und dann in einer Biogasanlage.

Brot wird zu Strom verheizt

München - Der Kunde ist anspruchsvoll: Er will auch abends noch frisches Brot haben. Doch was tun mit den Resten? Ein Münchner Bäcker wirft sie den Schutt-Container - und gewinnt so Strom.

Zugegeben – das ist ein ungewöhnlicher Anblick. Aber das Bild ist nicht gestellt. Ein Bäcker im Münchner Norden, der nicht namentlich genannt werden möchte, sieht keine andere Möglichkeit, seinen täglich anfallenden Überschuss los zu werden. Und dabei, beteuert er, habe er bereits die bedürftigen Münchner bedacht.

„Wissen Sie“, erklärt der freundliche Mittelständler, „wir müssen für unsere Kunden bis zum Ladenschuss das komplette Sortiment im Angebot haben. Sonst geht der Kunde, der unbedingt jetzt eine bestimmte Sorte haben will die ausverkauft ist, zur Konkurrenz.“ Sein Handwerksbetrieb müsse ums Überleben kämpfen, beim Discounter gebe es das Brot zu Dumping-Preisen. „Da wir aber ohne Konservierungsmittel arbeiten, ist das Brot abends nicht mehr zu verkaufen.“

So landet es tagtäglich im Schutt-Container. Ein Teil des Altbrotes sei da abends bereits an die „Münchner Tafel“ gewandert, die bedürftige Münchner mit Lebensmitteln versorgt. „Die können uns aber gar nicht alles abnehmen“, sagt der Unternehmer. Einen kleinen Teil des Altbrotes holten Privatleute, die für den Eigenbedarf Schweine züchten.

Alle Reste an Bauern abzugeben, sei nicht möglich, sagt der Bäcker. „Wenn Sie die Brote in großem Stil an die Landwirtschaft liefern wollen, müssen Sie sich zertifizieren lassen.“ Das hieße, das Altbrot müsste sortiert werden, denn eine Butterbreze oder ein Pizzastangerl enthalten tierisches Eiweiß – und das darf seit der BSE-Krise nicht mehr im Futtertrog landen. Für den mittelständischen Betrieb sei eine aufwändige Sortierung aber unerschwinglich, sagt der Bäcker.

Ergebnis: Das Münchner Altbrot landet in einer Biogasanlage, in der es vergoren wird. Das gewonnene Gas treibt einen Generator an – aus dem Brot wird Strom. Ansonsten landet in der Biogasanlage eigens dafür gezüchteter und angebauter „Energiemais“ der mittlerweile auf den Feldern wächst, wo früher Brotgetreide angebaut wurde.

Johannes Welte

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