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Dominik Brunner kam am Bahnhof in Solln ums Leben.

Brunner-Handy: Das Protokoll des Grauens

München - Der Todeskampf von Dominik Brunner dauerte zwei Minuten und wurde in der Notrufzentrale aufgezeichnet. Am Dienstag wurde das Tonband vor Gericht abgespielt. Das Protokoll des Grauens:

Schläge, Tritte und Schreie voller Wut und Schmerz: Der Todeskampf von Dominik Brunner (50) ist von seinem Handy aus in die Notrufzentrale übertragen worden. Ein Tonband lief 22 Minuten lang mit. Am Dienstag wurden die entscheidenden zwei Minuten vor Gericht vorgespielt. Benommenes Schweigen im Gerichtssaal, als die Aufzeichnung der 125 Sekunden lief, in denen zu hören ist, wie Dominik Brunner stirbt.

Die tz zitiert die wichtigsten Passagen im Wortlaut, nachdem der Notruf am 12. September 2009 um 16:12:13 Uhr einging.

Das Protokoll des Grauens 

Polizeizentrale vom Band: Bitte legen Sie nicht auf!

Zwei männliche Stimmen sind zu hören.

Brunner: Oan dawischt ’s gleich! Aussagen der Täter nicht verständlich.

Brunner: I nimm oan mit, i nimm oan mit!

Täter: Komm her, komm her, Mann, du Drecksschwein!

Brunner: I nimm oan mit, i nimm oan mit!

Täter: Du Sau! Wart bis i daherkomm!

Brunner (stöhnt): Ahhh! (Eine Sekunde Pause) Ahhh, ahhh, ahhh!

Täter: Du Bastard, Mann, du Bastard!

Täter: Du Arschloch!

Brunner: Ahhh!

Mann: Schluss da drüben!

Täter: Komm her, Mann!

Frau: Die Polizei, ja?

Unbekannt: Lass ihn…

Täter: Was willst du, Mann? Verpiss Dich!

Täter: Du Wixxer!

Täter: Mir Scheißegal, Mann!

Täter: Scheiß Spasti!

Täter: Hey, Alter, Fuck, Mann!

Täter: Du Motherfucker!

Brunner: (schreit) Ahh!

Notrufzentrale: A Schlägerei, aber ich hab…

Mann: Hört auf ihr Idioten da drüben!

Täter: Du Arschloch!

Mann: Lieber Gott!

Mann: Nee, nee, bleibt mal schön hier!

Notrufzentrale: Ich bin am mithören, aber red keiner mit mir…?

Frau: Vorsicht, die S-Bahn kommt!

Frau: Scheiße, scheiße!

Frau: Holt mal ’nen Notarzt!

Mann: Ja!

Bilder vom Prozess

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Das Tonband wurde von Rafaela Lauf vom Landeskriminalamt analysiert. „Es handelt sich um eine sehr schlechte Aufzeichnung, deshalb sind viele Passagen nicht eindeutig auszuwerten“, sagte sie. Oft konnten die Stimmen nicht getrennt werden. Deshalb war es der Expertin nicht möglich, die Aussagen Sebastian L. oder Markus S. zuzuordnen. Sie hat bei der Auswertung die Aussagen in die Kategorien „Täter, Opfer und andere“ eingeteilt. Unklar ist auch, ob der Notruf von Brunner bewusst abgesetzt wurde – oder etwa durch einen Schlag auf die Wahlwiederholungstaste. Denn zuvor hatte Brunner von der S-Bahn aus den ersten Notruf abgesetzt, um 16:05:35 Uhr. Auch dieser wurde am Dienstag vorgespielt:

Zentrale: Polizei, Grüß Gott!

Brunner: Ja, Grüß Gott, mein Name ist Brunner. Ich bin in der S 7 nach Wolfratshausen, im Augenblick sind wir an der Station Mittersendling. Mir san gegenüber zwei junge Männer gesessen, die wollen zwei andere junge Männer ausrauben.

Zentrale: Wos wolln’s?

Brunner: (wiederholt den Satz) Wir fahren jetzt ein bei Siemenswerke und steigen jetzt miteinander aus bei Solln.

Zentrale: In Solln steigen S’ aus?

Brunner: Ja!

Zentrale: Wie kommen Sie drauf, dass die die ausrauben wollen?

Brunner: Weil sie es g’sagt ham!

Zentrale: Aha, zu Ihnen ham s’ des g’sagt?

Brunner: Sie san mir gegenüber gesessen und haben’s gsagt. I steig jetzt mit dene aus und nimm die jungen Leut’ mit!

Zentrale: Ja, ok. Und sie warten dann am Bahnhof, oder?

Brunner: I wart’ am Bahnhof.

Zentrale; Dann machen S’ eana bemerkbar, wenn die Polizei kommt, ok?

Brunner: Guad, alles klar.

Stefan Dorner

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