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Der Luxusbau „The Seven“ an der Müllerstraße , hier während des Baus im Jahr 2011, ragt deutlich über die Gebäude in der Nachbarschaft hinaus.

Schmid will neue Debatte

Bekommt München eine neue Hochhaus-Diskussion? 

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Wegen des prognostizierten Wachstums der Bevölkerung will Münchens Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) die Diskussion um Hochhäuser neu anstoßen.

München - Wird die Münchner Hochhaus-Debatte neu angestoßen? Bürgermeister Schmid argumentiert, an den Entscheid von 2004 fühle er sich nicht mehr gebunden. Dass die 100-Meter-Marke fällt, ist dennoch mehr als fraglich.

Doch erst ein Blick zurück: August, 2012. Dieter Reiter (SPD), damals noch Wirtschaftsreferent, macht Münchens Mietmisere zum Thema des OB-Wahlkampfs. Für den Fall seiner Wahl erwäge er den Bau neuer Hochhäuser, um der Misere entgegenzutreten. Auch der Bürgerentscheid von 2004 wäre kein Tabu mehr, hieß es damals. Prompt kam die Reaktion vom politischen Gegner. CSU-Planungssprecher Walter Zöller mahnte, dass ab 60 Metern Höhe Aufzüge, Klimaanlagen und Brandschutz Hochhäuser unwirtschaftlich machten. „Es ist ein Irrglaube zu meinen, dass man mit Hochhäusern die Wohnungsnot bekämpfen kann.“

Bauen in die Höhe statt Nachverdichtung

Nun, im Juli 2017, will Bürgermeister Josef Schmid (CSU) die Diskussion wieder anstoßen. „Ich glaube, dass ein verträglicher Lösungsweg für die Flächenknappheit weder in der Nachverdichtung noch in der Ausdehnung über die Stadtgrenzen, sondern vor allem im Bauen in die Höhe liegt. Nur so können wir es schaffen, alle Bedarfe ausgewogen zu berücksichtigen.“

Auch Schmid sagt, er fühle sich rechtlich nicht mehr an den Bürgerentscheid von 2004 gebunden, wonach in München kein Gebäude höher sein darf als die Türme der Frauenkirche. Man müsse sich fragen, ob es sich eine Stadt wie München nicht leisten müsse, diese 100-Meter-Marke zu diskutieren. Das gelte für Wohnungen aber auch für Gewerbe. „Wir können nicht einfach überall nachverdichten und jede Fläche verbauen. Denn so riskieren wir, dass München seinen einzigartigen und vielfältigen Charme verliert.“

Geplant: Bavaria-Tower am Vogelweideplatz, 83 Meter. nach den Entwürfen des spanischen Büros Nieto Sobejano Arquitectos entstehen Türme zwischen 46 und 83 Metern. das kostet rund 83 Millionen Euro. Ein Hotel soll einziehen, außerdem Büros.

Dieses Mal kommt die Kritik von der SPD. Fraktionschef Alexander Reissl: „Solche Äußerungen sind unsachlich.“ In München brauche es bezahlbaren Wohnraum. Das erreiche man nicht mit Hochhäusern. „Man kann über 100 Meter bauen, aber das werden dann sündhaft teure Wohnungen.“ Das liege eben an den Fragen der Erschließung und des Brandschutzes. „Es gibt eine Grenze, wonach der oberste Fußboden nicht höher als 23 Meter sein darf. Sonst kann die Feuerwehr nicht mehr anleitern. Jede Bebauung darüber hinaus erfordert mehr Aufzüge und Treppenhäuser.“

Kommentar zur Hochaus-Debatte: Die Mischung macht‘s

Bis 20 Stockwerke sind darstellbar

Reden könne man über 15 oder 20 Stockwerke. Das ließe sich noch darstellen, wie beim Campus Süd zum Beispiel. „Da bin ich auch sofort dabei“, sagt Reissl. Auf dem ehemaligen Siemens-Areal sind vereinzelt Gebäude mit 13 Stockwerken geplant.

Und schon das ist umstritten, wie Grünen-Fraktions-Chef Florian Roth süffisant anmerkt. „Da wettert Herr Kuffer gegen zu hohes Bauen vor Ort, und sein Parteifreund sagt das Gegenteil.“ Tatsächlich hat sich der CSU-Bundestagskandidat Michael Kuffer das Thema auf die Agenda geschrieben. Allerdings sei er nicht prinzipiell gegen höhere Wohnhäuser, sagt Kuffer. Nur müssten sie sich integrieren, nicht wie beim Campus Süd wie Fremdkörper wirken. Für die Grünen indes stelle sich die Frage nach der Höhe der Bebauung nicht. „Wohnhäuser über 100 Meter sind wirklich nicht das zentrale Thema. Auch ohne den Bürgerentscheid könnte man höher bauen.“

Geplant: Kap West, 80 Meter, an der Friedenheimer brücke. Auch hier sind nur Büros geplant.

FDP: Nicht nur höher, sondern auch dichter

Unterstützung bekommt Schmid in dem Fall grundsätzlich von der FDP. Fraktionschef Michael Mattar: „Wobei es nicht um die 100 Meter innerhalb des Mittleren Rings geht. Es geht um die Frage nach zwölf bis 18 Stockwerken beim Wohnungsbau, das sind knapp 40 bis 60 Meter.“ Dann müsse man aber über die Abstandsflächen reden. Denn bisher ist etwa die Hälfte der Höhe eines Neubaus als Abstand zum Nachbarn vorgesehen. „Da brauchen wir eine Reduzierung von 0,5 auf 0,4.“ Heißt: Ein Haus von 20 Metern bräuchte dann einen Abstand von acht statt zehn Metern. „Das hört sich wenig an, würde aber viel bringen.“

Oberbürgermeister Dieter Reiter hat seine Idee von 2012 mittlerweile im Übrigen verworfen. Günstiges Wohnen schaffe man damit nicht, sagte Reiter vergangenes Jahr unserer Zeitung. Hochhäuser seien nun mal teuer. „Deswegen finden sich in den wenigen, die wir hier haben, entweder Büroräume oder Hotelzimmer.“ Und keine Wohnungen.

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