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Paten- und Freundschaft: Ekkehard Pott und Belal Hayat.

Bürgerschaftliches Engagement in München

Dank Schüler-Paten: „Jetzt kann ich mir meine Zukunft vorstellen“

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Dank seines Paten Seit 2010 gibt es die ehrenamtliche Initiative, die Helfer und Hilfesuchende in Moosach zusammenbringt. Ob Hilfe bei handwerklichen Arbeiten, im Garten, beim Lernen oder einfach nur jemand zum Reden glaubt der 18-jährige Belal Hayat an sich und seine Chancen. 

München - Bei Ekkehard Pott und Belal Hayat passte es einfach. Beim Speed-Dating des Bildungsnetzwerks Münchner Schülerpatenschaften an der Reichenauschule, bei dem sich Paten und Schüler kennenlernen, fanden sich die beiden auf Anhieb sympathisch. Drei Jahre ist das her. Ein Jahr zuvor war der heute 18-jährige Pakistaner mit seiner Familie nach München gekommen. Er tat sich schwer mit Deutsch und im Kontakt zu seinen Mitschülern, fremdelte mit der neuen Kultur. Doch er war interessiert und ehrgeizig – was Ekkehard Pott gefiel.

Seit 2008 engagiert sich der 65-jährige Ingenieur ehrenamtlich, zunächst neben seinem Job. Seit fünf Jahren ist er in Rente, studiert nun Soziologie und Philosophie im Seniorenstudium der LMU. „Der soziale Aspekt war bei der Arbeit immer zu kurz gekommen“, sagt er. Jetzt sei das Ehrenamt eine gute Ergänzung. Ging es bei den ersten Treffen vor allem um die Vorbereitung auf den qualifizierten Hauptschulabschluss von Belal, weitete sich das Themenspektrum zunehmend aus. „Wir reden über alles“, sagt Belal Hayat. „Und nebenbei vergrößert sich mein Wortschatz.“

Frisch in Deutschland hatte der junge Mann wenig Ahnung vom Leben hier. Er scheute den Augenkontakt zu seinem älteren Paten – ist es doch in Pakistan üblich, diesen aus Respekt zu meiden. Auch das Schulsystem war für ihn verwirrend. Er war überrascht, als ihm sein Pate all die Möglichkeiten aufzeigte, die er hier hat. Das Wichtigste für Belal: „Jetzt kann ich mir meine Zukunft vorstellen.“ Dank Ekkehard Pott hat er gelernt, dass er alles machen, alles erreichen kann – wenn er nur will und sich anstrengt. „Ich komme nicht aus einer akademischen Familie, deshalb wäre ich nie auf die Idee gekommen, einmal zu studieren.“ Doch jetzt glaubt er daran, dass er es schaffen kann. Derzeit besucht der 18-Jährige die Fachoberschule und möchte gerne mal etwas Technisches studieren, wie sein Pate. „Vielleicht werde ich auch Ingenieur.“ Die oft komplizierte Theorie in der Schule wird durch die praktischen Erfahrungen von Pott für den 18-Jährigen greifbar und verständlicher.

Sein Pate verfolgt seine Entwicklung mit Freude. „Es ist gut investierte Zeit“, sagt er, „eine Bereicherung auch für mich.“ Aus der Paten- hat sich längst eine Freundschaft entwickelt. Eine Bergtour haben die beiden schon gemacht, planen gerade die nächste. Auch Schwimmen hat Belal Hayat dank seines sportlichen Paten gelernt. „Er hat so viele Interessen und Hobbys, das hat mich von Anfang an fasziniert“, sagt Belal. Auch seine drei jüngeren Geschwister profitieren von der Patenschaft, denn ihr großer Bruder erklärt ihnen, dass viel mehr drin ist für ihr Leben und ihre Entwicklung, als sie denken.

Das ist das Ziel der Schülerpatenschaften. „Es geht nicht um billige Nachhilfe, sondern um eine Lotsenfunktion ins Leben“, erklärt Christoph Arndt, Koordinator des Bildungsnetzwerks Münchner Schülerpatenschaften der Caritas. Knapp 60 Patenschaften gibt es dort derzeit, Tendenz steigend. „Die Nachfrage ist groß“, sagt Arndt, neue Paten seien jederzeit willkommen. Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail bei Christoph Arndt (christoph.arndt@caritasmuenchen.de) melden. Informationen gibt es auch im Internet unter www.caritas-f-net.de.

Lesen Sie hier: Bürgerschaftliches Engagement in München - Sie hilft als Patin Wohnungslosen  

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