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Bernhard Loos wird direkt für den Münchner Norden antreten.

CSU München

Bundestags-Kandidaten: Die CSU und ihr Personalproblem

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München - In einer phasenweise kuriosen, aber harmonischen Versammlung hat die CSU einen Singhammer-Nachfolger gewählt. Diese Personalie wäre nun geklärt. Ein paar andere Kandidaten-Probleme bleiben aber.

Als der Dackel um die Ecke biegt und auf das Rednerpult zusteuert, ahnen die Delegierten: Das könnte munter werden. Der Hund platziert sich mit Blick zum Saal und rüstet sich, in die Bewerbungsrede seines Herrchens einzugreifen. Und das ist gut so. Der Dackelbesitzer, ein Freiherr älteren Semesters, erklärt nämlich nicht nur seine Bewerbung um das CSU-Direktmandat im Münchner Norden. Sondern gleich die Bereitschaft, die Bundeskanzlerin umgehend abzulösen.

Wahlprogramm: Wiedereinführung der Bestrafung Homosexueller. „Eine Gräuel-tat“, zitiert der Kandidat aus der Bibel, sie werde „mit dem Tod bestraft, ihr Blut soll auf sie kommen“. Der Hund bellt einmal vernehmlich, was den Kandidaten zur Klarstellung bewegt, er sei selbstverständlich gegen die Todesstrafe.

Im Saal wissen sie nicht, ob sie lachen oder sich entrüsten sollen. Ersteres setzt sich durch, der Bewerber schließt seine Präsentation mit einem Schlachtruf ab: „Eins, zwei, drei – es lebe die Partei! Zwei, drei, vier – denn die Partei sind wir!“ Der Hund bellt, die Vorstellungsrede ist beendet.

So breit sind Volksparteien mitunter. CSU-Bezirkschef Ludwig Spaenle beeilt sich einzuwenden, die Todesstrafe sei nicht von christsozialen Positionen gedeckt. In der kuriosen Rede sieht er aber den Beleg, dass niemand – wirklich niemand – gehindert wird, in der CSU um Mandate zu bitten. Zwölf Kandidaten haben sich um das Ticket für den Norden beworben. Der Freiherr mit dem Dackel erhält eine Delegiertenstimme (von 158), damit wäre das demokratisch entschieden.

Den Sieg trägt an diesem Abend ein Kandidat mit unblutigen Ansichten davon. Der Unternehmer Bernhard Loos, 61, setzt sich im ersten Wahlgang und in einer Stichwahl klar durch. In einer ruhigen, klaren Rede verspricht er den Delegierten einen engagierten Wahlkampf, bekundet Verbundenheit zum Münchner Norden und distanziert sich von der Asylpolitik der Bundesregierung. Viele wissen, dass Loos das Geld für einen aufwändigen Wahlkampf mitbringt; im knappsten Wahlkreis Bayerns ist auch das ein Argument. Zudem wird geraunt, er habe die Unterstützung der Parteioberen.

Die Sorge, einen Nachfolger im Wahlkreis von Johannes Singhammer, immerhin Bundestagsvizepräsident, zu finden, ist die Münchner CSU jetzt los. Die vier Wahlkreise in der Stadt sind nun alle besetzt. Es bleiben aber mehrere Probleme. Das drängendste dürfte der Platz für Bernd Fabritius sein, der die Stichwahl mit 64:91 gegen Loos verlor. Fabritius hat kein Direktmandat, er kam über die Liste in den Bundestag. Nun wird ihm erneut nur eine Listenkandidatur bleiben, er braucht dazu Hilfe der Parteispitze.

Tatsächlich ist Fabritius für die CSU bedeutend: Er führt den Bund der Vertriebenen, brachte den sehr konservativen Verband auf Versöhnungskurs und hat eine hohe Autorität in diesen Kreisen. Fabritius sei, so deuten es Parteifreunde an, eine lebende Brandmauer zur AfD. Der Verband legt allerdings Wert darauf, dass sein oberster Repräsentant im Bundestag sitzt, dort gut vernetzt ist. Was, wenn er da rausfiele?

Die Listenplätze dürften für 2017 umkämpfter sein denn je. Elf zusätzliche Mandate holte die CSU bei der Wahl 2013, heuer könnten es, je nach Laune des komplizierten Wahlrechts, viel weniger sein. Ganz vorne wollen Fabritius hin, die Junge Union, die Frauen, es gibt regionale Interessen und die Überlegung, einen Minister(-präsidenten) aus Bayern auf die Liste zu setzen. Ganz vorne, natürlich.

Selbst in München erhält Fabritius Listen-Konkurrenz. Die in die Stadt umgezogene Abgeordnete Julia Obermeier (32) will ebenfalls einen vorderen Platz. Sie zog ihre wohl nicht aussichtsreiche Kandidatur im Münchner Norden in der laufenden Wahlversammlung überraschend zurück und bat Spaenle stattdessen um Unterstützung für einen Listenplatz. Der zuckte mit keiner Miene, behält aber auch ein weiteres Problem: Seit Jahren tritt die CSU München für kein Berlin-Direktmandat mit einer Frau an.

Sehen Sie hier die große Übersicht: Bundestagwahl 2017 - fast alle Münchner Kandidaten stehen fest

Die CSU München und der Kampf um die Plätze; man könnte sagen: Eins, zwei, drei – der Stress ist nicht vorbei.

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