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Macht ohne Pause Politik und Karriere: Michael Kuffer an seinem Schreibtisch im Münchner Rathaus.

Bundestagswahl 2017

Michael Kuffer: Der nächste Gauweiler

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München - Die Fußstapfen des Schwarzen Peters sind groß. Doch Michael Kuffer nimmt die Rolle an. Er will als Nachfolger von Peter Gauweiler für die CSU in den Bundestag. Damit scheint auch klar, wer neuer CSU-Fraktionschef im Rathaus wird – und wer der nächste Münchner CSU-Rebell in Berlin werden könnte.

Sitzungstage können lang sein. Sehr, sehr lang. Im Stadtrat werden es schonmal zehn Stunden. Da kann einen gar nicht alles interessieren. Und so ist im Sitzungssaal mancher Stadtrat zu sehen, der auf seinem Laptop herumtippt und online einen schönen Anzug kauft – oder in der Zeitung ein Kreuzworträtsel löst. Michael Kuffer, 43, würde so etwas nie einfallen. Der Mann hat keine Zeit. Er macht Politik. Und das ohne Pause.

Kuffer ist ein ziemlich passabler Redner. Aber wenn er nicht am Pult steht, dann pflegt er Kontakte, spricht am Rand mit Kollegen, eilt hinaus, um ein geschäftliches Telefonat zu führen.

Langweilig ist Kuffer nie. Der Mann ist Partner in einer Wirtschaftskanzlei, hat einen Lehrauftrag in Hamburg – und arbeitet sehr akribisch an seiner politischen Karriere. Lange sah es aus, als wollte Kuffer, der sich als einziger Stadtrat eine politische Mitarbeiterin leistet, CSU-Fraktionschef im Rathaus werden. 2017 hört Urgestein Hans Podiuk auf, die Fraktion soll entscheiden, wer nachfolgt. Doch Kuffer will in den Bundestag. Jetzt macht er diese Ambitionen erstmals öffentlich. „Bundespolitik hat mich schon immer gereizt“, sagt er unserer Zeitung. Dass er im Süden Münchens antreten darf, daran gibt es kaum einen Zweifel. Kuffer hat die richtigen Unterstützer: Staatssekretär Georg Eisenreich ist ein persönlicher Freund, gilt als sein politischer Mentor, Bürgermeister Josef Schmid steht hinter ihm.

Kuffers Wahlkreis wäre der von Peter Gauweiler, der sich 2015 aus dem Bundestag zurückzog. Fällt der Name des Vorgängers, gibt sich Kuffer ungewohnt demütig. „Ich kann einen Peter Gauweiler nicht ersetzen“, sagt er. Um dann doch Parallelen zu benennen. „Ich bin auch wenig beeinflussbar. Ich gehe Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg.“ Das ist es, was die Parteifreunde im Münchner Süden von ihm hören wollen. Die örtliche CSU war immer stolz auf Gauweiler, ihren Rebellen. Kuffer sagt: „Ich traue mich, Meinungen klar und deutlich als Erster zu äußern.“

Kuffer fällt auf in der kleinen Rathaus-Welt. Nach seiner Wahl in den Stadtrat 2008 zeigte sich der CSU-Chef von Forstenried-Fürstenried noch zurückhaltend, doch 2014 wurde die CSU Regierungspartei – und Kuffer Vize-Fraktionschef mit Ambitionen auf mehr. Kuffer trägt gute Anzüge und teure Brillen, dutzt die Bedienungen in der schicken Schumanns Tagesbar. Und: Er eckt an. In der Rathaus-CSU gibt es keinen Generalsekretär. Kuffer hat diese Rolle für sich geschaffen. Er sucht die politische Auseinandersetzung, liebt klare Worte, reitet die Attacke gegen den politischen Gegner – während manche CSUler hinter vorgehaltener Hand sagen, sie seien „Fans von Dieter Reiter“. Ganz anders ist da Kuffer: Verbürgt ist, wie sehr der OB oft genervt ist vom aufstrebenden CSU-Kollegen. Reiter musste Kuffer stets in den internen Koalitions-Runden ertragen. Womit er Reiter provoziert habe? „Mit Widerspruch“, sagt Kuffer forsch. „Das mag er nicht besonders. Aber eine Debatte ist eben erst beendet, wenn sie beide für beendet halten – nicht dann, wenn der OB das einseitig erklären will.“

Und Kuffer ist jederzeit bereit, jede Debatte zu führen. „Er mischt sich in sehr vieles ein“, stöhnen SPD-Leute. Dass er wenig Rücksicht auf andere nehme, zu schnell und zu viel rede, darüber klagen auch manche CSUler im Rathaus.

Wie es aussieht, sind sie ihn bald los. Wenn er sich keinen Patzer erlaubt, wird an seiner statt Manuel Pretzl CSU-Fraktionschef. Pretzl ist Direktor des Jagd- und Fischereimuseums, ein verbindlicher, zurückhaltender Mann. Kein Mensch im Rathaus rollt mit den Augen, wenn sein Name fällt. Pretzl ist der Gegenentwurf zum Politiker Kuffer.

Der wird sich bald in den Wahlkampf stürzen. Bürgermeister Josef Schmid sagt, er bedauere den Verlust natürlich. Aber Kuffer habe das Format für den Bundestag. Er sei „analytisch, durchsetzungsstark und geerdet“, schwärmt Schmid. „Ich bin überzeugt davon, dass seine Kandidatur erfolgreich sein wird.“

Der Münchner Süden ist für die CSU kein Selbstläufer. „Kuffer kennt bei den Bürgern kein Mensch“, frohlockt ein örtlicher SPD-Mann. Wenn er sich da mal nicht zu früh freut. Kuffer wird einen Tag-und-Nacht-Wahlkampf führen. Und: Auch die SPD wird nicht mit Prominenz aufwarten. Die größte politische Erfahrung der potenziellen SPD-Kandidaten hat Sebastian Roloff, der mal Bundes-Vize der Jusos war. Er lebt erst ein paar Monate im Wahlkreis, stammt aus der Oberpfalz. Kuffer hingegen ist gebürtiger Münchner, der Vater war Obsthändler in der Großmarkthalle, ein gläubiger Katholik.

Im Rathaus hat Kuffer im Sommer 2015 – viel früher als andere – vor Haushalts-Problemen gewarnt und für den Erhalt der Gartenstädte gekämpft. Kuffer steht hinter Schmids liberalem Großstadt-Kurs, weil er ihn für richtig hält. Er weiß, dass sich die CSU in München öffnen muss, wenn sie Erfolg haben will. Spricht er von Imam Benjamin Idriz, sagt Kuffer, dass er „darüber nochmal mit dem Bejamin reden muss“. Aber Kuffer kann auch anders. Strikt konservativ. Die Politik der offenenen Grenzen sei ein schwerer Fehler, betont er und meint wohl auch dieses Thema, wenn er sagt, dass „diese Zeit zum Einmischen herausfordert“.

Kuffer will sich jetzt in Berlin einmischen. Vielleicht wird der OB das gutgelaunt zur Kenntnis nehmen. Ganz sicher aber ist, dass es Michael Kuffer auch im Bundestag nicht langweilig werden wird. Und dass ein Bundestags-Mandat noch lange nicht das Ende seiner politischen Ambitionen ist.

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