Werden aufgelöst: Sanitätsamt und Wehrbereichsverwaltung an der Dachauer Straße. Foto : Oliver Bodmer

Bundeswehr gibt keine Flächen frei

München - Die Reformpläne bei der Bundeswehr sorgen für Fassungslosigkeit bei Rot-Grün im Rathaus: Einerseits gehen an der Isar 950 Arbeitsplätze verloren, andererseits will die Bundeswehr aber ihre Grundstücke behalten. Dabei wollte OB Ude dort dringend benötigte Wohnungen bauen.

In der Standort-Debatte ist München ein Kuriosum: Während andere Kommunen Verteidungsminister Thomas de Maizière drängten, ihre Kasernen zu erhalten, bat OB Christian Ude (SPD) den Minister darum, einen Teil der Areale in München aufzugeben. Der Grund: Die Stadt leidet unter Wohnungsmangel. Ude hoffte, auf Bundeswehrgelände könnten neue Stadtviertel entstehen.

Für das Bundeswehr-Verwaltungszentrum an der Dachauer Straße hat Ude sogar schon spektakuläre Pläne in der Schublade: Hier hätte das Olympische Dorf entstehen sollen, falls München den Zuschlag für die Spiele 2018 erhalten hätte. Doch auch ohne Olympia würde Rot-Grün die 770 Wohnungen gerne bauen. De Maizière müsste dafür nur Platz machen.

Doch dazu kommt es vorerst nicht. Am Mittwoch wurde zwar bekannt, dass die Bundeswehr in den nächsten fünf bis sieben Jahren 950 von 2520 Dienstposten in München abbaut. Zugleich ließ die Bundeswehr aber wissen: Man wolle keinen der drei Standorte in der Stadt räumen. Neben dem Verwaltungszentrum an der Dachauer Straße sind das die Fürst-Wrede-Kaserne und die Ernst-von-Bergmann-Kaserne.

Rot-Grün im Rathaus reagierte befremdet. Es sei „verwunderlich, dass das Angebot an die Bundeswehr, in München Kasernenareale für den Wohnungsbau zu nutzen, nicht aufgegriffen wurde“, sagte Ude. Schließlich hätte Münchens Verzicht anderen Regionen zugute kommen können. Claudia Tausend, SPD-Planungssprecherin im Rathaus nannte die Entscheidung „befremdlich“. Sie würde es sehr begrüßen, wenn Ude bei de Maizière nochmals um das Areal an der Dachauer Straße kämpfen würde. Auch Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker nannte die Entscheidung „unverständlich“. Nun habe die Reform nur negative Effekte für München - keine Areale für Wohnungen, dafür ein Verlust an Arbeitsplätzen. Benker äußerte den Verdacht, dass die Bundeswehr sich als „Flächenspekulant“ geriere.

Aus der CSU kamen indes andere Töne. Sie hatte dafür gekämpft, dass die Münchner Standorte erhalten bleiben. Rathaus-Fraktionschef Josef Schmid bedauerte die Verlagerung der Arbeitsplätze und die damit verbundenen Härten für Bundeswehr-Angehörige. Der Münchner Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer warf Ude vor, die Bundeswehr zum Abzug gedrängt zu haben - seiner Ansicht nach ist der OB für den Personalabbau mit verantwortlich.

Der dickste Münchner Brocken auf de Maizières Streichliste ist mit 500 militärischen Dienstposten das Sanitätsamt an der Dachauer Straße. Es soll mit dem Sanitätsführungskommando in Koblenz in einer neuen Kommandoebene aufgehen. Die Fachschule Rettungsdienst (Ernst-von-Bergmann-Kaserne) wird aufgelöst.

Im Kreiswehrersatzamt an der Dachauer Straße wurde die Entscheidung des Ministers mit Erleichterung aufgenommen. „Uns war von vornherein klar, dass unser Amt aufgelöst wird“, sagte Leiter Jörg Braun gestern. „Die Frage war nur, wo die Nachfolge-Organisation hinkommt.“ Nun steht fest: In München wird ein „Karrierecenter“ eingerichtet. Ein beträchtlicher Teil der rund 100 verbliebenen Mitarbeiter könnte dort unterkommen, hofft Braun. Die Angst, Familien müssten in größerer Zahl München verlassen, weil ihr Arbeitsplatz in die Provinz verlagert wird, ist verflogen.

In der Fürst-Wrede-Kaserne spart die Auflösung des Werbereichskommandos IV rund 300 Dienstposten ein. Das werde zum Teil kompensiert, da das Landeskommando Bayern von 60 auf 140 Dienstposten aufgestockt werde, sagt Oberstleutnant Peter Fuß.

Ähnlich verhält es sich mit der Wehrbereichsverwaltung. Deren Außenstelle Süd an der Dachauer Straße mit 370 Dienststellen wird aufgelöst. Zwei Drittel der Beschäftigten können jedoch hoffen, im alten Büro mit dem neuen Türschild „Personalabrechnung“ nahtlos weiterzuarbeiten, verlautet aus Stuttgart. Weitere Beschäftigte dürften im neuen „Kompetenzzentrum Baumanagement unterkommen.

Peter T. Schmidt & Johannes Patzig

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