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In den futuristischen Bau investierte Hochtief rund 50 Millionen Euro. Vor einem Jahr wurde er eröffnet.

Busse meiden den Busbahnhof

München - Als „großen Wurf" feierte Christian Ude den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) bei der Eröffnung. Ausgelastet ist das Prestigeobjekt ein Jahr später aber bei weitem nicht.

Das BRK, Betreiber des Busbahnhofs, ärgert sich über die vielen kostenfreien Busparkzonen in München - und fordert mehr Unterstützung von der Stadt. Immobilienbesitzer Hochtief will den ZOB indes veräußern.

Gerade einmal drei Busse warten am Mittwochmittag im futuristischen Bau des ZOB neben der Hackerbrücke auf Fahrgäste. Wann man das Terminal aufsucht, ist egal: Voll besetzt sind die 29 Busfurten nie. Genaue Zahlen kennt der BRK Kreisverband München, der die Parkflächen bewirtschaftet. „Im Schnitt fahren 80 Busse am Tag den ZOB an“, sagt Sprecher Peter Behrbohm. „Das ist im unteren Bereich unserer Erwartungen.“ Experten hatten mit rund 42 000 Bussen pro Jahr gerechnet, aktuell sind es 29 000.

Die Ladenpassage im ZOB ist oft gut besucht. Einige Einzelhändler klagen aber über ausbleibende Busgäste.

Zwar sei das BRK mit der gesamten Geschäftsentwicklung zufrieden. Für die Pkw-Stellplätze konnten viele Dauermieter gewonnen werden. Die Zahl der Kurzparker, die die Ladenpassage nutzen, steigt. Beim Busverkehr aber wünscht sich Behrbohm „mehr Exklusivstatus“ für den ZOB - will heißen, weniger Alternativparkplätze in der Stadt.

Denn Alternativen gibt es viele. Busfahrer, die internationale Ziele anfahren, können auch die Busbahnhöfe Fröttmaning und Messestadt Riem anfahren. Hier benötigen sie keine Umweltplakette für ihre teils veralteten Busse. Aber auch in der Stadt gibt es diverse Parkmöglichkeiten für Busse, die zum Teil sogar kostenfrei sind. Letzteres sei „am Neptunbrunnen, am Altstadtring, am Deutschen Museum und am Arnulfpark“ der Fall, listet BRK-Mann Behrbohm auf.

Sechs Euro kostet die Einfahrt in den ZOB pro Bus und das Parken für eine halbe Stunde. Für jede weitere Stunde werden zehn Euro fällig. Beim BRK drängt man darauf, die Grundlagen für einen „fairen Wettbewerb“ zu schaffen. Die Stadt müsse dafür sorgen, dass bislang kostenfreie Parkplätze kostenpflichtig werden. Die bisherigen Bemühungen hält Behrbohm nicht für ausreichend: „Wir hätten gerne mehr Unterstützung von Seiten der Stadt.“

Nicht viel los ist am Busbahnhof an der Hackerbrücke. 80 Busse starten pro Tag – weit weniger als erhofft.

Münchens Kommunalreferentin Gabriele Friderich erklärt, dass die An- und Abfahrtszonen - etwa am Thomas-Wimmer- und Karl-Scharnagl-Ring - für Reisegruppen benötigt werden, die Münchner Sehenswürdigkeiten besuchen. Die Parkbereiche am Thomas-Wimmer-Ring und an der Erhardstraße seien bereits gebührenpflichtig. Bei Kontrollen, ob die vom BRK angesprochenen Zonen als Dauerparkplätze missbraucht werden, hätten sich „keine nennenswerten Hinweise“ ergeben, sagt Sprecherin Silke Pesik. Am Arnulfpark - ganz in der Nähe des ZOB - werde man erneut prüfen, ob Linienbusse Fahrgäste aus- und einsteigen lassen. Michael Hardi vom Planungsreferat sagt dazu mehr: Am Arnulfpark benutzten Busse normale Parkplätze. „Wenn es zulässig ist, dass Pkw am Straßenrand parken, dann dürfen dort auch Busse parken“, sagt er. „Das ist die Rechtslage und da haben wir keine Handhabe.“ Mehrere Referate seien einbezogen, um eine Lösung auszuarbeiten. Friderich will ihre „Möglichkeiten ausschöpfen, Hindernisse zu beseitigen, die einer vernünftigen Auslastung des ZOB entgegenstehen“.

Ihre Möglichkeiten bereits nach acht Monaten erschöpft sahen zehn Einzelhändler in der Ladenpassage des ZOB. Weil die Buszahlen - und damit ihre Umsätze - weit hinter den Erwartungen zurückblieben, hatten einige im Juni einen Anwalt eingeschaltet, um aus langfristigen Mietverträgen mit dem Bauherrn, der Hochtief Projektentwicklungs GmbH, auszusteigen. Andere wollten Mietminderung oder Schadenersatz. Die Verhandlungen laufen noch. Bei Hochtief zeigt man sich dennoch zufrieden. Die Ladenräume in der Passage seien zu 100 Prozent ausgelastet, sagt Sprecherin Gabriele Stegers. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis.“ Einige Geschäfte, etwa das Restaurant „Vapiano“ und der Discounter „Lidl“, haben keinerlei Probleme. Gerade Mittags, wenn in den angrenzenden Büros Pause ist, herrscht Hochbetrieb in der Passage.

Dennoch drängt auch die Stadt beim ZOB auf eine Ausnahmegenehmigung beim Ladenschluss - wie sie für Bahnhöfe und Flughäfen gilt, die 24 Stunden am Tag geöffnet haben dürfen. Weil auch nachts viele Busse an- und abfahren und weil die Diskothek „Neuraum“ im Tiefgeschoss des ZOB viele Besucher anzieht, könnte das Geschäft laufen. Doch die Staatsregierung will frühestens im Herbst erneut über eine Lockerung des Ladenschlusses diskutieren.

Der Standort müsse sich noch entwickeln, gibt Pesik zu. Sie betont aber: „Wir können stolz sein, dieses architektonische Juwel in München zu haben.“ Dass im November 2009 das große Busunternehmen „Deutsche Touring“ vom Busbahnhof Fröttmaning zum ZOB gewechselt habe, sei „ein Signal dafür, dass der Standort für die Anbieter attraktiv ist“. Größere Nachahmer hat es jedoch nicht gegeben.

Wie attraktiv die Immobilie ZOB ist, versucht Hochtief herauszufinden. Mehr als 50 Millionen Euro hat das Unternehmen investiert. „Wir sind im Großen und Ganzen mit der Entwicklung des Objekts zufrieden“, sagt Sprecherin Stegers. Als Projektentwickler habe Hochtief aber Interesse daran, seine Objekte zu veräußern. Nur so viel will Stegers sagen: „Wir haben Interessenten für den ZOB.“

Caroline Wörmann

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