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Betrüger Heiko P. (39) auf der Anklagebank

Im Schwulen-Chat kennengelernt

Grünwalder Millionär fällt auf Betrüger rein

München - Er gab sich als Jugendlicher aus und später als Oberstaatsanwalt: Heiko P. (29) hat am Mittwoch vor Gericht zugegeben, einen Grünwalder Millionär im Internet betrogen und erpresst zu haben.

Unfassbar: Sein Opfer zahlte rund 865 000 Euro an den vorbestraften Einbrecher und Räuber, den er in einem Chatroom für Schwule kennengelernt hatte.

Der Angeklagte überredete den Mann zunächst als angeblich 15-jähriger „Marco“, die Vormundschaft für ihn zu übernehmen und schwatzte ihm die ersten 125 000 Euro ab. Einen noch größeren Teil erpresste er schließlich als angeblicher Oberstaatsanwalt. Er drohte dem homosexuellen Mann, kompromittierende Telefonate zu veröffentlichen.

Um den letzten Teilbetrag, 420 000 Euro, bezahlen zu können, verkaufte das Opfer – ein knapp 60 Jahre alter Mann – nach Angaben eines Ermittlungsbeamten sogar eine Immobilie!

Von dem Geld fand die Polizei bei einer Durchsuchung von Heiko P.’s Wohnung im März 2012 gerade einmal 20 000 Euro. Stattdessen entdeckten die Ermittler Rechnungen für in einer Gesamthöhe von 177 000 Euro. Der Angeklagte hatte das Geld unter anderem für drei Autos, einen großen Fernseher, teure Kameras und Flüge ausgegeben.

Der schwule Millionär hatte sich schließlich einem Nachbarn anvertraut und auf dessen Rat hin die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. „Der Mann war emotional und finanziell am Ende“, erinnerte sich ein Beamter. Er habe aber bis zuletzt an die Existenz des Oberstaatsanwalts geglaubt. „Ihm war schwer zu vermitteln, dass er von A bis Z auf Lügengeschichten hereingefallen ist.“ Sein anfangs sexuelles Interesse an „Marco“ habe sich mit der Zeit in väterliche Gefühle umgewandelt.

Vor Gericht durfte der Betrogene hinter verschlossenen Türen aussagen. Der Prozess wird fortgesetzt.

tz

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