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"Christopher Street Day" kritisiert heuer muslimische Staaten

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München - 2006 kritisierten Schwule den Papst zum „Christopher Street Day“ mit einer provokanten Puppe – nun prangern sie muslimische Staaten an.

Die Politparade des „Christopher Street Day“ am kommenden Samstag birgt auch heuer wieder Zündstoff: Dietmar Holzapfel vom Hotel „Deutsche Eiche“ knöpft sich diesmal seiner Meinung nach „schwulenfeindliche muslimische Staaten“ vor. Mit seinem Wagen will er dagegen protestieren, dass in Ländern wie dem Iran, Saudi-Arabien, Sudan, Nigeria oder Jemen immer noch die Todesstrafe auf Homosexualität steht.

„Der Christopher Street Day ist eine politische Veranstaltung – und nicht nur Party, Party, Party“, sagt Holzapfel. Er hat einen Galgen auf seinem Wagen installiert; darunter hängt ein Foto aus dem Jahr 2005, das zwei iranische Jugendliche kurz vor ihrer Hinrichtung zeigt. Sie wurden gehängt, weil sie gleichgeschlechtliche Kontakte gehabt haben sollen. „Homosexualität darf nicht strafbar sein“, sagt Holzapfel. Dieser Spruch soll auch auf seinem Wagen zu lesen sein, untermalt von einigen rechtlichen Bestimmungen zum „Straftatbestand der Homosexualität“: Ägypten – drei Jahre Haft, Sierra Leone – lebenslänglich.

Holzapfel sagt, seine Kritik richte sich nicht grundsätzlich gegen den Islam, genauso wie seine Kritik an Papst Benedikt XVI. nicht grundsätzlich „gegen ihn alleine geht“. Er wolle vielmehr gegen „Fundamentalismus, Intoleranz, Hassprediger und Dogmatismus“ protestieren. „Es ist letztlich die Religion, die Homosexuelle diskriminiert“, sagt er. Und weil der Islam nicht alleine die Zielscheibe seiner Attacke sein soll, darf auch der Papst auf Holzapfels Wagen wieder nicht fehlen. Heuer tritt er als dreiköpfige „Kreuzotter“ in rosa auf.

Holzapfel sagt, er habe keine Angst vor Anschlägen von islamistischen Fundamentalisten, die seine Botschaften falsch verstehen könnten. „Wir haben keine Karikaturen auf unserem Wagen – sondern nur Fakten.“ Natürlich, erzählt er, „gab es auch kritische Stimmen bei uns im Betrieb. ,Und was machen wir, wenn die Bomben hier reinwerfen?‘, haben die gesagt. Aber hier ist Zivilcourage gefordert. Die Menschen aus den betroffenen Staaten können sich nicht wehren.“

Schon im Jahr 2006 hatte Dietmar Holzapfel für Aufsehen mit seinem Wagen auf dem Christopher Street Day gesorgt. Damals hatte er unter anderem Papst Benedikt XVI. ein Kondom auf einem Foto in die Hand montiert – versehen mit umstrittenen Äußerungen des Kirchenoberhaupts.

Von Thierry Backes

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