CO2-Bilanz: Die Großstadt der Klimasünder

Vorreiter beim Klimaschutz, das wäre München gerne. Bei der Reduzierung des Klimakillers CO2 aber kommt man nur langsam voran. Zu langsam, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen.

Vorreiter beim Klimaschutz, das wäre München gerne. Bei der Reduzierung des Klimakillers CO2 aber kommt man nur langsam voran. Zu langsam, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen.

Von Matthias Kristlbauer

Im Jahr 1991 hatte die Stadt noch Großes vor. Um die Hälfte wollte sie den Ausstoß des Kohlendioxids reduzieren, das bei der Strom- und Wärmeerzeugung sowie von Verkehrsmitteln in die Atmosphäre geschleudert wird und das an der Erwärmung des Klimas schuld ist. Doch anstatt den CO2-Ausstoß in München zu senken, stieg dieser an – von 6,3 Tonnen pro Person im Jahr 1990 auf acht Tonnen 2001.

Dennoch: Mittlerweile hat die Stadt die Trendwende geschafft. Nach den neuesten Zahlen des Umweltreferats für das Jahr 2006 sanken die jährlichen Pro-Kopf-Emissionen auf 7,1 Tonnen CO2. Mehr als neun Millionen Tonnen Kohlendioxid gingen demnach auf das CO2-Konto der Landeshauptstadt – den Flughafen nicht eingerechnet.

Hauptgrund für den Rückgang sei der gesunkene Heizwärmeverbrauch, erklärt Umweltreferent Joachim Lorenz (Grüne). Mit 3,7 Tonnen verursacht die Wärmeerzeugung den größten Teil des CO2-Ausstoßes. Etwas reduziert haben sich auch die Emissionszahlen für die Stromerzeugung, die nun mit 2,1 Tonnen zu Buche schlägt. Kaum Verbesserung gibt es indes bei den Verkehrsmitteln mit 1,3 Tonnen. Allein auf den Pkw-Verkehr entfällt davon eine Tonne CO2 pro Münchner. „Da werden wir uns noch was einfallen lassen müssen“, betont Grünen-Stadträtin Sabine Nallinger.

Mit dem bisher Erreichten ist auch Umweltreferent Lorenz nicht zufrieden. „Die Auswirkungen der Klimaerwärmung sind nicht mehr zu vermeiden. Wir werden die auch in München spüren“, warnt er. Schon jetzt sei die Stadt gehalten, selbst an kleinen Bächen den Hochwasserschutz zu verbessern. Heiße Sommer wie 2003 würden wohl die Regel werden.

Die CSU sieht die Lösung in der Atomkraft. „Wir sollten die Kraftwerke nicht vorzeitig abschalten“, meint Hans Podiuk, Vize-Chef der Rathaus-Fraktion. Umweltreferent Lorenz will indes Anfang Dezember dem Stadtrat einen Klimaschutzfahrplan mit weiteren Maßnahmen zur CO2-Reduzierung vorschlagen. Bereits heute soll das Gremium über das Energiekonzept in Freiham entscheiden. „Das ist eine Siedlung, die in Europa ihresgleichen sucht“, jubiliert Lorenz. Die Häuser hätten hohen Dämmstandard, und die Wärmeversorgung erfolge zu 90 Prozent über Geothermie. „CO2-frei“, betont Lorenz.

Das Ziel, die CO2-Emissionen bis 2010 zu halbieren, ist jedoch Vergangenheit. Dies strebt man nun bis 2030 an. „Alle fünf Jahre zehn Prozent“, lautet der Plan. Diesen Fahrplan, meint Stadträtin Nallinger, hätte man zuletzt sogar eingehalten.

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