Computer-Chaos an den Berufsschulen

München - Münchens Berufsschulen kämpfen mit einem Computerproblem. Seit einer Systemumstellung im Juli jagt ein Absturz den nächsten. Der Unterricht leidet.

Sie sollen lernen, wie man mit CAD-Programmen technische Zeichnungen und Konstruktionen fertigt und wie man Fräsmaschinen mit Computerhilfe steuert. Sie sollen selbst entworfene elektronische Schaltungen mit speziellen Simulationsprogrammen testen. Doch all das ist für Schüler an der Berufsschule für Fertigungstechnik im Beruflichen Schulzentrum an der Deroystraße derzeit nicht möglich. „Damit wird anspruchsvoller Unterricht der Metalltechnik seit nunmehr drei Monaten verhindert“, heißt es in einer Resolution der Personalversammlung. „Wenn sich mehr als zwei oder drei Schüler anmelden, wird das System langsam, und irgendwann geht gar nichts mehr“, beschreibt Personalrats-Chef Raimund Münder die Situation.

Das System lahmt, seitdem das sogenannte Pädagogische Netz der Stadt von einer alten, Novell-basierten Software auf ein neues Linux-System umgestellt worden ist. Das sei aus technischen Gründen unumgänglich gewesen und habe bei anderen Schulen gut funktioniert, sagt Anton Steiger, Leiter des städtischen Zentrums für Informationstechnologie im Bildungswesen (ZIB). Doch an den Berufsschulen gebe es „Lastprobleme, die uns und den Systemhersteller überrascht haben“. Vor allem an den Standorten Deroystraße, Astrid-Lindgren-Straße in Riem und Luisenstraße - Zentren mit insgesamt 7500 Schülern - tritt das Problem auf.

Der Grund liegt laut Steiger in den komplexen Programmen, die im beruflichen Schulwesen verwendet werden. Während es an einer Grundschule nur rund 40 eher einfache Anwendungen gebe, etwa Büro-Software oder Sprach- und Lese-Lernprogramme, seien es an Berufssschulen 400 teils anspruchsvolle Branchen-Produkte, die weitaus höhere Anforderugnen an Rechner und Netzwerktechnik stellen. „Oft laufen zwei Versionen parallel: Die aktuellste für die neuen Schüler und eine alte Version für die, die jetzt vor der Prüfung stehen“, so Steiger. Was im kleinen Maßstab beim Test funktioniert habe, offenbare jetzt Schwächen, wenn viele Schüler gleichzeitig arbeiten.

Derzeit wird fieberhaft an der Fehlersuche gearbeitet. Es muss wohl auch Netzwerk-Hardware erneuert werden. Noch in dieser Woche erwartet Steiger den Durchbruch, „sonst müssen wir die Notbremse ziehen und das alte System wieder einbauen“.

Den Schülern läuft die Zeit davon, allen voran rund 30 Rechtsanwalts-Fachangestellten, die sich auf ihre Kammerprüfung vorbereiten. Die Prüfung werden sie im Januar ablegen - am Computer. Ein Systemabsturz ist in der Prüfungsordnung nicht vorgesehen.

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