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Der Türöffner sagt servus: Fritz Lindner auf der Dachterrasse des Bayerischen Hofs. So leger sah man ihn im Dienst nie.

Concierge im Bayerischen Hof

Bei ihm gingen die Stars 40 Jahre lang ein und aus

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Fritz Lindner hat 40 Jahre lang den prominenten Gästen im Bayerischen Hof die ausgefallensten Wünsche erfüllt. Jetzt geht es in den Ruhestand  - und blickt mit uns zurück. 

München - Er war der Mann, der den Stars die ausgefallensten Wünsche erfüllte: 40 Jahre lang war Fritz Lindner Concierge im Bayerischen Hof. Vier Jahrzehnte, in denen er Prominente gesammelt hat. Nun hört der 68-Jährige auf. Was bleibt, sind Erinnerungen und ein Poesiealbum, in dem sie alle versammelt sind: Udo Jürgens, Rudi Carrell, Armin Rohde, Otto, Eusebio, David Hasselhoff. Und Thomas Gottschalk, der gesagt hat: „Fritz, du bist der Größte!“ Und der Bundespräsident, der ihn mal als „Institution“ bezeichnet hat.

Die wichtigste Eigenschaft ist: Diskretion

Türen zu öffnen, gehört zum Job eines Portiers. Bei Fritz Lindner war das auch als Metapher zu verstehen. Wenn eine Tür versperrt war, drückte er eine andere auf. Sein Motto: „Unmögliches wird sofort erledigt. Wunder dauern etwas länger.“ So kam er den Wichtigen und Mächtigen dieser Welt nahe. Erlebte sie hautnah, nachts, ungeschminkt. Für den Münchner Merkur öffnet er zum Abschied noch einmal sein Poesiealbum.

„Wissen Sie, was die wichtigste Eigenschaft eines Concierges ist?“, fragt Lindner. Er sitzt auf der Terrasse seines Hauses in Poing, im Garten nebenan quengelt eine Kettensäge. „Die wichtigste Eigenschaft ist: Diskretion.“ Das hören Reporter nicht gern. Ob er nicht eine Ausnahme machen könnte? Jetzt, im Ruhestand? Lindner lacht. Dann sagt er: „Ein bissel was kann ich schon erzählen.“

Schnell eine Tracht für Mika Häkkinen besorgen

Das eine Mal zum Beispiel, als Mika Häkkinen sich ankündigte, der Formel-1-Weltmeister aus Finnland. Dessen Manager habe angerufen, am Feiertag, Tag der Deutschen Einheit, und habe gesagt, man wolle heute noch „the Oktoberfest“ besuchen. In Tracht, versteht sich. Die sei aber noch zu besorgen – binnen einer Stunde. Panik brach aus. Dann riefen sie Lindner. Im Hotel nannten sie ihn den „Wiesn-Guru“, weil er besorgen konnte, was sonst niemand auftreiben kann. Und der Wiesn-Guru lieferte. Als Häkkinen und sein Manager in die Suite kamen, lagen sechs komplette Garnituren auf ihren Betten. Lindner hatte eine Bekannte angerufen, die Inhaberin eines Kostümverleihs. 

Eine Einbauküche für Pavarotti

Gereimte Grüße schrieb Thomas Gottschalk 2005 in Lindners Album.

„Das ist die wichtigste Fähigkeit eines Portiers: Wünsche erfüllen“, sagt Lindner. Alle Wünsche? „Nein, nur Wünsche, die rechtlich und moralisch nicht anrüchig sind.“ Selten kam es vor, dass ein einsamer Herr spätabends Gesellschaft suchte – da habe er immer nur mit den Achseln gezuckt und gesagt: „Tut mir leid, da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen.“ Einbauküchen waren offenbar einfacher zu besorgen. Als Luciano Pavarotti eine in seiner Suite wollte, um sich die Spaghetti selbst zu kochen, leitete Lindner alles Nötige in die Wege.

Der Mann mit dem akkurat gestutzten Schnauzbart ist im Sarntal bei Bozen geboren. Er entschied sich gegen ein Leben als Pfarrer und drängte zum Hotelfach. Bald kam er nach München. Lindner spricht Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch. Er sagt: „Egal, ob Brad Pitt etwas will, der Scheich von Abu Dhabi oder ein normaler Gast: Der wichtigste Gast ist immer der, der gerade vor einem steht.“ 

Dank für 30 tolle Jahre: Auch Rudi Carrell schätzte „den Fritz“.

Ein wenig stolz ist Lindner aber doch auf seine prominenten Gäste. Er holt ein zerfleddertes Buch hervor, dicker als die Bibel, der Rücken mit Klebeband geschient. Auf den vergilbten Seiten Fotos und Autogrammkarten von Menschen, denen Lindner die Tür aufgehalten hat. Hier, in seinem Buch, huldigen sie ihm. „Der Beste ist der Lindner Fritz, das ist kein Witz, das ist kein Spaß, wetten dass!!“, hat Thomas Gottschalk hineingeschrieben. Und Frank-Walter Steinmeier hat in seiner Zeit als SPD-Fraktionschef „mit herzlichen Grüßen und allerbesten Wünschen für eine Institution im Bayerischen Hof, die wir nicht missen möchten“ gezeichnet. Es seien die Menschen gewesen, die ihn interessiert hätten, sagt Lindner. Der tägliche Umgang, die Gespräche, Gesten. „Irgendwann kann man den Menschen an der Nasenspitze ablesen, ob man sie freundlich ansprechen oder lieber den Mund halten soll.“

Lindner hatte Krebs, es geht ihm wieder besser. Das hat seinen Blick verändert, die Familie ist noch wichtiger geworden. Gott auch. Das Buch mit den Fotos holt er nur noch selten hervor.

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