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Folgen des „Superspreader-Events“ beklagt: Publikum erinnert Mediziner an eigenen Beitrag zum Wiesn-Anstich

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Von: Miriam Haberhauer

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Die Corona-Zahlen in München steigen rapide, Krankenhäuser und Pflegekräfte sind überlastet. Als Auslöser sieht der Kardiologe Hans Theiss die Wiesn - obwohl er selbst dort war.

München - Zum Wiesn-Anstich am 17. September ließ es sich auch der Kardiologe und CSU-Politiker Hans Theiss nicht nehmen, auf der Theresienwiese vorbeizuschauen. Aus dem Festzelt postete er damals ein Selfie auf Twitter und kommentierte: „Gleich gehts los - auf eine friedliche Wiesn!“ Knapp zwei Wochen nach dem Oktoberfest bezeichnet Theiss die Wiesn nun als „Superspreader-Event“ und spricht von dramatischen Folgen für das Gesundheitssystem.

Coronavirus in München: „Gesundheitsversorgung kurz vor dem Kollaps“

In einem selbst aufgenommenen Video warnt der Kardiologe auf Twitter nun vor einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems: „Die Gesundheitsversorgung steht in München kurz vor dem Kollaps. Das liegt vor allem an der hohen Zahl von Covid-infizierten Ärzten und Pflegekräften nach dem Oktoberfest bei ausgeprägtem Fachkräftemangel“, so Theiss.

Für den Kardiologen ist klar: Das Oktoberfest war Auslöser für die starke Belastung in Münchens Krankenhäusern: „Die Wiesn ist zum Superspreader-Event geworden, da beißt die Maus keinen Faden ab.“

„Müssen Gesundheitssystem massiv stärken“ - Theiss fordert Hilfe für Klinikenn

Dass das Oktoberfest einen starken Anstieg der Corona-Zahlen mit sich bringen würde, war jedoch absehbar - auch in Straubing und Rosenheim stieg die örtliche Corona-Inzidenz nach den dortigen Volksfesten stark an. Von einem Wiesn-Besuch hielt Theiss diese Prognose dennoch nicht ab. Nun präsentierte der CSU-Politiker das Oktoberfest als die Ursache für den Ausfall zahlreicher Pflegekräfte und des damit verbundenen möglichen Zusammenbruchs der Gesundheitsversorgung.

In dem knapp einminütigen Video stellt Theiss, der auch im Münchner Stadtrat tätig ist, klare Forderungen: „Ich bin für Normalität - das war ich die ganze Zeit während der Pandemie – aber eines ist auch klar: Wir werden das nur durchhalten, wenn wir das medizinische, das ärztliche [Personal], das Gesundheitssystem massiv stärken.“

Der CSU-Politiker fordert: „Wir müssen viel mehr Geld investieren, wir müssen viel mehr Personal halten, wir müssen endlich laut werden! Wir müssen dieses System deutlichst stützen, sonst kollabiert es komplett und wir werden uns die Normalität nicht leisten können. So bitter ist die Wahrheit!“ Angesichts dieser Aussagen erinnerten ihn zahlreiche Twitter-Nutzer an seinen eigenen Wiesn-Besuch, knapp einen Monat zuvor. Damals war auf dem Twitter-Account des Kardiologen noch nichts von warnenden Worten zu lesen gewesen.

Tausendermarke überschritten: aktuelle Corona-Zahlen aus München

Ein Zusammenhang der steigenden Coronazahlen mit dem Oktoberfest liet zwar nahe, lässt sich aber nur schwer nachweisen. So ist beispielsweise der deutsche Epidemiologe und Virologe Klaus Stöhr nicht vom „Wiesn-Effekt“ überzeugt. Das Robert-Koch-Institut meldete am 13. Oktober eine Sieben-Tage-Inzidenz von 1233,9. Die Tausender-Marke wurde bereits am 7. Oktober überschritten, am Monatsbeginn lag die Corona-Inzidenz noch bei 834,3.

Die gemeldeten Zahlen liefern allerdings ein unvollständiges Bild der Gesamtsituation. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus. Insbesondere, weil bei weitem nicht alle Corona-Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen jedoch in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Angesichts der hohen Fallzahlen, schlagen Münchens Pflegekräfte bereits Alarm: „Die Patienten stapeln sich auf den Fluren“, warnte der Betriebsrat der München Klinik Mitte Oktober in einem Brandbrief. (mlh)

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