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Corona-Sommer-Welle in München: Zehntausende offenbar infiziert, ohne es zu wissen

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Von: Nina Bautz

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Haben wenig zu tun an der Teststelle Deutsches Mueseum: Ljubov Zubets (li.) und Anna Tijanic.
Haben wenig zu tun an der Teststelle Deutsches Mueseum: Ljubov Zubets (li.) und Anna Tijanic. © Markus Götzfried

In München lassen sich immer weniger Menschen auf das Coronavirus testen. Es wird eine hohe Dunkelziffer vermutet und mit einem Anstieg der Infektionen gerechnet.

München – Warten. Immer wieder warten. Das ist derzeit eine der Hauptaufgaben von Ljubov Zubets und Anna Tijanic. Sie arbeiten in der Corona-Teststelle am Deutschen Museum. Da, wo sich vor ein paar Monaten lange Warteschlangen bildeten, herrscht gähnende Leere. So sieht es bei vielen Teststellen in der Landeshauptstadt aus. Kaum einer lässt sich noch auf das Coronavirus testen. Gleichzeitig meldet die Stadt immer mehr Infizierte. Die Vermutung: Zehntausende sind infiziert, ohne es zu wissen!

Corona-Teststationen in München: „Nachfrage geht massiv zurück“

„Anfang des Jahres hatten wir in unseren Teststellen über 10.000 Tests am Tag, jetzt sind es unter 1000“, berichtet Dr. Michael Schleef, der fünf Teststellen betreibt, darunter die großen PCR-Stationen am Deutschen Museum und am Verkehrszentrum. Früher habe die Positivrate meist bei unter 10 Prozent gelegen, nun über 50 Prozent. „Das deutet auf eine hohe Dunkelziffer hin. Ich habe das Gefühl, man nimmt das Coronavirus nicht mehr so ernst.“ Klar: PCR-Tests sind nur noch in bestimmten Fällen kostenlos. Aber viele, so Schleef, scheinen nicht zu wissen: „Bei uns können sich Menschen mit Symptomen weiterhin umsonst testen lassen.“

Dass es nicht nur am Geld liegen kann, zeigt ein Blick zu den kostenlosen Schnelltest-Stationen: Auch hier ist kaum mehr was los. „Die Nachfrage ist massiv zurückgegangen“, sagt Alexander Spierer, der nach seinen Stationen im Pacha und der Freiheitshalle wohl Ende des Monats auch die im Hofbräukeller schließen wird – obwohl die Test-Verordnung seitens der Politik voraussichtlich verlängert wird. „Das Testen trägt sich wirtschaftlich kaum mehr.“

Corona-Sommer-Welle in München: Hohe Dunkelziffer, Anstieg der Infektionszahlen erwartet

Die Inzidenz für München ist von vergangenem Donnerstag bis gestern um 23 Punkte auf 327 gestiegen. Wie schätzt Münchens Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) die Lage ein? Die Testnachfrage sei „auf niedrigem Niveau konstant“. Eine Studie des Robert-Koch-Instituts in Kupferzell (Baden-Württemberg) habe gezeigt, dass dort deutlich mehr Infektionen nachgewiesen werden konnten, als bislang bekannt waren. „In der Gesamtschau kann interpretiert werden, dass die Dunkelziffer nicht unerheblich hoch ist.“ Die ansteckenderen Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 würden derzeit circa 66 Prozent in München und Umland ausmachen. Zurek: „Insofern vermuten wir ein weiteres Ansteigen der Infektionszahlen in den nächsten Wochen.“

Infektiologe Christoph Spinner vom Universitätsklinikum rechts der Isar ist dennoch nicht in großer Sorge. „Viele machen mittlerweile zu Hause Selbsttests und isolieren sich dann selbst.“ Das sei ein pragmatisches Vorgehen. Er warnt vor „Hyper-Alarmismus“. „Steigende Fallzahlen waren zu erwarten. Es ist mit der sehr viel infektiöseren Omikron-Variante nicht mehr möglich, Infektionsketten so konsequent zu durchbrechen wie am Anfang. Vielmehr gilt es, Risikogruppen zu schützen. Deshalb rate ich chronisch Kranken und Personen über 70 Jahren dringend zur vierten Impfung.“

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