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Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD)

Winterspiele 2022

CSU: Ude bremst Olympia-Bewerbung

München - Die olympischen Spiele in London sind zuende gegangen, in München laufen die Vorbereitungen für eine Bewerbung 2022. Die Chancen für Winterspiele in Bayern stehen so gut wie nie – doch warum dauert es so lange, bis eine Entscheidung fällt?

Vielen Beteiligten steckt die Niederlage bis heute in den Knochen. Ein gutes Jahr ist es her, da verlor München die Winterspiele 2018 an Pyeongchang. Einfach aufgeben? Sich beleidigt in die Ecke stellen? Diesen Fehler sollte München bloß nicht machen, hört man es flüstern aus Kreisen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). „Die Zeichen stehen besser als je zuvor“, sagt Andreas Abold, ein Marketing-Experte, der im Hintergrund für München 2022 kämpft. Nach dem Verzicht der USA, die als klarer Favorit galten, wittern viele eine zweite Chance.

Die Konkurrenz ist bislang überschaubar. Die Schweizer Bewerbung droht im März per Volksabstimmung gekippt zu werden. Oslo, Lemberg und Barcelona wären aus Münchner Sicht durchaus schlagbare Gegner. Trotz prächtiger Aussichten ist eine Entscheidung längst nicht gefallen. Die Stadt und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Niemand wagt den ersten Schritt. In einem offiziellen Papier zählt der DOSB vier Fragen auf, die vorab geklärt werden müssten:

  • Welche Städte bewerben sich für die Spiele 2022?
  • Gibt es eine „einhellige politische Unterstützung“?
  • Sind auch die Bürger in den beteiligten Kommunen mit „klarer Mehrheit“ dafür?
  • Ist die Finanzierung der Bewerbung gesichert?

Vor allem die dritte Frage nimmt die Stadt in die Pflicht. Der DOSB fordert explizit Bürgerentscheide – das will auch die Münchner Rathaus-Mehrheit, doch über den Zeitplan wird gestritten. Rot-Grün drückt auf die Bremse, will abwarten, wie im September 2013 die Entscheidung für die Spiele 2020 ausgeht. Der DOSB will sich gedulden bis zur Regierungsbildung nach der Bundestagswahl im Herbst.

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So lange will die CSU nicht warten. OB-Kandidat Josef Schmid drückt vergeblich aufs Gas. „Die Zeit reicht nicht, um einen vernünftigen Entscheid auf die Beine zu stellen“, drängt er. Schmid will die Münchner im Februar, spätestens im März 2013 befragen.

Tatsächlich gibt es seitens des IOC noch keinen fixen Zeitplan. Wann es wirklich zu spät ist für eine Bewerbung, weiß derzeit niemand. Trotzdem macht man sich hinter den Kulissen Sorgen um das richtige Tempo. Und darum, dass es absichtlich verschleppt werden könnte. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) droht nach der Landtagswahl ein Streit mit seinem möglichen Koalitionspartner im Maximilianeum, die Grünen lehnen eine Olympia-Bewerbung 2022 strikt ab. Ude kann es daher nur Recht sein, das Thema auf die lange Bank zu schieben. „Er opfert die Interessen der Stadt für seine Kandidatur“, wettert CSU-Rathaus-Chef Schmid.

Im Stadtrat betonte Ude, jedes „Vorpreschen“ sei ein „Desavouieren der Partner“. Sportbund und Garmisch-Partenkirchen müssten vor einem Münchner Entscheid ins Boot geholt werden. Doch der DOSB fühlt sich keinesfalls desavouiert, fordert selbst das Bürgervotum. Gleiches gilt für die Partnergemeinde. Thomas Schmid, Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen, sagt: „Es wäre sicher nicht falsch, wenn München früher einen Bürgerentscheid durchführen würde.“ Sind Udes Gründe nur vorgeschoben?

Der DOSB wird sich kaum als erster aus der Deckung wagen. Dessen Präsident Thomas Bach will sich im September 2013 um die Nachfolge von Jacques Rogge als IOC-Chef bewerben. Sich vor der Wahl auf die Seite Münchens zu schlagen, könnte seinen Ambitionen schaden. „So sind die Mechanismen“, bestätigt ein Insider. „Er muss sich raushalten.“ Unklar ist, ob ein IOC-Präsident Bach Münchens Chancen schmälern oder vergrößern würde. Manche sagen, zwei deutsche Wahlsiege in kurzer Folge seien unwahrscheinlich. Andere glauben, dass Bach die München-Frage offiziell abgeben, hinter den Kulissen aber Fäden ziehen wird. Was auch immer geschieht – es wird noch dauern.

Von Thomas Schmidt

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