Von roten Wölfen im schwarzen Schafspelz

München - So kennt man ihn inzwischen – und so will man ihn: Michael Lerchenberg hat als Bruder Barnabas auf dem Nockherberg wieder sauber eing’schenkt. Seine Fastenpredigt hatte Würze und Charakter wie ein Starkbier – und war doch stellenweise ein wenig fad.

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Einen Hehl aus seiner politischen Überzeugung und seiner Sympathie für den kleinen Mann hat Bruder Barnabas alias Michael Lerchenberg auch schon bei den vorigen beiden Salvatorproben nicht gemacht. Vergangenes Jahr hatte der Kabarettist – der 23 Jahre lang im Singspiel Stoiber parodierte, bevor er 2008 erstmals als Fastenprediger antrat – gar zur Revolution gerufen. Heuer prophezeite er mit apokalyptischen Worten: „Der Tag des Zorns wird kommen.“ Und auch wenn er sich bisweilen zu lange mit Nebensächlichkeiten aufhielt, so dass minutenlang die Lacher ausblieben – insgesamt war seine Rede wieder ein herzerfrischendes Stück flammender Satire.

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Schon der Anfang. Mit mehreren Massen Salvator bestückt, schwingt sich Bruder Barnabas auf die Kanzel. „Die FDP kriegt keinen Krug, vom Rausch der Macht ha’m wir genug“: Mit wenigen Worten bringt er so die Stimmung im Land auf den Punkt. Kräftig watscht er den „ohne lodernde Glut“ wirkenden Horst Seehofer ab, der nur zuschaue, wenn’s brennt. Und er macht sich auf die Suche nach einem neuen Ministerpräsidenten – ein Vorgeschmack aufs Singspiel? Nebenbei reitet er auf Gemeinplätzen herum, wie der chronischen Unbekanntheit des Bayern-SPD-Chefs Florian Pronold oder Edmund Stoibers Liebe zur Macht.

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Die FDP beschimpfte Lerchenberg als „Sparschwein der Industrie“; Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger habe „noch nichts geleistet außer ihrem Amtseid“. Und „Wirtschaftsminister Brüderle schwänzt einen anderen Beruf, wenn er je einen solchen hatte“.

Nach ein paar zünftigen „Prost, Gemeinde!“ kommt Lerchenberg dann händereibend und mit einer Stimme, die vor Häme knarzt, zu seinem größten Thema: dem Landesbank-Skandal. Einleitend zitiert er Lenin: „Der sagt: ,Um die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören, muss man ihr Geldwesen verwüsten.‘ Ich hab’ gar net g’wusst, dass sich so viele rote Wölfe unter dem schwarzen Schafspelz der CSU verbergen.“ Der Saal brüllt. Und der Mönch ätzt weiter: Stoiber habe FJS, der die bayerische Politik balkanisierte, noch übertroffen – und eine waschechte Balkan-Bank gekauft, wettert der Mönch. Und überreicht dem Ex-Ministerpräsidenten sozusagen zur Weiterbildung ein Exemplar von Karl Mays „In den Schluchten des Balkan“. Als nächstes malt er ein Bild, wie das halbe Beckstein-Kabinett in einer Stadelheimer Gemeinschaftszelle schmort – wieder brüllendes Lachen.

Andere Stellen blieben schwach und hatten Längen, etwa Lerchenbergs Einlassungen zur bayerischen Justiz und seine Kritik an Christian Udes Stadtpolitik. Und manche Dinge waren zu bitterernst formuliert, um noch komisch zu sein: etwa seine Polizei-Schelte oder das Szenario vom KZ-ähnlichen Lager der Hartz-IV-Empfänger.

Doch Lerchenberg weiß auch, wann ein Thema definitiv zu heikel ist für den Nockherberg: Zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche sagte er fast nichts. Erzbischof Marx hatte sich entschuldigen lassen, und Barnabas schleuderte jetzt nur einen Seitenhieb auf Beate Merks Schulterschluss mit Bischof Mixa und den verzweifelten Satz in den Saal, von wie viel Nieten die Kirche zusammengehalten werde.

Dafür konnte er den Protestanten unbeschwert eins mitgeben. Barnabas schwenkte die Starkbier-Mass an Landesbischof Johannes Friedrichs Nase vorbei mit den Worten: „Der Evangele besser nichts mehr trinkt, weil man ihm sonst den Lappen nimmt!“ Jedenfalls verteilte sich das Lachen gut über den ganzen Saal. Und womöglich ist eine Fastenpredit auch gelungen, wenn der Ministerpräsident hinterher sagt: „Das war grenzwertig.“

Christine Ulrich

Rubriklistenbild: © dpa

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