Hört 2017 auf: Johannes Singhammer (CSU), Direktabgeordneter im Bundestag für den Wahlkreis Nord.

Nach dem Rückzug von Johannes Singhammer

12 CSU-Politiker kämpfen um die Direktkandidatur im Münchner Norden

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Die Landtagsabgeordnete Mechthilde Wittmann (CSU) hat sich gegen eine Bundestagskandidatur im Münchner Norden entschieden. Wer Nachfolger des scheidenden Johannes Singhammer als Direktkandidat für die CSU im Bundestagswahlkreis München-Nord wird, ist damit wieder völlig offen.

Zwölf Interessenten haben gegenüber Bezirkschef Ludwig Spaenle ihr Interesse bekundet. Einen Favoriten gebe es nicht, hieß es aus der Parteiführung. Die Chancen der SPD, der CSU den Norden streitig zu machen, sind deshalb so groß wie lange nicht. Das räumt man auch bei der CSU ein. „Das wird spannend“, sagt ein Partei-Grande.

Bei der Bundestagswahl 2013 gewann die CSU alle bayerischen Direktmandate. Dies ist auch beim nächsten Urnengang im Herbst 2017 das Ziel. Im traditionell umkämpften Wahlkreis München-Nord allerdings könnte nach dem Abschied des populären Johannes Singhammer das Pendel in Richtung SPD ausschlagen, für die wieder Florian Post ins Rennen geht. Er kann Bundestags-Erfahrung in die Waagschale werfen, 2013 war ihm der Einzug über die Liste gelungen. Damals hatte Post mit 12 Prozent Abstand das Direktmandat gegen Singhammer verloren. Bei der Wahl 2009 allerdings hatte sich Singhammer nur hauchdünn mit 0,9 Prozent Vorsprung auf den langjährigen Direktabgeordneten Axel Berg (SPD) durchgesetzt. Den Wahlkreis München-Nord kann man analog zum US-amerikanischen Wahlkampf als Swing-State bezeichnen.

Auch Mechthilde Wittmann hätte das Direktmandat nicht im Vorbeigehen gewonnen, hätte aber gute Voraussetzungen mitgebracht. Die Landtagsabgeordnete ist im Norden der Stadt bekannt und sehr verwurzelt, ihr Vater vertrat den Wahlkreis über 20 Jahre im Bundestag. Deshalb hatten Bezirkschef Spaenle und Parteichef Horst Seehofer ihr die Kandidatur auch angetragen. Wittmann bat um Bedenkzeit – und lehnte nach ihrem Urlaub dankend ab. Grund sind ihre beiden neun und elf Jahre alten Kinder. Wittmann ist alleinerziehend. Zwar hätte sie eine Betreuung organisieren können, „die Bezugsperson ist aber nicht ersetzbar“, sagt sie. Aus Rücksicht auf ihre Kinder könne sie deshalb die Verantwortung nicht übernehmen, schrieb sie an Spaenle und Seehofer. Dies, obwohl der Einzug in den Bundestag schon immer ihr Wunschziel gewesen sei. Nun dreht sich bei der CSU das Kandidatenkarussell. Unter den zwölf Interessenten sind mit Bernd Fabritius und Julia Obermeier zwei Bundestagsabgeordnete, die bislang ohne eigenen Wahlkreis dastehen, dazu kommen etliche Lokalpolitiker. Drei der zwölf Bewerber sind Frauen. Die Parteispitze will keine Empfehlung abgeben. Die Interessenten müssen sich in den kommenden Wochen in den Kreisverbänden vorstellen, ehe im November nominiert wird.

Fabritius hatte Mitte Juli, kurz nach Singhammers Verzicht auf eine weitere Kandidatur, sein Interesse angemeldet. Dem 51-Jährigen gelang 2013 über die Liste der Sprung in den Bundestag. Fabritius ist Präsident des Bundes der Vertriebenen und wohnt in Trudering. „Die Menschen im Münchner Norden kennen mich als Kümmerer, ich bin ein Kind der Studentenstadt“, sagt Fabritius, der 17 Jahre als Anwalt für Rentenrecht tätig war. Der Siebenbürger Sachse will vor allem mit seiner Erfahrung überzeugen: „Eine Wissenskontinuität im Bezirksverband wäre gut, denn mit Uhl, Singhammer und Gauweiler scheiden drei erfahrene CSU-Abgeordnete aus. Ich bringe die Bundestags-Erfahrung mit.“

Das gilt auch für Julia Obermeier (31), ebenfalls seit 2013 Mitglied des Bundestags und noch ohne eigenen Wahlkreis. Sie hatte auf die Direktkandidatur im Wahlkreis München-West spekuliert, sich dort bei Vereinen gezeigt und auch ein Büro eröffnet. Bei der Nominierungskonferenz Mitte Juli unterlag sie jedoch Stephan Pilsinger. Nun will es Obermeier im Norden versuchen.

Gleich wer bei der CSU nominiert wird, für Spannung dürfte gesorgt sein. Das sieht auch Florian Post so, der SPD-Herausforderer im Norden. Er kennt Fabritius und Obermeier aus der Parlamentsarbeit und hat zu ihnen „ein freundschaftliches“ Verhältnis. Post sieht sich nach dem Abschied Singhammers als Favorit auf das Direktmandat. „Allerdings nur, wenn der Bundestrend mitspielt und die SPD bei über 30 Prozent liegt“, sagt er. In den vergangenen Jahren sei er sehr viel im Wahlkreis unterwegs gewesen. Post wird während des Wahlkampfs auf die Unterstützung von Alt-OB Christian Ude bauen können, der sich dafür extra den Sommer 2017 freihält. Dennoch, sagt Post: „Das Direktmandat ist weder für die SPD noch die CSU eine gmahde Wiesn.“

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