Milliardärspaar mit Fokus: Pharma-Unternehmer Curt Engelhorn mit Ehefrau Heidemarie 2013 in München.

Steuerhinterziehung

Curt Engelhorn: Millionen-Deal wirft Fragen auf

München - Eine Villa am Starnberger See, ein Gestüt: Der Milliardär Curt Engelhorn beschenkte seine Töchter – doch die Familie hinterzog dabei offenbar Steuern in dreistelliger Millionenhöhe.

Die Opposition ist alarmiert. Bei einem Steuerfall dieser Dimension hätten Bayerns Bürger „ein Recht auf Aufklärung“, meint der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtags-SPD, Volkmar Halbleib. Vor dem Hintergrund des Falls Hoeneß stellten sich Fragen. „Dass solche Dinge an der Öffentlichkeit vorbei laufen, ist tragisch und enttäuschend“, meint der Grünen-Finanzpolitiker Thomas Mütze.

Der Steuerfall, um den es geht, hat in der Tat eine ungewöhnliche Dimension. Es geht um ein internationales Firmengeflecht, dubiose Schenkungen im Familienkreis und die Versuche der Justiz, wenigstens einen Teil an Steuerschuld einzutreiben.

Im Zentrum der Geschichte, über die der „Spiegel“ in seinem aktuellen Heft berichtet, steht Curt Engelhorn. Der 1926 in München geborene Unternehmer gehört zu den reichsten Deutschen. In der Forbes-Liste der Reichsten weltweit landete er 2015 auf Platz 230. Jahrzehntelang führte er den Pharmakonzern Boehringer Mannheim, war Hauptanteilseigner.

1997 gelang ihm sein größter Coup. Er verkaufte das Unternehmen für angeblich 19 Milliarden Mark an den Schweizer Pharma-Konzern Hoffmann-La Roche. Besondere Freude für ihn: Er musste keinen Pfennig Steuern zahlen. So geschickt hatte er mit Wohn- und Firmensitzen herumjongliert. Seinen 80. Geburtstag feierte Engelhorn dann 2006 in der Münchner Residenz. Später sang Elton John im Barockgarten des Schlosses Schleißheim.

Nun wird in der Familie Engelhorn offenbar doch eine erhebliche Summe Steuern fällig. Wie der „Spiegel“ berichtet, hatte Engelhorn seinen beiden jüngsten Töchtern wertvolle Geschenke gemacht. Unter anderem bekamen sie eine Villa mit Park am Starnberger See, ein Pferdegestüt nahe Landsberg und eine halbe Karibikinsel. Offenbar bezahlten die Töchter für die Zuwendungen allerdings weder Schenkungssteuer noch Kapitalertragssteuer.

Die Sache kam dem Bericht zufolge heraus, nachdem das Land Nordrhein-Westfalen 2012 eine Steuer-CD mit Daten einer Schweizer Bank gekauft hatte. Die Ermittlungen habe die Augsburger Staatsanwaltschaft übernommen. 2013 wurden die Töchter verhaftet, die Fahnder gingen von einer Steuerschuld von mindestens 440 Millionen Euro inklusive Zinsen aus, schreibt das Magazin. Die Frauen kamen allerdings kurz darauf ohne Auflagen wieder frei – und setzten sich in die Schweiz ab.

Dieser Tage wird nun offenbar ein Deal gemacht: Die Töchter sollen einen Strafbefehl über jeweils 2,1 Millionen Euro erhalten. Zudem sollen sie den Finanzbehörden insgesamt rund 145 Millionen Euro an Steuern nachzahlen. Damit wären alle Ansprüche abgegolten. Laut „Spiegel“ erklären die Finanzbehörden das Vorgehen auch mit „erschwerten Sachverhaltsermittlungen“. Weder Finanzministerium noch Staatsanwaltschaft äußern sich zu dem Fall – unter Verweis auf das Steuergeheimnis.

Die Opposition will es dabei aber nicht bewenden lassen. Kommende Woche will die SPD eine Anfrage an die Staatsregierung richten. Die Fragen müsse man eben „klug formulieren“, sagt der Augsburger Finanzpolitiker Harald Güller. Die Regierung dürfe sich nicht unter Verweis auf das Steuergeheimnis herauswinden. „Wir haben das Recht, zu kontrollieren, ob die Behörden sauber gearbeitet haben.“

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