Die "Cybercops" beginnen ihre Jagd

München - Die Internet-Kriminalität explodiert - doch der Polizei fehlt oft das nötige Knowhow, um Tätern das Handwerk zu legen. Deshalb nehmen jetzt neun Experten im Landeskriminalamt ihre Arbeit auf.

Die Zahlen sind alarmierend: Von 2010 bis 2011 haben die Straftaten in der Computerkriminalität um knapp 20 Prozent zugenommen. Noch stärker ist in dieser Zeit der durch Internetkriminalität verursachte Schaden gewachsen: Von 11 Millionen auf 29 Millionen Euro hat er sich fast verdreifacht. Auch die Wirtschaftskriminalität hat zugenommen: Der Kapitalanlagebetrug etwa um bis zu 150 Prozent.

Deshalb muss das bayerische Landeskriminalamt (LKA) reagieren. „Die Polizei kann das alleine nicht mehr bewältigen“, sagt LKA-Chef Peter Dathe. Deshalb gründe man jetzt eine spezielle Taskforce. Vor einem Jahr suchte das LKA für zwei neue Polizeilaufbahnen nach Internet- und Wirtschaftsexperten, rund 400 Interessenten haben sich beworben. Nur 25 haben die Ausbildung abgeschlossen, neun davon beginnen am Montag im LKA mit ihrer Arbeit.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

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Fünf sind „Cybercops“, also IT-Fachleute, vier sind Wirtschaftsexperten. In der einjährigen Ausbildung sollten sie sich neben ihrer Fachbildung auch polizeiliches Wissen aneignen - durch Sportunterricht und Praktika in den Polizeiinspektionen.

Die neun Experten sind erstmal bei Netzwerkfahndung, Geldwäsche und Vermögensabschöpfung sowie Wirtschaftskriminalität tätig. Aber auch andere Bereiche können auf ihre Expertise zurückgreifen. Ein eigenes Dezernat für Cybercops und Wirtschaftsspezialisten lehnt Dathe vorerst ab. „Unsere Kräfte sind zwar aufgeteilt, aber trotzdem auch zentral organisiert und abrufbar“, so der LKA-Chef.

Der Einsatz der Computer- und Wirtschaftsspezialisten habe den Vorteil, dass sich die Beamten nicht mehr wochenlang in diese speziellen Themenfelder einarbeiten müssten. Weil Internet und Wirtschaft immer komplexer würden, sei die Polizei dringend auf externen Sachverstand angewiesen. Man müsse auch Netzwerke zu Fachfirmen und Banken knüpfen, weil die Polizei sonst mit den rasanten technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen nicht Schritt halten könne.

So machen Sie Ihr Passwort sicher

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Einer der neuen Experten im LKA ist Martin R. (Name geändert). Er ist zwar erst 29 Jahre alt, aber irgendwann hatte er keine Lust mehr auf Systemadministration und wollte etwas Neues ausprobieren. Beamter war er schon, im Rechenzentrum beim Landesamt für Statistik. Als er dann von der neuen Sonderlaufbahn „Technischer Computer- und Internetkriminaldienst“ bei der Polizei hörte, bewarb er sich ohne Zögern.

Was ihn ab Montag beim Landeskriminalamt (LKA) erwartet, weiß er noch nicht genau. Erst einmal arbeitet er bei der Netzwerkfahndung, geht Hinweisen der Ermittler oder aus der Bevölkerung nach. Oft kein leichter Stoff: Rund 90 Prozent der Delikte haben mit Kinderpornografie zu tun. R. analysiert dann Serverprotokolle, wertet Daten von Providern aus und gibt seine Erkenntnisse an die Kollegen weiter. „Da kann ich aus meinem Informatikstudium viel rausziehen“, sagt R.

Die Cybercops sind beim LKA völlig neu. Wirtschaftsspezialisten beschäftigt die Polizei zwar schon länger, jetzt aber werden die Quereinsteiger durch die neu geschaffene Laufbahn auch verbeamtet. Laut Dathe soll es sich dabei nicht um einen einmaligen Versuch handeln. Auch in Zukunft sollen IT-Profis und Wirtschaftsspezialisten zu Experten bei der Polizei ausgebildet werden.

Moritz Homann

Rubriklistenbild: © dpa

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