+
Polizeipräsident Hubertus Andrä weiß um die Problematik mit den Anrufen aus türkischen Callcentern.

Münchnerin um eine Million Euro geprellt

Darum ist das Aufklären der Trickbetrüger-Anrufe so schwierig

  • schließen

Das Kommissariat 77, das für Betrugsdelikte zuständig ist, berichtet jetzt von einem unglaublichen Fall aus dem Jahr 2015 und erklört, warum das Verfogen der Trick-Anrufe so schwierig ist.

München - Sobald die Polizei die Maschen der Trickbetrüger durchschaut und die Hintermänner dingfest gemacht hat, heckt die Kriminellenszene etwas Neues aus. Ähnlich wie die falschen Polizisten, rufen auch unseriöse Gewinnspielanbieter ihre Opfer meistens aus dem Ausland an. Das Kommissariat 77, das für Betrugsdelikte zuständig ist, berichtet jetzt von einem unglaublichen Fall aus dem Jahr 2015.

Damals hatte eine besonders gutgläubige Rentnerin fast ein ganzes Jahr immer wieder Anrufe von den Tätern bekommen. Die Gauner hatten ihr versichert, sie habe bei einem Gewinnspiel mehrere Zehntausend Euro gewonnen. Doch bevor sie auch nur einen Cent davon bekommen würde, müsse sie zuerst Geld für Anwalts- und Notarkosten überweisen. Im Nachhinein fanden die Ermittler heraus, dass die Rentnerin insgesamt eine Million Euro ins Ausland transferiert hatte. Die Gelder flossen meist auf türkische oder bulgarische Konten. Im Jahr 2015 gab es insgesamt 46 vollendete Fälle, bei denen Ganoven den Gewinnspieltrick erfolgreich anwendeten. Im selben Zeitraum gingen bei der Polizei 160 Anzeigen wegen Versuchen nach diesem Muster ein.

münchen.tv-Video: So dreist gehen die Trickbetrüger gegen Rentnerinnen vor

Klammert man den Millionen-Fall aus, entstand den Opfern ein Gesamtschaden von insgesamt 354.000 Euro. Polizeipräsident Hubertus Andrä hatte bei der Vorstellung des vorläufigen Sicherheitsberichts für das Jahr 2016 die Problematik bei der Fahndung nach den Betrügern bereits erklärt. Während Enkeltrickbetrugsfälle 2016 nur noch in einem Fall funktionierten, hat der Polizistentrick derzeit Hochkonjunktur. Das Problem: Die Täter agieren aus Callcentern in der Türkei. Die Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden findet derzeit wegen der schwierigen politischen Beziehungen praktisch nicht statt – ein Eldorado für die dreisten Betrüger.

Die Polizei rät: Seien Sie misstrauisch, überweisen Sie nie Geld, wenn es jemand am Telefon fordert. Legen Sie lieber auf!

Johannes Heininger/Video: snacktv

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Illegale Liebesdienste im Münchner Bahnhofsviertel boomen
Das Rotlicht-Geschäft boomt. Immer mehr Frauen bieten ihre Dienste in Wohnungen und Hotels an – illegal. Was Sie über den Boom im Sperrbezirk wissen müssen.
Illegale Liebesdienste im Münchner Bahnhofsviertel boomen
Oper für alle und Percussionkunst: Das ist in dieser Woche in München los
Kultur, Konzerte und Partys: In München ist jeden Abend etwas geboten. Da bleibt keine Zeit für Langeweile. Wir verraten Ihnen, was heute Abend in der Stadt los ist. 
Oper für alle und Percussionkunst: Das ist in dieser Woche in München los
Mit Hakenkreuzen versehen: Kindergärten erhalten Drohbriefe
Wie ernst ist die Situation? Ein Unbekannter versendet Drohbriefe an Kindergärten und religiöse Einrichtungen. Sein Ziel sind offenbar Kinder jüdischen oder muslimischen …
Mit Hakenkreuzen versehen: Kindergärten erhalten Drohbriefe
Ärger wegen CSU-kritischer Demo: So bestraft Schmid das Volkstheater
Mit einer Demo soll die Asylpolitik der CSU kritisiert werden. Die Veranstaltung wird auch vom Volkstheater unterstützt. Darum reagieren die Politiker nun und …
Ärger wegen CSU-kritischer Demo: So bestraft Schmid das Volkstheater

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.