Vorsicht, manipuliert: An diesem Automaten sind eine Videoleiste (oben) und ein Karten-Lesegerät aufgeklebt. Foto: lka

Daten-Diebe an Geldautomaten immer erfolgreicher

München - Manipulationen an Geldautomaten haben erneut stark zugenommen. Laut Landeskriminalamts haben Betrüger 2008 so allein in München Schaden von über zwei Millionen Euro verursacht.

Laut Christian Wacker, Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA), wurden im vergangenen Jahr 46 Fälle bekannt, bei denen sich Kriminelle an Münchner Bankautomaten zu schaffen machten und mit technischen Tricks EC-Karten-Daten stahlen. Die Vorgehensweise ist stets ähnlich: In einem ersten Schritt werden heimlich die Daten vom Lesestreifen kopiert, dann die vierstellige Geheimzahl, die sogenannte PIN, ausspioniert.

Dafür werden am Automaten Lesegeräte-Attrappen vor dem Kartenschacht befestigt. Diese lesen beim Abheben unbemerkt persönliche Daten vom Magnetstreifen. Mitunter werden auch die Türöffner an den Banken manipuliert und bereits dort die Magnetstreifen ausgelesen. In einem zweiten Schritt wird die Eingabe der Geheimzahl mit Mini-Kameras gefilmt. Die sind teils in Blendleisten über der Tastatur versteckt, manche Täter kleben auch Kameras, die wie Rauchmelder aussehen, an die Decke. Alternativ wird die PIN-Eingabe über eine zusätzlich angebrachte Tastatur ermittelt, die über dem eigentliche Zahlenfeld aufgeklebt wird.

Mit den so gestohlenen Daten werden Karten-Duplikate gebastelt, die an jedem Geldautomaten weltweit wie die Originale funktionieren. Deutschlandweit sollen auf diese Weise laut Bundeskriminalamt (BKA) 2008 Schäden von mehr als 40 Millionen Euro entstanden sein. 809 Automaten waren betroffen. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 77 Prozent (2007: 459). Dabei hat sich laut BKA der bereits festgestellte Trend fortgesetzt, wonach einzelne Automaten mehrfach attackiert werden: So kam es 2008 im Deutschland zu rund 2400 Angriffen auf Geldautomaten, im Vergleich zu 1350 im Vorjahr. Ähnlich die Situation in München: "Die 46 Manipulationsfälle waren an nur 27 Automaten", sagt LKA-Sprecher Wacker.

Sven Rieber

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