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Imam Benjamin Idriz und Alt-OB Christian Ude am Dienstag im Münchner Forum für Islam.

Geplantes Islamzentrum

Moschee-Pläne: Spender-Name erst bei Zahlung

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München - Das Münchner Forum für Islam (MFI) will den Namen des möglichen Großspenders für seinen geplanten Moschee-Bau nun doch bekannt geben – aber erst, wenn das Geld tatsächlich eingetroffen ist. Unterstellungen, es könnte sich um einen Strohmann handeln, weist Kuratoriums-Chef Christian Ude vehement zurück.

Das Münchner Forum für Islam (MFI) will den Namen des möglichen Großspenders für seinen geplanten Moschee-Bau nun doch bekannt geben – aber erst, wenn das Geld tatsächlich eingetroffen ist. Unterstellungen, es könnte sich um einen Strohmann handeln, weist Kuratoriums-Chef Christian Ude vehement zurück. von Sven Rieber Durch seine langjährige Erfahrung als Münchens Oberbürgermeister ist Ude bei Versprechungen vorsichtig geworden. Er weiß, dass nicht jede angekündigte Spende auch tatsächlich eintreffen muss. „Während meiner Amtszeit habe ich oft genug Millionen Euro für Stadien, Tunnel oder Moscheen in Aussicht gestellt bekommen, die dann nie angekommen sind.“ 

Auch der Penzberger Imam Benjamin Idriz findet, „dass es keinen Sinn macht, über eine Person zu sprechen, die noch nichts gespendet hat“. Die jüngsten Störfeuer aus CSU-Kreisen zur Identität eines neuen möglichen Großspenders findet Idriz darum „enttäuschend“ und „aufgebauscht“.

Wie berichtet, hatte Kuratoriums-Chef Ude vergangene Woche angekündigt, es gebe einen Stifter, der den Grundstückspreis bezahle – die Kosten sollen bei rund vier Millionen Euro liegen. Der Ältestenrat im Rathaus entschied daraufhin, dass das Münchner Forum für Islam (MFI) ein Jahr mehr Zeit bekommt, um die Komplettfinanzierung des 40-Millionen-Euro-Projekts zu schultern: Bis Ende 2016 bleibt das erhoffte Grundstück an der Dachauer Straße nun reserviert.

"Ist das der reiche Onkel aus Arabien, den keiner kennt?"

Am Montag verbreiteten die beiden CSU-Bundestagsabgeordneten Johannes Singhammer und Hans-Peter Uhl dann aber eine Mitteilung, in der über Szenarien spekuliert wird, dass unbekannte Geldgeber aus dem arabischen Raum doch Einfluss nehmen könnten auf die Arbeit in der Münchner Moschee. „Millionenspenden ohne Zweckverfolgung“, schreiben die beiden, „widersprechen der Lebenserfahrung.“ Singhammer sagte zudem im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wenn der Eindruck entsteht, es gebe Hintermänner, die das Licht scheuen, wirft das ein schlechtes Licht auf das ganze Projekt.“ Man müsse sich fragen, ob es den Spender überhaupt gebe. „Ist das der reiche Onkel aus Arabien, den keiner kennt? Oder steht eine staatliche Organisation dahinter, die nicht genannt werden will?“

Lesen Sie hier einen Kommentar vom Merkur-Redakteur Felix Müller zum Thema: Moschee-Pläne in München - Zeit für eine ehrliche Debatte

Ude und Idriz versicherten am Dienstag auf Nachfrage unserer Zeitung nochmals, dass es „eine schriftliche Zusage“ einer Privatperson gebe. Bei dem Wohltäter in spe handele es sich um einen 83 Jahre alten Mann aus Saudi-Arabien. Laut Idriz war dieser im Herbst zu einer medizinischen Behandlung in München. Er habe die MFI-Räume in der Altstadt und das Islamische Forum in Penzberg besucht. Dabei sei er auf das geplanten Islamzentrum mit Moschee, Gemeindezentrum und Bibliothek aufmerksam geworden.

"Ein merkwürdiges Licht"

Dem Mann imponiere die Idee einer repräsentativen Moschee, in der auf Deutsch ein Islam westlicher Prägung gepredigt wird. Interesse an einer großen Würdigung seiner Person habe der Spender aber nicht, sagt Idriz. Eher im Gegenteil. Gleichwohl werde er aber aus „Gründen der Transparenz“ auch nochmals nach München kommen. Idriz: „Ich bin sicher, dass er sich auch bei der Stadt vorstellen würde, wenn der Oberbürgermeister ihn einlädt.“ Auch habe er sich bereiterklärt, die vom MFI ausgearbeitete Erklärung für Stifter (siehe unten) zu unterzeichnen. „Ein merkwürdiges Licht“ falle vielmehr auf die beiden CSU-Männer Singhammer und Uhl, ätzte Ude: „Weil die beiden offenbar aus eigener Lebenserfahrung wissen, dass es keine Millionenspenden ohne Zweckverfolgung gibt.“

Die Erklärung, die der Stifter abgeben muss

„Auf Grundlage der Dokumentation des Vereins sowie der Gewissheit, die ich mir über das Bauvorhaben ,Münchner Forum für Islam‘ verschafft habe, bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass diese Initiative darauf abzielt, mit der Realisierung des beabsichtigten Projekts 

– die menschlichen und islamischen Wertvorstellungen zu fördern, die auf Barmherzigkeit, Toleranz, Mäßigung, Dialog, Offenheit, friedlicher Koexistenz und Achtung vor den Grundsätzen der Verfassung des Staates basieren, 

– jegliche Form von Extremismus und Gewalt sowie Hass zwischen Menschen zu ächten, 

– Vertrauen, Sicherheit und Frieden innerhalb der Gesellschaft zu festigen. 

Deshalb verpflichte ich mich, dieses kulturelle Projekt dadurch zu unterstützen, dass ich die Grundstücks- und Baukosten tragen und zugunsten der Muslime in München stiften werde, damit dort die religiösen Riten ausgeübt werden, über Islam kompetent informiert und aufgeklärt wird und die islamischen und menschlichen Wissenschaften entsprechend den methodischen Grundsätzen des Korans und der Tradition des Propheten gelehrt werden. 

Dies hat unter Berücksichtigung der elementaren Ziele der islamischen Normenlehre zu erfolgen, nämlich dem Schutz und der Achtung von Religion, Leben, Verstand, Nachkommenschaft, Eigentum, Würde, Freiheit sowie der Verwirklichung von Gerechtigkeit und Gleichheit unter den Menschen. Ich versichere, dass diese Aufwendungen ausschließlich getätigt werden, um Gottes Weg zu folgen, und sie mit keinerlei Vorbedingung oder Einmischung in den Betrieb des Projekts verknüpft sind, außer der Versicherung, dass die oben genannten Werte beachtet werden und die Gebäude dem Gemeinwohl dienen.“

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