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Debatte um München 2022 entbrannt

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München - Soll München einen neuen Anlauf wagen - und sich für die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben? Die Diskussion darüber ist in vollem Gange, die Stadtpolitik gespalten. Von den Olympia-2018-Bewerbern fehlt bislang ein eindeutiges Signal.

Kaum ist die Niederlage am Donnerstag in den Köpfen angekommen, schießen wieder Spekulationen ins Kraut. Diesmal geht es um Olympische Winterspiele 2022. München, heißt es, könne mit einer zweiten Bewerbung durchaus Erfolg haben. Weil Deutschland wohl auf eine Bewerbung um die Sommerspiele 2020 verzichtet, seien Winterspiele zwei Jahre später auf deutschem Boden wahrscheinlicher. Und: Weil 2018-Frontmann Thomas Bach in zwei Jahren zum IOC-Präsidenten gewählt werden könnte, seien Münchens Chancen 2022 sicher nicht schlechter.

Doch noch ist ein zweiter Anlauf selbst Spekulation, auch wenn die Diskussion in der Münchner Politszene bereits einsetzte, als die Pleite im Dreikampf um Olympia 2018 am Mittwoch erst seit wenigen Minuten bekannt war.

Vor einem Rathaus-Votum steht aber der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB): Er ist das entscheidende Gremium, das eine erneute Kandidatur Münchens und seiner Partnergemeinden für 2022 zunächst befürworten muss. Auf eine Aussage wird man aber noch warten. DOSB-Generaldirektor Michael Vesper lässt sich am Donnerstag mit den Worten zitieren: „Eine neue Bewerbung will wohl überlegt sein.“ Man werde sich nicht unter Druck setzen lassen, betont DOSB-Präsident Thomas Bach. Am kommenden Mittwoch werde das Präsidium tagen. „Eine Entscheidung wird bei diesem Gespräch aber sicher noch nicht fallen.“

Die Parteien im Münchner Rathaus bringen sich dennoch bereits in Position. Schnell und deutlich sprechen sich die Grünen gegen eine erneute Bewerbung aus. Fraktionschef Siegfried Benker begründet die Ablehnung damit, dass man „eine Millionenstadt wie München nicht jahrelang in einer olympischen Dauererregung halten“ könne - und „nicht beliebig Millionen aus der Zivilgesellschaft dafür holen“. Doch natürlich spielen auch die innerparteilichen Fehden der Grünen beim Thema Olympia eine Rolle. Eine weitere Zerreißprobe in der Partei will man nicht riskieren.

Mit ihrem klaren Votum setzen die Grünen den Koalitionspartner SPD unter Druck. Der stellt sich nicht gegen einen zweiten Versuch. Doch noch aus Durban mahnt der Rathauschef zur Zurückhaltung. Ob eine neue Bewerbung angesichts des Wahlausgangs in Durban Sinn mache, müsse man sorgfältig prüfen, sagt OB Christian Ude Sozialreferentin Brigitte Meier, Wirtschaftsreferent Dieter Reiter, Fraktionschef Alexander Reissl: Alle drei SPD-Kandidaten im Rennen um Udes Nachfolge im Jahr 2014 betonen, die Stadt müsse die Sache mit allen anderen Partnern der Bewerbung absprechen. Nur Meier sagt, sie sei „dafür, dass wir uns noch einmal bewerben“. Ein geschlossenes Ja-Wort zu Olympia 2022 sieht anders aus.

Das liefert am Donnerstag der Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) - und die CSU im Münchner Stadtrat. Per Stadtratsantrag fordert sie eine erneute Bewerbung für 2022. Fraktionschef Josef Schmid, der 2014 erneut um den OB-Stuhl kämpft, sagt selbstbewusst: „Ich werde alles dafür tun, dass ich derjenige bin, der die Spiele nach München holt.“ Auch sein Parteikollege Kultusminister Ludwig Spaenle plädiert für einen neuen Anlauf und sagt nicht weniger siegessicher: „Wir sind die einzigen, die wissen, wie es geht.“

Sollte die SPD sich für Olympia 2022 aussprechen, könnte es eine rot-schwarz-gelbe Mehrheit im Rathaus geben - auch FDP-Fraktionschef Michael Mattar hält eine neue Bewerbung für „vorsttellbar“. Das sowieso belastete Klima in der rot-grünen Koalition würde eine solche Entscheidung allerdings nicht verbessern. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Pflicht, Olympia gemeinsam zu unterstützen, ist seit gestern Vergangenheit - sie galt nur für die Spiele 2018.

Selbst wenn DOSB, die Stadt München, die beteiligten Gemeinden, Landtag, Bundestag und Bundesregierung dem Vorhaben zustimmen, bleibt ein Fragezeichen. Ob sich erneut diverse Großunternehmen finden lassen, die die Bewerbung als nationale Förderer mit Millionen bezuschussen? Das muss sich erst zeigen.

Noch ist Zeit für den Entscheidungsprozess: Die Stadt müsste die Schritte für eine Bewerbung im kommenden Jahr einleiten. Die offizielle Bewerbungsphase beginnt 2013. Vergeben werden die Spiele 2022 erst 2015. Gegen wen München diesmal antreten würde, ist noch unklar. Interesse bekundet haben neben dem norwegischen Oslo bislang Barcelona (Spanien) und Zakopane (Polen). Auch in der Schweiz gab es zuletzt Interesse. Reno im Bundesstaat Nevada (USA) werden ebenfalls Ambitionen nachgesagt.

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