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„Den Menschen ist egal, wo sie erfrieren“

München - Kälteschutzräume sollen Obdachlose in München vor dem Erfrieren bewahren. Doch die Stadt kann den riesigen Bedarf kaum decken.

Von Doris Richter

Seit Viertel nach Vier steht Dumitru R. vor der Tür zu Haus 9. Heute will er mal einer der ersten sein, die hinein dürfen. „Kälteschutzräume“ steht auf dem Schild neben dem Eingang. Seit einer Woche kommt Dumitru R. jeden Tag. Seit die Temperaturen nachts unter die Null-Grad-Grenze sinken, öffnet die Stadt München täglich um 17 Uhr das Haus 9 auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne für Menschen wie ihn.

Vor fünf Monaten kam der Rumäne nach München. Auf der Suche nach Arbeit, Leben, Perspektive. Zumindest bis morgen früh um neun ist Letzteres gut: Ein Bett, saubere Bettwäsche, ein Handtuch, ein warmes Zimmer und Frühstück. Was für die meisten völlig normal ist, ist für die Menschen, die an diesem Abend vor Haus 9 stehen, etwas Besonderes. „Normalerweise schlafen sie auf der Straße, auf Bänken, in Abrisshäusern, unter Brücken“, sagt Anton Auer vom Evangelischen Hilfswerk, das den Kälteschutzraum organisiert.

Seit 1. Dezember nutzt die Stadt Haus 9 für die Obdachlosen. Es liegt am südlichen Ende des alten Freimanner Kasernen-Areals, direkt an der Grenze zum Euro-Industriepark. Die meisten Obdachlosen, die hierher kommen, stammen wie Dumitru R. aus Osteuropa. „Viele haben sich in ihrer Heimat aus der Mülltonne ernährt“, sagt Anton Auer. „Denen ist es egal, ob sie zuhause erfrieren oder hier.“ Das zu verhindern, dafür sind Auer und sein Team, drei Sozialpädagoginnen, da. Und es geht um mehr als das. Sie sollen die Menschen beraten, ihre Situation klären und die Perspektive, die sie in München haben. „Die meisten haben keine, doch zurück wollen sie nicht, denn dort haben sie erst recht keine“, sagt Auer.

Genau das ist das Problem: Immer mehr Menschen aus den osteuropäischen EU-Beitrittsländern suchen in München ihr Glück. Die Zahl der Obdachlosen steigt. Die Notunterkünfte sind voll. So musste schnell eine Lösung her. Im November beschloss der Stadtrat das Kälteschutzprogramm und stellte dafür eine halbe Million Euro zur Verfügung. Am ersten Dezember übernachteten die ersten Obdachlosen.

Kaum eröffnet, wird der Platz schon wieder knapp. 170 Plätze waren ursprünglich geplant. 213 sind es jetzt. Zum Teil wurden zusätzliche Betten in die Zimmer gestellt. In einem Nebengebäude entstanden zwei große Extra-Schlafsäle. Die Stadt hat bereits reagiert: Am Freitagabend wurde in einem Gebäude der Regierung von Oberbayern an der St.-Veit-Straße in Berg am Laim ein weiterer Kälteschutzraum mit 100 Plätzen eröffnet. „Zeichnet sich ab, dass der Platz in der Bayernkaserne wieder reicht, wird das Haus geschlossen“, sagt Andreas Danassy, Sprecher des Sozialreferats. Ob das bald passiert, ist fraglich.

Abends um acht stehen noch immer 20 Menschen vor Haus 9. Geschickt hat sie die Bahnhofsmission, das Wohnungsamt oder die Teestube „Komm“. Fast die ganze Nacht werden Menschen aufgenommen. Am Empfang verteilt Sozialpädagogin Franziska Liegl die Zimmer. Rechts im Erdgeschoss, gleich neben dem Wachdienst, schlafen die wenigen Frauen. Oben links die Rumänen, oben rechts die Bulgaren. „Die kommen nicht gut miteinander aus“, sagt Auer. In den anderen Zimmern: Afghanen, Polen, Italiener, Serben. Deutsche sind nur wenige hier. Ein Wachdienst sorgt für Ordnung.

Franziska Liegl ist freundlich, aber bestimmt. Auf Diskussionen, wer mit wem auf ein Zimmer möchte, lässt sie sich erst gar nicht ein. „Das hier ist kein Hotel“, stellt sie klar. Unangenehm ist die Atmosphäre im Haus aber nicht. Alles ist sauber. Innerhalb kürzester Zeit hat die Stadt die Räume, Bäder und Toiletten hergerichtet. Die Stockbetten sind noch vom Militär, ebenso die Spinde. Vier bis neun Betten stehen in den Räumen. Gegenüber vom Empfang bekommen die Menschen Decken, Bettwäsche, ein Handtuch, Shampoo. Vielen nutzen die Gelegenheit, wieder einmal warm zu duschen.

Am Morgen beim Frühstück im ehemaligen Offizierheim setzen sich die Pädagoginnen, die auch Bulgarisch und Rumänisch sprechen, zu den Menschen. Versuchen, ihnen weiterzuhelfen. „Am Anfang waren viele verschlossen und abweisend“, sagt Franziska Liegl. „Wenn sie dann vier Nächte in einem warmen Bett geschlafen haben, tauen sie förmlich auf.“ Mit dem Kälteschutz endet die Begleitung der Menschen nicht. Die Stadt finanziert die Beratung das ganze Jahr.

„Den meisten können wir nicht wirklich helfen“, sagt Auer. Doch solange es keine Hilfesysteme in den Herkunftsländern gebe, mit denen man zusammenarbeiten könne, seien die Menschen schwer zu einer Rückkehr zu bewegen. „Da ist die Politik gefragt, Lösungen zu finden“, betont Auer.

Die Stadt München versucht derweil, neuen Platz für Obdachlose zu schaffen. Die 3150 Plätze in den Notunterkünften sind belegt. „Wir müssen viele Notlösungen stricken im Moment“, sagt Andreas Danassy. Doch es gibt Hoffnung: Noch wird verhandelt, doch laut Danassy wird voraussichtlich im Frühjahr ein neues Wohnheim an der Knorrstraße eröffnen, wo die Stadt 190 Plätze belegen kann.

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