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„Aufpassen, dass Münchens Stadtbild nicht austauschbar wird“: Generalkonservator Mathias Pfeil im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

Großes Interview mit oberstem Denkmalpfleger

Denkmalpfleger: „Münchens Erscheinungsbild ist in Gefahr“

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Generalkonservator Mathias Pfeil, Leiter des Landesamts für Denkmalpflege, spricht im Interview über neue Bausünden und umstrittene Denkmal-Kriterien. 

München - Über das Erscheinungsbild der Stadt wird derzeit so kontrovers diskutiert wie schon lange nicht mehr. Flachdächer, Glas, Aluminium und Beton allerorten. Gleichzeitig weichen viele Altbauten, die den Bürgern über Jahrzehnte ans Herz gewachsen sind, der Abrissbirne. Wir sprachen mit Professor Mathias Pfeil, seit März 2014 Generalkonservator und Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege über moderne Architektur und Denkmalschutz in München.

Herr Professor Pfeil, die Münchner streiten gerne und lebhaft über neue Bauprojekte. Wie geht es Ihnen dabei?

Pfeil: Das kann ich oft sehr gut verstehen. Ich bin ja selbst Architekt, aber ich muss sagen, dass derzeit kaum Architektur entsteht, die identitätsstiftend wirkt. Ich möchte kein Denkmalschützer der Zukunft sein, der die Bauten der Jetzt-Zeit zu bewerten hat, da sie ja kaum auseinanderzuhalten sind.

„Aufpassen, dass das Stadtbild nicht austauschbar wird“

Wird die Stadt in Zukunft noch als typisch zu erkennen sein?

Pfeil: Das weiß ich nicht. Aber das Erscheinungsbild Münchens ist in Gefahr, was den immens hohen Immobilienpreisen geschuldet ist. Wir müssen aufpassen, dass Münchens Stadtbild nicht austauschbar wird.

Was sagen Sie zu Mega-Bauprojekten wie dem Hauptbahnhof?

Pfeil: Ich verstehe etwa den geplanten Turm am neuen Hauptbahnhof überhaupt nicht. Es gibt keinerlei Bezugspunkte dafür in der Umgebung. Er ist einzig ein Kniefall vor den wirtschaftlichen Interessen der Bahn.

„Kniefall vor Wirtschaftsinteressen“: der geplante Turm des neuen Hauptbahnhofs an der Arnulfstraße.

Gefallen Ihnen die Neubaupläne für das Hotel Königshof?

Pfeil: Die verstehe ich auch nicht. Die Mehrung um vier Geschosse wird sich dramatisch auf das Erscheinungsbild des Karlsplatzes auswirken, in direkter Nachbarschaft zu Friedrich von Thierschs Justizpalast von 1897. Man wird dieses Hotel bis weit in die Fußgängerzone hinein sehen. Der einzige architektonische Gag an dem Gebäude, der Schlitz in seiner Fassade, wird sich schnell abnutzen. Ansonsten ist das ein ungegliederter Monolith.

„Ungegliederter Monolith“: der geplante neue Bau des Hotels Königshof neben dem Justizpalast am Stachus.

Bei der Alten Akademie in der Fußgängerzone will die Stadt allzu große Modernisierungen verhindern. Das müsste Ihnen doch gefallen.

Pfeil: Stadtbaurätin Elisabeth Merk will die Arkaden in ihrer heutigen Tiefe erhalten. Aus denkmalfachlicher Sicht ist es aber schwierig, etwas erhalten zu wollen, für das es keinen historischen Bezug mehr gibt. Die Arkaden hatten zu ihrer Erbauungszeit Glasvitrinen zur Straße und die Schaufenster im Inneren waren völlig anders gestaltet, es war eine „Erlebniswelt von Vitrinen und Schaufenstern“. Das gibt es heute nicht mehr, es fehlt einfach der historische Bezugspunkt.

Das Josef-Pschorr-Haus gegenüber der Akademie sollte ein bauliches Glanzlicht werden. Ist es aber nicht wirklich, oder?

Pfeil: Schade. Hier hat man sich im Vorfeld gemeinsam bemüht. Herausgekommen ist aber ein großer rostiger Toaster. Die große Chance, das Altheimer Eck an der Rückseite städtebaulich aufzuwerten, wurde leider verspielt.

„Ein großer, rostiger Toaster“: das JosefPschorr-Haus in der Fußgängerzone.

Denkmalschutz muss gut begründet sein

Das Landesamt für Denkmalpflege wird oft für seine Entscheidungen kritisiert. Jüngst etwa dafür, dass die drei Bürgerhäuser an der Sailerstraße nicht unter Denkmalschutz genommen wurden. Können Sie uns das noch mal erklären?

Pfeil: Das Interessante ist, dass man uns außerhalb Münchens dafür kritisiert, wenn Häuser unter Denkmalschutz gestellt werden, in München dagegen ist es oft umgekehrt. Dabei muss man aber wissen, dass die Unterschutzstellung eines Gebäudes zum Baudenkmal für den Besitzer mit einem erheblichen Eingriff in seine Eigentumsrechte verbunden ist und es deshalb schon sehr gut begründet werden muss, wenn man so was macht. In der Sailerstraße hatten wir schon zu viele Veränderungen an der ursprünglichen Bausubstanz, als dass diese Gebäude hätten Denkmäler sein können.

Welche Veränderungen?

Pfeil: Die ursprünglichen Hofzufahrten, über die diese Gebäude ursprünglich erschlossen waren, gab es nicht mehr, außerdem fehlten die Eckbauten dieser Bebauung, und weitere Umbauten haben den ursprünglichen Charakter dieser Gebäude entstellt. Die Inneneinrichtung der Erbauungszeit war praktisch komplett ausgetauscht, genauso die meisten Fenster und Türen. Wenn wir ein Gebäude zu einem Baudenkmal erklären, muss das auch gerichtsfest sein. Wir sind im Falle der Villa an der Kolbergerstraße im Herzogpark, die noch viel mehr dem Ursprungszustand entsprach und eines der selteneren Beispiele von Reformarchitektur in München war, vor Gericht unterlegen. Bürgerhäuser wie die an der Sailerstraße sind aber Serienbauten gewesen und daher noch öfter vorhanden.

In der Bevölkerung stößt die Entscheidung trotzdem auf Unmut. Vor allem die Altstadtfreunde wollen sie nicht akzeptieren. Was sagen Sie dazu?

Pfeil: Ich finde es prinzipiell gut, wenn sich Bürger für alte Bausubstanz starkmachen. Das heißt doch, dass sie sich für ihre Umgebung interessieren und einsetzen. Ich würde mir nur wünschen, dass man in Fällen wie der Sailerstraße früher auf uns zugeht und nicht erst dann, wenn alles schon durch bereits erteilte Genehmigungen für Abbruch und Neubau gelaufen ist.

„Kein Denkmalschutz möglich“: die Häuser an der Sailerstraße.

Es wurde ja kritisiert, dass das Landesamt in der Sailerstraße nicht von Vorne herein das Thema Denkmalschutz auf dem Radar hatte. Wie kann das in Zukunft verhindert werden?

Pfeil: Ich wünsche mir, dass die Lokalbaukommission der Stadt München etwas sensibler mit diesen Themen umgeht und von sich aus der eigenen Unteren Denkmalschutzbehörde mitteilt, wenn für Gebäude, die etwa vom Baualter her ein Denkmal sein könnten, aber nicht auf der Liste der Baudenkmäler stehen, Genehmigungsanträge auf Abriss oder Neubau vorliegen. Dann könnten wir früh genug reagieren und die Denkmaleigenschaft prüfen.

Wäre das nicht auch die Aufgabe des Landesamtes für Denkmalpflege?

Pfeil: Wir haben zur Überprüfung der Denkmalliste von 2006 bis 2014 eine Nachqualifizierung der Liste der Bau- und Bodendenkmäler in ganz Bayern durchgeführt. Da kamen viele Denkmäler neu auf die Liste, andere – die keine Denkmäler mehr waren – wurden von der Liste gestrichen; es ging in erster Linie darum, bestehende Listeneinträge zu konkretisieren und zu ergänzen. Sie müssen aber sehen, dass in einer Stadt wie München diese „Denkmalliste“ ganz automatisch „dynamisch“ ist und wir nur einen Mitarbeiter haben, der für die Führung der Denkmalliste in dieser Stadt zuständig ist. Und der kommt wegen Arbeiten mit aktuellen Anliegen wie laufenden Anfragen und Bauanträgen kaum aus dem Haus. Ich werde jetzt aber, weil wir keine Stellen haben, zunächst befristet für zwei Jahre einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin einstellen, der oder die mit dem Notebook durch die Stadt geht und die Denkmalliste mit dem Bestand vergleicht und mögliche, bislang übersehene Baudenkmäler ausfindig macht.

Der Verwertungsdruck in München ist extrem hoch

Wird es trotz dieser Bemühungen auch in Zukunft Unverständnis in der Bevölkerung geben, dass ein Haus kein Baudenkmal ist?

Pfeil: Klar, München ist groß! Und außerdem leben wir in einer Stadt, in der der Verwertungsdruck auf den Immobilienbestand enorm hoch ist. Und es gibt natürlich auch Gebäude, die Sehnsüchte an die alte Zeit transportieren, die Emotionen wecken. Doch hier ist oftmals die Aussagekraft, die ein „echtes“ Baudenkmal haben muss, nicht mehr vorhanden. Ein Baudenkmal muss repräsentativ für seine Zeit sein, der Erhalt muss aus geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Gründen nachvollziehbar sein und die Eintragung muss im Interesse des Gemeinwohls liegen.

Ist das Münchner Stadtbild verloren?

Ist die Lage des Stadtbildes hoffnungslos?

Pfeil: Was Neubauten betrifft, finde ich etwa die BMW-Welt oder den O2-Tower sowie die Highlight-Towers architektonisch gelungen, auch wenn letztere falsch platziert sind. Die Stadt hat im letzten Jahr Leitlinien für die Innenstadt erlassen, was ein brauchbares Instrument zum Erhalt des Erscheinungsbildes sein kann. Und es gibt ja auch Erfolge. So haben wir erst kürzlich das Ensemble Altschwabing erweitert, das vom Abriss gefährdete Haus Wagnerstraße 3 wird gerade saniert, was mit dem Haus Wagnerstraße 1 passiert, werden wir noch sehen. Gespräche mit der engagierten Bürgerschaft sind in jedem Fall sehr wichtig und werden immer wichtiger werden. Deshalb möchte ich zwei neue Stellen für diesen Dialog schaffen, um das Thema Denkmalschutz besser erläutern zu können und ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Ich hoffe, dass uns das gelingt.

Die BMW-Welt ist gelungen, findet Pfeil.

Lesen Sie auch: Das sind Münchens neueste Denkmäler und Schlicht ist Trumpf! Das Hugendubel-Haus erstrahlt in klassischem Gewand

Das Interview führte Johannes Welte.

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