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Gemeinsam für den Erhalt: Florian Grüninger, Benno Ziegler, Florian Zimmermann und Michael Piazolo (v.l).

Am Englischen Garten

Kampf um Tierklinik-Bauten: Hilft neues Gutachten?

München - Die Gebäude der tiermedizinischen Fakultät am Englischen Garten sollen abgerissen und durch einen modernen Campus für Physik ersetzt werden. Dagegen wehren sich die Altstadtfreunde. Nun könnte ein neues Gutachten ihre Forderung nach dem Erhalt der Bauten unterstützen.

71 Seiten, entstanden in geschätzten 180 Arbeitsstunden: Florian Zimmermann hat viel Arbeit in das Gutachten gesteckt, das er am Freitagmorgen ins Café Königin 43 mitgebracht hat. Direkt gegenüber des Cafés blickt man auf den Grund für Zimmermanns Mühen: Hier stehen entlang der Königinnen- und Veterinärstraße die Gebäude des Instituts für Tiermedizin der Ludwig-Maximilans-Universität – noch. Denn in den kommenden Jahren soll auf dem Grundstück der neue Entwicklungscampus Physik gebaut werden. Ein moderner, aus mehreren Gebäuden bestehender Komplex, der die übers Stadtgebiete verstreuten Einrichtungen der Fakultät endlich an einem Ort konzentrieren könnte. Dafür müssten die alten Veterinärbauten weichen. Doch die Pläne stoßen nicht nur auf Begeisterung.

Die Altstadtfreunde, eine Initiative, die sich für den Schutz historischer Bauten in der Stadt einsetzt, reichte bereits im vergangenen Jahr eine Petition gegen den Abriss beim Bayerischen Landtag ein (wir berichteten). Kommenden Mittwoch wird sich der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst mit der Petition beschäftigen und Zimmermanns Gutachten könnte eine wichtige Rolle in der Diskussion spielen.

Denn auf den 71 Seiten kommt der Sachverständige für historische Gebäude und emeritierte Architektur-Professor zu dem Ergebnis, dass „nahezu alle Gebäude als Baudenkmale einzustufen sind“. Eine Einschätzung, die der des Landesamts für Denkmalpflege widerspricht. Denn die Behörde hatte den Gebäuden den Denkmalstatus bislang abgesprochen, auch weil ein Großteil der Bauten nach dem Zweiten Weltkrieg neu- oder umgebaut werden musste.

Hier wird bereits gebaut: Auf dem Gelände des Huf-Instituts entsteht bis Ende 2018 ein Nano-Zentrum.

Für Zimmermann allerdings spricht das nicht grundsätzlich gegen deren Denkmalcharakter. „Die Frage ist ja immer, wofür können solche Gebäude als Denkmal stehen“, erläutert Zimmermann seine Sicht der Dinge. Im Fall der Tierklinikgebäude spreche gerade der Wiederaufbau für deren Erhaltung, findet er. „Die Bauten sind ein Denkmal des Wiederaufbaus.“

In ihrer Petition fordern die Altstadtfreunde nicht den Stopp der Physik-Campus-Pläne. Stattdessen will die Initiative, dass die denkmalwürdigen Gebäude in den Campus integriert werden – zumindest die, die noch stehen. Das ehemalige Institut für Hufkunde und Hufkrankheiten ist bereits abgerissen – voraussichtlich bis Ende 2018 entsteht an dessen Stelle ein neues Nano-Institut.

Dass die teilweise über 100 Jahre alten Bauten nicht den Anforderungen moderner Hochschultechnologie genügen könnten, wollen die Altstadtfreunde als Argument gegen ihren Alternativplan nicht gelten lassen. „Hier sind ja nicht nur Labore geplant“, erklärt Florian Grüning von der Initiative, „sondern auch Hörsäle und eine Kindertagesstätte. Diese ließen sich auch in den bereits bestehenden Gebäuden unterbringen. Außerdem attestiere Zimmermanns Gutachten einem Teil der Altbebauung keine Denkmaleigenschaften. Würde dieser abgerissen, gäbe es auf dem Gelände genug Platz für modern ausgestattete Neubauten, sagt Grüning.

Unterstützt werden die Altstadtfreunde auch vom Vorsitzenden des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst, Michael Piazolo, Freie Wähler. „Ich habe mir das Gutachten aufmerksam durchgelesen und es fällt einem schon auf, welche Schmuckstücke bei diesen Gebäuden dabei sind. Ich hoffe, dass auch der Ausschuss sich die Unterlagen intensiv anschaut.“

Annika Schall

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