Denkzettel für Rotlicht-Radler

München - Bei Rot über die Ampel und auf der falschen Straßenseite unterwegs - das sind bei Radlern die häufigsten Unfall-Gründe. Die Münchner Polizei setzt deswegen auf teure Denkzettel.

Was Verstöße für Radfahrer kosten

Im Bußgeldkatalog der Polizei gibt es Verwarnungsgelder (bis 35 Euro) und Bußgelder bei einer Anzeige (ab 40 Euro). Letztere führen immer zur Anzeige. Wer etwa mit dem Rad bei Rot über die Ampel fährt, kassiert eine Anzeige und einen Punkt in Flensburg. Ist die Ampel gerade erst umgesprungen, kostet es 45 Euro. 100 Euro werden fällig, wenn das Rotlicht länger als eine Sekunde leuchtete. Etwas billiger ist Telefonieren am Lenker: 25 Euro. Geisterradler kommen mit 15 Euro noch günstiger weg – solange nichts passiert. Wer ohne Licht unterwegs ist – egal ob nicht vorhanden oder kaputt – muss 10 Euro berappen. Wird ein Radweg nicht benutzt, kostet das 15 Euro. Personen, die älter als sieben Jahre sind, darf man nicht auf dem Lenker, der Stange oder dem Gepäckträger mitnehmen. 5 Euro kassiert die Polizei in diesem Fall. Genauso teuer ist es, ein Kind ohne Kindersitz zu transportieren. Betrunkene Radler bewegen sich schnell im Bereich einer Straftat – ab 0,3 Promille, wenn ein Unfall passiert. Ab 1,6 Promille gilt jeder als fahruntüchtig. Dann drohen hohe Geldstrafen und sogar der Verlust des Führerscheins.

Die junge Kanadierin ist den Tränen nahe. Ein Polizist kettet die zwei Leih-Radl, mit der sie und ihr Freund auf dem Weg zum Olympiapark waren, an einen Zaun unterhalb des Siegestors. 200 Euro muss das Paar zahlen, denn beide sind gerade bei Rot über eine Ampel an der Georgenstraße gerauscht - und hinein in die Schwerpunktkontrolle der Polizei am Eck der Georgen- zur Leopoldstraße. „Das ist absurd“, sagt die verzweifelte Frau. „Das war eine kleine Seitenstraße. In Kanada wäre das gar kein Problem.“

An der Isar schon. Die Münchner Polizei hat allein im vergangenen Jahr 5327 Radler erwischt, die über eine rote Ampel gefahren sind. Teuer wird es besonders, wenn das rote Licht schon länger als drei Sekunden leuchtet. „Gerade dann passieren Unfälle“, erklärt Verkehrspolizist Kevin Diedrich, der die Zweirad-Sünder herauswinkt. „Da springt der Pfeil für die abbiegenden Autos schon fast auf Grün.“

Mit ihren saftigen Denkzetteln will die Polizei solche Unfälle verhindern. Wie berichtet, ist die Zahl der Unfälle mit Radfahrern zwischen Januar und März in München auf 305 geschnellt. Das sind fast doppelt so viele wie im ersten Quartal 2010. In 151 Fällen waren die Radfahrer schuld. Im ganzen vergangenen Jahr verursachten allein 175 Radler einen Unfall, weil sie bei Rot über die Ampel fuhren oder Vorfahrtsregeln ignorierten.

Am Dienstag fischte die Polizei bis am Abend bei Kontrollen in der ganzen Stadt 24 Rotlicht-Radler heraus, 35 fuhren auf der falschen Straßenseite und sechs telefonierten während der Fahrt. Im vergangenen Jahr führte die Polizei 108 solcher Aktionen durch - und beanstandete 20 848 Radler.

Kolja Kröger und Ann-Kathrin Gerke

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