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Nutzer erlebt Überraschung

Neugieriger Streckenagent: Bahn-App will viele Daten

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München - Mit ihrer neuen Streckenagent-App, die sie als „elektronischen Zugbegleiter“ bewirbt, wollte die Bahn besonders sensiblen Umgang mit Kundendaten beweisen. Doch das gelingt nur mit Abstrichen.

Statt wie anderswo das datenhungrige Facebook-Netzwerk „WhatsApp“ zu nutzen, habe man eine eigene App entwickelt, die völlig anonym funktioniere, versicherte ein Sprecher. Die Nutzer müssten sich nicht einmal mit Namen anmelden, um Informationen über Verspätungen, Ausfälle und alternative Reisewege aufs Handy zu bekommen.

Doch wer, wie Leser Lothar Poppel aus Unterhaching, die App auf sein Android-Handy laden will, erlebt eine Überraschung: Die App fordert Zugriff auf die im Handy gespeicherten Kontakt- und Standortdaten. Zudem muss man vor der Installation per Klick auf „Akzeptieren“ genehmigen, dass sie auf Dateien zugreifen darf, die im Handy oder auf der externen Speicherkarte gespeichert sind.

Warum die Bahn in sein Adressbuch blicken will, bevor sie ihm sagt, ob sein Zug pünktlich kommt, ist für Poppel nicht nachzuvollziehen. „Ich werde sie deshalb nicht laden!“, sagt er empört.

Greift auf die Kontakte im Smartphone zu: Die Streckenagent-App. Foto: Fkn

Die Bahn als Datenkrake? Natürlich nicht, versichert eine Sprecherin. Das Problem liege am Betriebssystem. Grundsätzlich wolle die App vom Nutzer gar nichts wissen. Es gebe jedoch „Komfortfunktionen“, die einen Zugriff auf die Daten nötig machen. Wer Start- und Zielbahnhof nicht mühsam auf der Mini-Tastatur eintippen will, kann beispielsweise als Start den vom GPS-Chip gemeldeten aktuellen Standort übernehmen und als Ziel eine Adresse, die in den Kontakten hinterlegt ist. Das geht schneller und bequemer mit wenigen Klicks. Das Problem liege nun bei den Handy-Betriebssystemen, so die Sprecherin. Im Apple-System IOS könnten Nutzer den Zugriff auf Kontakte und Standort „einzeln annehmen oder auch ablehnen“. Die App funktioniere auch, wenn der Zugriff gesperrt wird.

Beim weit verbreiteten Betriebssystem Android hingegen ging das bisher nicht. Um die Komfortfunktionen möglich zu machen, musste eine „Gruppenberechtigung“ eingebaut werden, die sich wie von Lothar Poppel geschildert ausgesprochen neugierig zeigt. Erst ab Android-Version 6.0 sei eine differenzierte Abfrage der Zugriffsrechte möglich. Voraussetzung sei ein Update der App, das „in den nächsten Monaten“ erscheinen soll.

Den zahlreichen Android-Nutzern, deren Handy sich nicht auf Version 6.0 updaten lässt, nützt das wenig. Die Möglichkeit, eine eigene App-Version ohne die Komfortfunktionen anzubieten, zieht die Bahn nach den Worten der Sprecherin nicht in Betracht. Sie versichert jedoch, dass die Daten, auf die die App zugreift, nicht anderweitig verwendet würden. Im Bahn-Server lasse sich nicht einmal feststellen, ob eine Adresse händisch eingetippt oder aus den Kontaktdaten übernommen wurde.

Der Nutzer muss das glauben. Kontrollieren kann er es nicht.

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