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Die neue Werkstatthalle wird mehr als 200 Meter lang sein. Auf fünf Gleisen sollen hier künftig die Züge der Regio Oberbayern gewartet und bei Bedarf auch repariert werden.

Boxenstopp für Oberbayerns Züge

Baustellenbesuch: Hier entsteht die neue Zug-Werkstatt

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München - Säubern, warten, reparieren: Im Münchner Stadtteil Pasing entsteht gerade eine neue Werkstatthalle der Deutschen Bahn. Ab 2017 sollen hier bis zu 200 Regionalzüge regelmäßig überprüft werden. Ein Baustellenbesuch.

Helle Säulen strecken sich meterhoch in den Münchner Himmel, sie bilden drei lange Reihen, die Sonne strahlt mitten hindurch. Mit ein bisschen Phantasie könnte man meinen, die Deutsche Bahn (DB) baue sich hier einen Tempel im Antikstil. Die Wahrheit ist natürlich weniger pompös, etwas zumindest.

Unweit der S-Bahn-Station Langwied im Münchner Westen entsteht derzeit eine neue Werkstatthalle der DB. In jenem vermeintlichen Tempel sollen ab September 2017 die Züge der DB-Regio Oberbayern gewartet und bei Bedarf repariert werden. Alfred Kolberg, der für die Infrastruktur der DB-Regio zuständig ist, sagt: „Das wird das modernste und größte Werk in Bayern.“

Der Bahn kommt es vor allem darauf an, die Abläufe effizienter zu gestalten. Die Fahrzeuge sollen einfahren, in maximal drei Stunden fit gemacht werden und wieder in Betrieb gehen. Immerhin ist der Regionalverkehr eng getaktet, da ist keine Zeit zu verlieren. Bei der DB nennen sie das „Boxenstopp für Züge“.

Einfahren, bitte: Hier werden ab September 2017 Züge gewartet werden. Wegen des milden Winters ist die Bahn mit ihrem Projekt gut in der Zeit.

Seit September letzten Jahres wird gebaut, wegen des milden Winters liegt die Bahn sehr gut in der Zeit. Der Rohbau für das 190 Meter lange Verwaltungsgebäude steht schon. Daneben, also zwischen den Beton-Säulen, schaufeln sich Bagger durch den Boden und heben Gräben für die Werkstatt-Gleise aus. Fünf Stück sollen es am Ende sein, jedes 207 Meter lang. Vier Gleise stehen dann für die täglichen Wartungsarbeiten bereit, das fünfte ist für längere Reparaturarbeiten gedacht – etwa nachdem ein Zug einen Unfall hatte. „Die Fahrzeuge“, sagt Kolberg, „werden behandelt wie in einer Autowerkstatt.“

Eigentlich war geplant, die alte Halle, ein Backstein-Gebäude aus den 1930er-Jahren, das 400 Meter Luftlinie vom Neubau entfernt steht, umzubauen. Unterm Strich wäre das aber zu teuer gewesen – die Züge werden moderner, deshalb sind auch die technischen Anforderungen an eine Werkstatthalle groß.

Tatsächlich wird die Werkstatt mit allem möglichen Pipapo ausgestattet. Es soll eine Fußboden-Heizung geben, die sich über Geothermie speist. Auf dem Dach wird Platz für eine Fotovoltaik-Anlage sein. Das fünfte Gleis, also jenes für die Langzeit-Arbeiten, wird eine Hebeanlage bekommen, die bis zu sechs Wagen stemmen kann. Besonders ist auch, dass die Züge komplett elektrisch in die Werkstatt einfahren können. So, sagt Kolberg, „müssen wir sie nicht mehr umständlich mit Diesel-Fahrzeugen einrangieren“.

Oben, auf dem Dach des Verwaltungs-Rohbaus, bekommt man einen guten Überblick über das Projekt. Das Gleisbett, auf dem die Regionalzüge fahren, führt genau am Neubau vorbei – die Züge sollen möglichst umstandslos in die Halle einfahren. Zuerst werden die gesäubert, dann geht es in den eigentlichen Wartungs- und Werkstattbereich. Mitarbeiter werden dann die Schäden aufnehmen und bei Bedarf Ersatzteile aus dem angegliederten Materiallager ordern. Es besteht sogar die Möglichkeit, eine defekte Toilette oder Klimaanlage komplett auszutauschen. Das geht im Einzelfall schneller als eine Reparatur im Waggon.

Geplant ist, dass am Tag bis zu 25 Züge die Halle durchlaufen, sodass die ganze Flotte – 150 bis 200 Fahrzeuge – im Zwei-Wochen-Rhythmus gewartet wird. Was pro Zug nur zwei bis drei Stunden dauern soll, nimmt im Moment noch einen halben Tag in Anspruch.

Wenn weiterhin alles nach Plan läuft, soll am 8. Juni 2017 Richtfest gefeiert werden. Für die Inbetriebnahme lässt sich die DB noch bis zum 1. September Zeit, dann wird es Probeläufe geben – schließlich soll alles klappen. Die Kosten sollen bei 50 Millionen Euro liegen. Ein Tempel wäre auch nicht billiger gewesen.

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