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Für die Grünen im Maximilianeum, für den S-Bahn-Ausbau engagiert: Markus Ganserer kämpft immer noch gegen eine zweite Röhre durch die Innenstadt. Fotos / Montage: Klaus Haag

Merkur-Interview mit Markus Ganserer

Zweite Stammstrecke: Experte sagt, „Dobrindt hat keine Chance“

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München - Durchbruch oder leere Versprechen? Die Delegation bayerischer Politiker, die diese Woche mit dem Bus nach Berlin reiste, war sich einig: Jetzt kommt die zweite Stammstrecke wirklich. Ein Verkehrsexperte erklärt im Interview, warum er das anders sieht.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, CSU, habe sich so deutlich zum Bau der Zweiten S-Bahn-Stammstrecke bekannt, dass es kein Zurück mehr gebe. OB Dieter Reiter (SPD) zeigte sich absolut überzeugt: Jetzt kann die zweite Röhre nicht mehr gestoppt werden.
Zurück in München, wird er sich aber weiter auch mit Kritikern auseinandersetzen müssen. Zum Beispiel mit Markus Ganserer, dem Grünen-Verkehrsexperten im Bayerischen Landtag. Ein Gespräch mit Markus Ganserer über taktische Fehler von OB Reiter, die wahren Schwächen des S-Bahn-Netzes – und darüber, warum er nicht glaubt, dass Dobrindt sich in Berlin durchsetzen kann.

Herr Ganserer, ist die Debatte um die Zweite Stammstrecke mit der Zusage von Minister Dobrindt zu Ende? Nach dem Motto: Was auch passiert, gebaut wird sowieso?

Nein, keineswegs. Die Teilnehmer der Delegationsreise hätten merken müssen, dass Herr Dobrindt nicht der Weihnachtsmann ist. Außer netten, warmen Worten war im Geschenkesack nichts drin.

Dobrindt hat doch ausdrücklich gesagt, bei den Kosten kenne er kein Limit.

Das hat er schon vor Jahren gesagt. Nach aktuellen Zahlen aus bahninternen Unterlagen, die niemand dementiert hat, rechnen wir mit Kosten bis zu 3,1 Milliarden Euro. Wir haben eine Riesen-Finanzierungslücke. Die kann man alleine mit warmen Worten nicht schließen. Das ist noch keine Zusage. Die Debatte um die fehlende Finanzierung ersetzt aber ohnehin nicht die fachliche Auseinandersetzung. Bevor man Phantom-Debatten führt, sollte es eigentlich erstmal darum gehen. Es ist noch nicht zu spät. Wir sollten uns sachlich auseinandersetzen.

Aber OB Reiter interpretiert die Aussagen offenbar so, dass der Bund bereit ist, die Mehrkosten zu tragen. Lässt sich Dobrindt wirklich eine Hintertür offen?

Das sind hohle Versprechen. Er hat auch oft versprochen, dass die Maut für ausländische Fahrzeuge kommt. Auf warme Worte hin kann man keinen Auftrag erteilen. Es ist ja noch nicht im Haushalt eingeplant.

Aber was sollte taktisch hinter den neuerlichen Versprechen stecken? Schwer vorstellbar, wie Dobrindt nächstes Jahr die Stammstrecke beerdigt.

Entschieden wird es vom Bundestag. Da muss er– wenn er es haben möchte – erstmal mit seinen Kabinettskollegen und dem Finanzminister einig werden. Ich sehe keine Möglichkeit, dass er das Geld dafür bekommt.

Reiter setzt weniger auf eine Zusammenarbeit mit Großstädten im Rest der Republik und stark auf einen gemeinsamen Auftritt der Metropolregion. Kann das auf Bundesebene sogar kontraproduktiv sein? Im Sinne von: Wir subventionieren doch nicht auch noch die reiche Region München?

Es ist natürlich das legitime Recht von Herr Reiter, sich für sein Projekt einzusetzen. Aber in Berlin wird sicher nicht danach verfahren, wer die meisten Reisebusse in die Hauptstadt organisiert. Sowohl die Haushalts- als auch die Verkehrspolitiker in Berlin müssen sich an der Sache orientieren. Der Topf zur Finanzierung von Verkehrsprojekten ist gnadenlos überzeichnet. Und der Anteil der Projekte aus Bayern ist nicht gerade niedrig.

Wie hoch ist er?

Für die U-Bahn und S-Bahn in München wurden 1,539 Milliarden Euro angemeldet. Das entspricht 76,7 Prozent der Anmeldungen Bayerns, 21,8 Prozent der bundesweiten Anmeldungen. Wie die Münchner SPD-Chefin Claudia Tausend zu dem Schluss kommt, dass München gegenüber dem ländlichen Raum benachteiligt wäre, kann ich nicht nachvollziehen. Da fehlt einfach die Relation. Und da kann ich mir auch nur schwer vorstellen, wie es zu einem Sondertopf für München kommen sollte. Wir müssen weg von extrem teuren Prestigeprojekten wie dem Zweiten S-Bahn-Tunnel, die die knappen Finanzressourcen blockieren. Das Geld wäre für andere Projekte besser eingesetzt.

Für welche?

Die Außenäste sind im S-Bahn-Netz München wesentliche Engpässe. Deren Ausbau ist auf viele Jahre nicht finanzierbar, weil das ganze Geld in dieses Prestigeprojekt zweiter Tunnel fließen soll. Wir müssen nicht immer alles über die Mitte führen. Mit einem Süd- und einem Nordring können wir in Konkurrenz zum Auto treten. Bisher sind die Prioritäten falsch gesetzt worden.

Fakt ist aber: Die Münchner S-Bahn ist gerade in der Innenstadt sehr überlastet. Vom oberirdischen Südring als Alternative ist aber in der Stadt kaum noch die Rede. Wie könnte es gelingen, der Idee noch einmal Leben einzuhauchen?

Man sollte sich nochmal hinsetzen und überlegen, wohin man das S-Bahn-Netz München entwickeln will. Was ist das endgültige Ziel? Ich wünsche mir da zum Beispiel vor allem einen 10-Minuten-Takt auf allen Linien. Dann muss man überlegen, welche Maßnahmen brauche ich dafür und wie kriege ich sie finanziert?

Also bleibt für Sie ein Südring die Lösung?

Mit der zweiten Röhre allein löse ich das Problem auf jeden Fall nicht. Sie ist nie und nimmer finanzierbar, wenn man auch noch die Engpässe auf den Außenästen beseitigen will. Die Lösung ist der Südring. Der hat großes Potential für die Stadtentwicklung. In der Summe käme man wesentlich günstiger und hätte schneller eine Lösung für das Gesamtsystem.

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