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Das ist Bernhard Weisser, Chef der Münchner S-Bahn. Er sucht dringend Lokführer für sein Unternehmen.

Wegen Personalmangels

Münchner S-Bahn leiht sich Lokführer aus

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München - Die S-Bahn München kämpft mit anhaltender Lokführerknappheit. Pro Tag gibt es eine Unterdeckung von fünf bis sieben Prozent, räumt der S-Bahn-Chef ein.

"Chronischer Lokführermangel bei der S-Bahn München“ – unter dieser Schlagzeile hatte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) vor einem Monat die aus ihrer Sicht schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen der S-Bahn-Lokführer thematisiert. 600 S-Bahn-Lokführer gibt es, und es könnten durchaus einige mehr sein. „Wir stellen ein, wir suchen, wir bilden aus“, sagte Weisser. Und dennoch sei „der Bedarf nicht vollständig gedeckt“. Die „Lage ist angespannt, aber beherrscht“. Grund für den Engpass sei der allgemeine Arbeitskräftemangel, meint Weisser. Eine generelle Unzufriedenheit im Unternehmen sieht er nicht.

30 bis 40 Lokführer gehen pro Jahr in Rente

Jährlich scheiden etwa 30 bis 40 Lokführer aus oder gehen in Rente. Einen Trend bemerkt Weisser bei den 120 Lokführern, die in München nur ein Zimmer haben und eigentlich in Ostdeutschland wohnen: Mehr und mehr zieht es sie zurück in die Heimat – sei es, weil sie sich um ihre Eltern kümmern wollen, sei es, weil sie mehr Zeit für die Familie haben wollen. „Einer hat sogar umgesattelt und ist jetzt Hausmeister“, bedauert Weisser.

Derzeit fahren viele Mitarbeiter Zusatzschichten, um den Fahrplan zu bewältigen. Auch Mitarbeiter, die zum Beispiel als Disponenten eigentlich in der Verwaltung arbeiten, aber eine Fahrerlaubnis haben, springen ein.

Außerdem hat Weisser Lokführer von DB Regio Nürnberg und Allgäu/Schwaben geködert – sie helfen für zunächst sechs Monate aus. Die ersten 14 erhalten ab heute eine Übungseinheit Streckenkunde, im Laufe des Juni werden sie dann als Lokführer eingesetzt. Ganz uneigennützig ist der temporäre Wechsel nach München nicht: Der S-Bahn-Chef bestätigte eine von der GDL genannte Einmalzahlung in Höhe von mehreren tausend Euro. Zu der Forderung der Gewerkschaft, auch dem regulären Münchner Personal eine Art Sonderbonus zu gewähren, weil sonst „der Frust in der Stammbelegschaft“ wachse, meinte Weisser vieldeutig: „Wir reden stetig mit dem Betriebsrat“ – offenbar auch über diesen Punkt.

Dreieinhalbjährige Ausbildung zum Eisenbahner

Dem Lokführermangel will Weisser jedoch mit herkömmlichen Mitteln begegnen. Er setzt auf die neue so genannte Verwendungsausbildung, die Bewerbern mit abgeschlossener Berufsausbildung eine Kurzzeit-Ausbildung zum Lokführer in neun bis zehn Monaten erlaubt. 60 Personen beschreiten derzeit diesen Weg. Weisser betonte, dass auch Bewerber mit Ende 40 oder Anfang 50 noch eine Chance hätten. Daneben gibt es derzeit zwölf Azubis für die dreieinhalbjährige Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst, der aber mehr umfasst als reine Lokführer-Tätigkeit. Ein Lokführer verdient als Einsteiger 2616 Euro Grundgehalt, bis zum 25. Dienstjahr steigt dies auf 3165 Euro brutto an. Hinzu kommen 300 Euro tarifliche Zuschläge etwa wegen Nachtdienst sowie ein München-spezifischer Bonus von etwa 250 Euro monatlich. Es gebe auch Bahn-spezifische Sozialleistungen, etwa ein Jobticket oder preisgünstige Versicherungen.

Trotz des Lokführer-Mangels keine Ausfälle

Trotz des Lokführer-Mangels gebe es keine Ausfälle bei Zugfahrten, betonte Weisser. Er ist mit dem Alltagsbetrieb insgesamt zufrieden. Von Januar bis April habe die Pünktlichkeit im Schnitt 96,6 Prozent betragen, obwohl sich die Zahl der „Personenunfälle“ – gemeint sind Selbstmorde – gegenüber dem Vorjahr auf 23 verdoppelt habe. Nur im Mai habe es gravierende Probleme gegeben. Am Tag des Attentats am Bahnhof Grafing sank die Pünktlichkeit auf 87,1 Prozent, zumal am selben Tag eine Taube auch noch einen Kurzschluss in der Oberleitung der Stammstrecke verursachte.

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