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Zwei Vertragspartner, zwei Meinungen: Das Deutsche Museum und die Dienstleistungsfirma WWD kündigten sich gegenseitig fristlos.

Eklat mit doppelter Kündigung

Deutsches Museum streitet mit Sicherheitsfirma

München - Zwischen dem Deutschen Museum und seiner Sicherheitsfirma ist das Tischtuch zerschnitten. Am Donnerstag erschienen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma nicht mehr zum Dienst. Offenbar gibt es seit längerem Streit um Qualifikationen – und ums Geld. Beide haben den Vertrag inzwischen gekündigt.

Gerrit Faust, Sprecher des Deutschen Museums, wirkt noch ein wenig wütend, als er von der Szenerie am vergangenen Donnerstag erzählt. Etwa 20 Mitarbeiter der Firma WWD traten einfach den Dienst nicht an, darunter Sicherheitskräfte, Gardarobiere, Einlasskontrolleure und Kassenmitarbeiter. Die Gründe dafür schienen zunächst unerklärlich. Das Museum aktivierte einen Notfallplan: Sicherheit und ordentlicher Ablauf aus eigener Kraft, mit eigenen Mitarbeitern.

In einer Pressemitteilung erklärte sich inzwischen die Sicherheitsfirma WWD Dienstleistung GmbH. Und betrachtet man das vergangene Jahr zwischen WWD und dem Deutschen Museum, wird klar, dass seit längerem ein Konflikt herrscht. Der vergangene Donnerstag war des Streits vorerst letzter Akt.

Dass die Zusammenarbeit von Beginn an nicht reibungsfrei verlief, erklärt WWD-Rechtsanwalt Klaus Toonen, der unserer Zeitung gestern seine Sicht der Dinge schilderte: „Das Deutsche Museum hat seit einem Jahr regelmäßig die vereinbarten Zahlungen gekürzt, jeden Monat, zwischen 15 und 30 Prozent. Und das ist in der Sicherheits- und Dienstleistungsbranche nicht hinnehmbar“. In der Branche habe man ohnehin nur geringe Gewinnmargen. Das Museum, so Toonen weiter, habe eine mangelnde Qualifikation der Mitarbeiter beanstandet. So habe das Museum ein jährliches Sportabzeichen gefordert, Grundkenntnisse in Werkschutzdienstkunde, oder eine Selbstverteidigungs-Ausbildung, die nicht älter als drei Jahre ist. „Das sind teilweise Anforderungen, die nicht einmal an den Polizeivollzugsdienst gestellt werden“, sagt Toonen. „Klar, ein Sicherheitsbeamter sollte schon ein Sportabzeichen haben. Aber die Kassiererin braucht das doch nicht!“ Teilweise seien auch Bedingungen gestellt worden, die aus dem Vertragstext nicht eindeutig abzulesen seien.

Zudem beschäftigt Toonen eine weitere Frage: „Warum hat das Deutsche Museum Mitte Juni den Vertrag mit WWD um zwei Jahre verlängert, wenn man so unzufrieden war?“ Mehrmals habe er die ausstehenden Zahlungen angemahnt, zuletzt im Juni. „Leider hat nie jemand darauf reagiert.“ Und am vergangenen Donnerstag sei der Konflikt eben eskaliert. WWD habe keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als die Mitarbeiter vom Deutschen Museum abzuziehen und den Vertrag fristlos zu kündigen. Auch das Deutsche Museum kündigte den Vertrag daraufhin fristlos.

„Vertragsbruch“ lautet letztlich der Vorwurf in beide Richtungen. Für WWD-Anwalt Toonen ist die Sache eindeutig. Man habe einen bestimmten Preis für die Dienste der Firma vereinbart. Und der sei eigenmächtig und ungerechtfertigt gekürzt worden. „Mittlerweile schuldet das Deutsche Museum der Firma WWD über 130 000 Euro.“

Die Kürzungen bestreitet Museums-Sprecher Faust nicht, sie seien aber gerechtfertigt. Er verweist auf Vertragsdetails. „Ich kann momentan nicht die Einzelheiten nennen. Aber WWD hat eindeutig sicherheitsrelevante Vertragsbedingungen nicht erfüllt.“ Die Museumsleitung sei schon lange mit der Arbeit des Dienstleisters unzufrieden gewesen. „Wir sind schließlich eine öffentliche Institution. Daher sind wir verpflichtet, mit öffentlichen Mitteln sorgsam umzugehen.“

Wie es weitergeht ist unklar. Dass die einstigen Vertragspartner sich versöhnen, scheint ausgeschlossen. Denn das Deutsche Museum befindet sich laut Faust bereits in Verhandlungen mit anderen Sicherheitsfirmen. Ob die Sache vor Gericht landet? Diese Option ließen sich beide Seiten gestern offen.

Hüseyin Ince

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